Shenaval

Cape Wrath Trail, Tag 8
Kinlochewe -> Shenaval

Nach einer sehr erholsamen Nacht gönnen wir uns mal was und schlafen aus. Um 7:00 sind wir wach…

Wir räumen alles zusammen, die nassen Klamotten, Socken und Unterhosen sind über Nacht getrocknet. Die Wandersocken sind richtig steif geworden, ich überlege was wohl im Stoff hängt, damit er so steif werden kann und verdränge den Gedanken lieber schnell wieder.

Mit gepackten Rucksäcken im Zimmer sitzen wir um Schlag acht im Frühstücksraum unseres Hotels und nehmen uns vor so viel zu essen, dass sich das teure Hotelzimmer bezahlt macht, wäre doch gelacht.
Wir bekommen ein schottisches Frühstück, unser erstes. Es besteht aus Ei, Bacon, baked Beans, einer faden Wurst, Black Pudding und einer angebratenen Tomate. Sehr lecker. Dann machen wir uns über die Toast mit Butter und verschiedenen Marmeladen, Obstsalat und Müsliauswahl her. Als wir gehen lassen wir noch eine kleine Müslipackung mitgehen, schmeckt bestimmt gut im Tortilla mit Nutella.

Als ich wenig später vor der Tür des Hotels stehe merke ich schon, dass ich gerade einen halben Ziegelstein gegessen habe. Zum Glück geht der Weg langsam los. Wir laufen durch ein Tal, die Berge haben überall Schnee in den höheren Lagen. Die Sonne knallt, wir holen die Sonnenbrille raus. Die Schotterstraße ist ein bisschen nervig, aber dafür düsen wir und kommen schnell vorran. Ein Wasserfall an der Bergflanke fällt uns auf. Es stehen vereinzelt Hirsche rum und eine Herde quert vor uns die Straße. Jemand verbrennt in seinem Garten Gartenabfälle. Ich stelle mir vor wie es wohl wäre in dem schicken Haus mit den großen Fenstern zu wohnen.

Wir biegen links ins Seitental ab. Der Weg wird schlechter und steiler. Wir laufen über eine kleine Brücke, machen eine kleine Pause. An manchen Stellen liegen schon kleine Schneehäufchen. Wir gehen weiter, der Schnee wird mehr. Als es schon unter meinen Füßen knirscht fängt es an zu schneien. Es schneit immer mehr. Wir machen eine kurze Pause, schießen ein paar Fotos bevor der Schneesturm losgeht. Es hagelt und schneit ziemlich heftig. Wir sind sehr schlau und stehen einfach fünf Minuten mit dem Rücken in den Wind und warten. Dann gehen wir bei gutem Wetter weiter. Alles liegt voll Schnee. Man hat einen tollen Ausblick auf die Berge und Seen ringsherum.

Hier verlassen wir den Weg. Es geht bergauf durch knöchelhohen Schnee. An einer windgeschützten Stelle machen wir Mittagspause. Ich bewundere die verschneite Landschaft und die beeindruckenden Wolkenformationen. Den Rest des Tages wechseln sich Sonne, Schnee, Hagel und Regen ab, aber wir kommen gut vorran, die Landschaft ist traumhaft und hält noch einige Überraschungen bereit.

So kommen wir eine halbe Stunde später an einen sehr großen Wasserfall. Er ist nicht unglaublich hoch, aber ziemlich breit. Man kann ganz nah heran gehen und ich bin vom Vibrieren der Luft beeindruckt.
Wir steigen ins nächste Tal ab. Langsam merke ich, dass es anstrengend ist ein paar Stunden durch wegloses verschneites Gelände zu laufen. Einige Zeit später kann ich allerdings aufatmen, weil wir auf einen Wanderweg treffen.

Wir laufen nun das Strath na Sealga Tal entlang. Dabei queren wir einen flachen aber kalten Bach, bewundern einen See, halten einem Hagelschauer stand, sehen noch eine Hirschherde, kommen am Bothy an, falsche Hütte, laufen noch 2 km weiter und frohlocken, weil das Bothy sehr schön gelegen ist. Es hat zwei Etagen. Oben kann man schlafen, während unten ein Aufenthaltsraum ist. Wir können unser Glück kaum fassen: ES GIBT FEUERHOLZ! Also wird ein Feuer im Kamin gemacht. Der Raum wird nicht warm, aber es spendet doch Wärme und trocknet unsere Klamotten.

Wir kochen uns Nudeln aus der Tüte und würzen kräftig mit den Gewürzen des Bothys nach. An der Wand über der Kochecke steht geschrieben: „Just because you are in a bothy doesn’t mean it has to be bland!“. Generell sind die Wände verschönert worden. An einer Stelle hat jemand ein Ölgemälde der Umgebung direkt auf die Wand gemalt. Wir finden auch eine aufgemalte Steckdose und diverse Lichtschalter.

Leute haben inspirierende Zitate zurück gelassen und dem „Leave no Trace“-Poster, auf dem ein Gesicht ist, einen Körper spendiert, inklusive Afro.
Wir genießen noch einige Zeit das Feuer und gehen dann ins Bett. Morgen wird ein langer Tag und wir haben noch keine Unterkunft in Ullapool, ich freue mich aber schon auf ein echtes Bett und eine Dusche.

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