Sauda – Eidfjord: Berge und Fjorde
Als der Wecker klingelt kann ich unser Glück kaum fassen. Entgegen der Vorhersage hat der Regen aufgehört und unsere Reise kann so richtig los gehen. Wir packen unser nasses Zelt zusammen und genießen selbstgemachten Haferbrei und einen Kaffee für Elli auf einer Bank vor dem Schwimmbad. Langsam erwacht Sauda zum Leben. Die ersten Supermarktangestellen laufen an uns vorbei zur Arbeit und ein paar junge Leute gehen ins Schwimmbad. Vor uns steht ein Kunstwerk, dass auf Informationstafeln über die schönsten Wanderungen in der Gegend informiert. Als wir losfahren fällt mir die Regenbogenfahne auf dem Rathaus auf, sie weht höher als die Norwegische. Es geht vorbei am Industriekomplex in ein kleines Tal.
Aufgrund des gestrigen Regens ist alles noch nass und überall sprudeln kleine und große Wasserfälle. Wir sind beeindruckt von der Natur und ich genieße das Gefühl, dass es jetzt los geht. Wir fahren auf einer kleinen Straße, unter uns sprudelt ein großer Gebirgsbach und jede Kurve verschlägt uns wieder den Atem. Wir sind sehr froh mit dem Fahrrad hier hoch fahren zu können, weil wir so genug Zeit haben alles einzusaugen an dem Autos nur vorbei düsen würden.



Außer einem sehr ärgerlichen Verfahrer ins Nachbartal (~200 Hm) passiert nichts wirklich interessantes. Das Tal ändert seinen Charakter und wird alpiner.
Wir machen Mittagspause an einer Picknick Gelegenheit nach einem sehr steilen Anstieg und trocknen unser Zelt. Unser Abendessen (YumYum Nudeln mit Pesto) ziehen wir vor, wir brauchen die Kalorien.
Etwas weiter ist es schon sehr alpin und ich bin beeindruckt, dass wir hier mit einer perfekt geteerten wenig befahrenen Straße hingekommen sind. Hier oben gibt es außerdem nette kleine Hütten und es wirkt alles sehr malerisch.
Als wir auf dem Pass ankommen sind wir beide ziemlich am Ende. Die entgegenkommenden Wohnmobile haben uns schon viele Daumen gezeigt (was sehr motivierend ist).







Die Abfahrt ist dafür umso belohnender und wir genießen sie in vollen Zügen. Nach einer netten Unterhaltung mit zwei Niederländern düsen wir den Rest der Abfahrt hinab, genießen den Blick auf den unter uns liegenden See und finden einen Schlafplatz auf der Bauschuttstelle des Skigebiets.
Nach 1560 Metern bergauf sind wir sehr, sehr fertig und gehen relativ schnell schlafen. Vorher schmieren wir uns zwei Brote damit wir morgen früh entspannt los kommen und nicht in der Kiesgrube frühstücken müssen.




Am nächsten Morgen ist das Wetter super. Wir essen unsere Stullen und fahren los. Es geht gut bergauf, die Straße ist noch sehr spärlich befahren und bald können wir zwei beeindruckende Wasserfälle bewundern.
Nach einiger Zeit biegen wir auf die kleine Passstraße ab, weil die Hauptstraße durch den Berg hindurch fährt.
Die Passstraße ist sehr schmal, perfekt geteert, leer und wunderschön. Wir wollen gerne oben richtig frühstücken, entscheiden uns aber aufgrund der doch sehr niedrigen Temperaturen dagegen und frühstücken auf der anderen Seite des Berges auf einem Wanderparkplatz.






Die weitere Abfahrt ist ein bisschen stressig, weil sie auf einer großen Straße verläuft, aber es geht die ganze Zeit bergab und wir können schnell fahren. Wir sehen noch ein paar schöne Wasserfälle, einer ist besonders beeindruckend und kommen schließlich in Odda an.
Das Städtchen liegt am Ende eines Fjords und ist sehr touristisch. Wir kaufen ein und treffen einen Radreisenden aus Frankfurt mit dem wir uns sehr nett unterhalten.
Nach dem Mittagessen fahren wir rechts den Fjord entlang. Der erste Tunnel hat wider Erwarten keine Umfahrung und ist sehr gruselig und laut. Wir beschließen, dass wir das nicht nochmal brauchen. Alle anderen Tunnel kann man aber auf wunderschönen Wegen am Fjord entlang umfahren.
Wir übernachten auf einem kleinen Zeltplatz direkt am Fjord und unterhalten uns nett mit zwei Niederländern, die eine lange Motorradtour durch ganz Skandinavien machen und fast fertig sind.
Ihre erste Frage ist, wie bei dem Radreisenden vorher auch: habt ihr vor den Rallarvegen zu machen?
Das ist eine Schotterstraße durch die Hardangervidda, die sehr bekannt ist. Wir hatten uns eigentlich dagegen entschieden, weil das einen 1200 Meter Aufstieg bedeutet. Nach einiger Diskussion entscheiden wir uns aber um.





Am nächsten Tag geht es deshalb nicht mit der Fähre nach Kvanndal, sondern mit dem Rad nach Eidfjord. Eine sehr schöne Strecke. Wir machen eine längere Mittagspause in Kinsarvik und bewundern die Kirschplantagen und die Hardangerbrücke (längste Hängebrücke Norwegens). Teile der Küstenstraße haben Blockabfertigung, was sehr angenehm ist, weil wir sie dadurch fast für uns haben (alle paar Minuten kommt ein Schwall Wohnmobile und Autos).
Kurz vor Eidfjord fängt es an zu regnen und wir bauen unser Zelt im Regen auf. Morgen früh geht es los, ich hab Bock!





Das sieht echt sportlich-hochalpin aus! Und wunderschön!
Ich ziehe den Hut und Gruß an Eure Bremsen. Sie sollen gut auf Euch aufpassen.
Wow, ihr müsst ja unglaubliche Muskeln haben! Die Fotos sehen aus wie aus einem Katalog für Aktivurlaub. Weiterhin gute Fahrt!