Projekt: Zelt

Kurz vorweg: dieser Blogeintrag ist erst ab Januar 2019 entstanden – mehr als ein halbes Jahr nach Beginn des Nähens. Ich versuche mich trotzdem best möglich zu erinnern. Also rein ins Vergnügen und viel Spaß beim Lesen ; )


Im Frühling 2018 haben wir uns mit Blick auf die Wanderung des PCT überlegt, welche Zelte für uns zu zweit in Frage kommen würden. Wichtige Aspekte waren dabei, dass das Zelt schnell und unkompliziert auf- und abzubauen ist und leicht sein sollte. Außerdem sollte der Zeltboden belastbar sein, damit wir nicht extra eine Zeltunterlage (Groundsheet) mitschleppen müssten. Vor allem aber wollten wir gut zu zweit mit unseren Rucksäcken darin Platz finden. Also suchten wir die sprichwörtliche „Eier legende Wollmilchsau“.

Mit diesen Kriterien fiel unser Blick immer mehr auf das Zpacks Duplex. Insbesondere weil man zum Aufbau kein extra Gestänge benötigt, sondern die eigenen Wanderstöcke als solches fungieren. Der Haken daran: Rund 750€ war uns dann doch ein wenig zu teuer für ein Zelt. Auch war es damals noch nicht in Deutschland erhältlich, wodurch wir es hätten importieren müssen, was uns den Aufwand mit Zoll und co. nicht Wert war. Momentan (Stand 03/2019) wäre es immer noch gute 200€ günstiger das Duplex aus den USA zu importieren als es in Europa zu kaufen.

Durch Zufall stießen wir auf das Video von „dubber“, in dem er sein selbst genähtes Zelt in Anlehnung an das Zpacks Duplex vorstellt. Frei nach dem Motto „Wird schon schief gehen!“ begann ich Tutorials zum Nähen von Zelten/Tarps/Hängematten zu suchen und wurde tatsächlich auf der Videoplattform unseres Vertrauens fündig. Das Nähen eines Zeltes braucht aber seine Zeit (und mehr als meine großzügige Schätzung von einem Monat). Zum Glück habe ich in diesem Sommer mein Abitur geschrieben und wusste, dass ich danach mindestens einen Monat Zeit haben würde. So wurde die Schnapsidee kurzerhand in die Tat umgesetzt.

Vorbereitungen

Ich entwarf in Google-Sketchup ein Modell, das mir Auskunft über die benötigten Mengen an Stoff lieferte und später als Schnittvorlage dienen sollte. (In den Kommentaren des oben verlinkten Videos kursieren mittlerweile einige Sketchup-Modelle zum Download)

Edit: Neuerdings ist unter dubberdesigns.com auch eine ausführliche Anleitung inkl. Schnittmustern für kleines Geld erwerbbar.

Nach einiger Recherche war auch klar welche Stoffe in Frage kamen, also wurde bestellt. Über RipstopByTheRoll.com haben wir folgendes Material für unser Zelt besorgt:

Außerdem haben wir Gurtband eines alten Rucksacks an den Abspannpunkten und von anderen Internetseiten folgendes verwendet:

  • D-Ringe zum Abspannen | 8 Stk.
  • Reflektierende Schnur zum Abspannen
  • T-Stopper für die Türen | 4 Stk.

Wir haben uns den Luxus gegönnt und mit einer Liegebreite von 1,70m über 50cm mehr Platz als im Duplex. Dadurch ist auch genug Platz um unsere beiden Rucksäcke entspannt mit ins Zelt zu nehmen.

Die Kosten beliefen sich auf etwa 170$. (ohne Versand und Zoll!)

Nach anfänglicher Eingewöhnungsphase an der Nähmaschine – Das war das erste mal nähen in meinem Leben =D – ging es im Juni dann Schritt für Schritt voran.


Das Nähen

Boden und Dach waren schnell vorzeigbar. Naja schnell ist in diesem Kontext auch nur relativ. Sagen wir, es gab jedes Mal Fortschritte zu sehen. Der Dachstoff ist durch die Doppelseitige Silikon-Beschichtung sehr rutschig und lässt sich, auch weil er sehr dünn ist, gut dehnen. Das mag zwar schön klingen da sich hierdurch Nähfehler ausgleichen, jedoch ist er unter der Nähmaschine nur sehr schwer zu handhaben. Es hat sich herausgestellt, dass es am Besten funktioniert, indem ein Streifen Zeitungspapier untergelegt wird, damit der Stoff überhaupt vom Schlitten transportiert wird. Nach dem Nähen kann man das Papier dann wieder aus der Naht reißen, weshalb ich nach möglichst dünnem gesucht habe. Fündig wurde ich bei den kostenlosen Sonntagsblättern =)

An den Ecken der Bodenwanne sind kleine Schlaufen eingenäht (siehe Bild). Diese werden mit Shock-Cord an den Heringen befestigt und sorgen für einen gespannten Zeltboden.

Rückblickend waren Dach und Boden mit Abstand das Einfachste. Alles schön gerade und ohne viel Nachdenken, welche Naht wie und wann gesetzt werden muss. Das änderte sich nun, da man sich nach und nach „selbst einnäht“ wenn die einzelnen Teile des Zeltes zusammen kommen. Deshalb ist es wichtig den Reißverschluss in das Netz zu integrieren bevor das Netz mit dem restlichen Zelt vernäht ist. So kommt man überall dran und kann das gesamte Zelt gegebenenfalls auch auf links drehen.

Auf den Bildern (vor allem beim letzten Bild) sieht das Dach schon sehr gelungen aus. Was jedoch noch fehlt ist das Netz, welches Boden und Zeltdach verbindet. Und hier liegt das Problem. Dadurch, dass hier noch einmal 3 Nähte je Dachkante hinzukommen verliert das Nylon die Fähigkeit sich beim Abspannen in einen „gespannten“ Zustand versetzen zu lassen. Somit hängt das Zelt dann durch und wirft Falten.
Aber das Problem ist mir erst später aufgefallen. Im Prinzip müsste man auch im Dach schon mit einem Cat-Cut arbeiten.


Die Türen

Für die Türen (wie auch für das Netz) habe ich mir im Vorhinein Schablonen aus Zeitungspapier zurecht geschnitten. Für die Aussenkante der Türen habe ich einen Catenary Cut (deutsch: Kettenlinie) verwendet. Ein guter Forums-Thread auf deutsch dazu findet sich HIER.

Die Türen überlagern sich am Giebel, sodass es nicht hineinregnet wenn beide abgespannt sind. Man spart sich außerdem den Reißverschluss. Auf ca. 2/3 von Fuß-/Kopfende zum Giebel sind Schlaufe und T-Stopper angebracht, sodass wir die Türen zusammenrollen können.


Das Netz

Zeitungsschablonen und Netz habe ich mit Stecknadeln auf eine große Matratze gepinnt. So kann sich das Netz nicht verziehen und man bekommt gerade Schnittkanten. Das Einnähen des Reißverschlusses ging ohne Probleme auf die gleiche Weise.

Die Netz-Teile wurden zuerst ans Dach und danach an den Boden genäht. Damit war das Zelt zumindest im Groben und Ganzen zusammengesetzt. An den vier Ecken ist zwischen Bodenwanne und Zeltdach elastisches Band als Verstärkung eingenäht. Die Halterungen der Wanderstöcke sind aus dem gleichen verstärkten Stoff wie der Boden, jedoch doppelt genommen. Das gleiche Prinzip habe ich auch zur Verstärkung der Abspannpunkte an den sechs Ecken des Grundrisses genutzt. In den First sind drei Schlaufen eingenäht, wodurch die Möglichkeit besteht, eine Taschenlampe oder Wäsche zum Trocknen aufzuhängen.


Und der rest

Jetzt kommt noch das Ausrichten der Türen und Halterungen, sodass sich das Zelt in einen gespannten Zustand versetzen lässt. Das Problem was momentan auftritt hatte ich ja schon oben kurz angerissen. Weil das Zeltdach natürlich wasserdicht sein sollte wird eine Kappnaht (french felled seam) auf dem First und den Seiten verwendet.
Durch die zusätzlichen Nähte und das nicht dehnbare Nähgarn wird der Stoff dort sehr unflexibel. So wird der daran angrenzende Stoff nicht mehr straff gedehnt und Falten werfen sich. Es wird sich zeigen was der beste Ansatz ist um diesem Problem zu begegnen.

Die Naht, die für alle wasserdichten Stellen verwendet wurde

Vorläufiges Fazit

Das Gute an solchen Projekten ist, dass man am Ende etwas in der Hand hält.
Hat es sich gelohnt? Auf jeden Fall! Auf dem Trail mit dem eigenen Zelt unterwegs zu sein hat seinen eigenen Charme. Auch konnten wir es so unseren eigenen Vorstellungen anpassen. Natürlich ist „Ich habe mir ein Zelt genäht“ auch eine gute Geschichte.
Würde ich es noch einmal machen? Ziemlich sicher nicht. ^^
Für absolute Näh-Anfänger ist es eine sehr steile Lernkurve und man sollte sich nur mit genügend Zeit und vor allem einer hohen Frustrationsschwelle heranwagen. Ich habe mehrere Stunden damit verbracht, falsch gesetzte Nähte wieder zu öffnen und durch den dünnen Stoff ist der Grat zu Löchern immer sehr schmal. Aber da helfen gute Podcasts und Musik.

Wenn ihr Frage habt könnt ihr uns gerne kontaktieren!!! Lasst einfach einen Kommentar da oder schreibt uns eine Mail.

Weiterlesen:
Projekt: Zelt – Teil 2
Bob nach 2000km – Fazit unseres DIY Zeltes

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6 Kommentare

  1. Respekt meine Lieben; Ihr bereitet Euch ja sehr akribisch vor; bin gespannt auf Eure Blogs und Infos; schon jetzt viel Spaß und großen Durchhaltewillen

  2. Hallo,
    Danke für euren Bericht. Das war viel Arbeit. Ich möchte mir ebenfalls so ein Zelt nähen und habe auch schon das Material daheim. Aber irgendwie hab ich doch etwas Schiss, es zu vermurksen und dann ist ja echt auch Geld hin.
    Beim Dach meintest du, es wären CAT-Nähte besser. Meinst du damit, dass alle 4 Seiten des Daches (Giebel plus 3 Seiten) so genäht werden sollten? Bei der Tür wird dann nur der Teil, wo die Öffnung ist mit so einer CAT-Naht genäht, oder? Hast du die Verstärkungen mit eingenäht oder nachträglich angebracht? Wann genau hast du den Kleber für die Nähte verwendet?
    Danke schön im Voraus für deine Infos.
    LG
    Anja

    1. Hi Anja,
      Es freut mich, dass du dich auch an solch ein Projekt wagst 🙂
      Sorry für die langsame Rückmeldung, dein Kommentar ist uns wohl zu Beginn durch die Lappen gegangen.

      Ich denke ein CAT-Cut am Giebel und an allen sechs Außenkanten ist sinnvoll. Wir haben in unseren drei Monaten Dauerbenutzung gemerkt, dass der Giebel am Morgen meist durchhing. Dies liegt am Morgentau, durch den das Silnylon sich dehnt. Wir haben es in den Griff bekommen, indem wir an beiden Heringen der Türen einen Stein auf die Leinen gelehnt haben, der dann in der Nacht quasi automatisch den Giebel stramm gehalten hat.
      Mit einem CAT-Cut sollte dieses Problem behoben sein.
      Ein zweiter Punkt ist die Abspannschlaufe auf der Kopf/Fußseite. Ich würde ihn ungefähr auf der Hälfte der Höhe einnähen, sieh dir dazu auf nochmal das ZPacks Duplex an, die Platzierung ist bei ihnen sehr gut gelungen.

      Den Seamsealer (Silikonabdichtung der Nähte) trägt man erst GANZ zum Schluss auf, wir haben ihn wegen Zeitmangels tatsächlich erst in Amerika aufgetragen 😀

      Bei den Verstärkungen für die Wanderstöcke kommt es ganz darauf an, wie du die Kapp-Naht anlegst. Ich würde empfehlen, sie so zu nähen, dass du in Schritt 2 die Lasche nach innen hast. Dann kannst du so erst Dach und Türen zusammenbringen und im Anschluss das Netz und dann noch die Verstärkungen. Und wenn alles zusammen ist kannst du die Lasche dann umnähen. Die Naht habe ich oben als Piktogramm eingefügt.

      Ich hoffe, ich konnte dir helfen.
      Falls noch etwas unklar ist helfe ich gern weiter!
      Beste Grüße Paul

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