Göttingen – Sauda: Anreise und erste Radtage

Unsere Reise begann ganz klassisch mit dem Zug in Göttingen. Von dort ging es mit dem ICE nach Hamburg und nach dem typischen Bahn-Gleisgewechsele und etwas Aufenthalt weiter nach Kopenhagen. Hier sind wir, weil der deutsche Zug kaputt war, mit einem Zug der DSB gefahren. Gut für uns, die Sitze waren komfortabel groß und auch das Fahrradabteil war entspannt. In Kopenhagen sind wir dann erstmal zu unserem Hostel (Globalhagen – günstig und gut) gefahren, haben unseren Kram abgeladen und sind auf eine Erkundungstour gegangen. Es gab unheimlich viele Cafes und Fahrradläden in der Stadt. Zum Abendessen gab es einen großen Salat mit allerlei gutem Zeug (man muss ja nochmal Gemüse auftanken, bevor man nur noch von leichten Kohlenhydraten lebt ;)), den wir gemütlich in der Abendsonne genossen.

Den nächsten Morgen starteten wir mit einem Spaziergang zum Bäcker. Für mich (Elli) gab es dort eine super leckere Zimtschnecke, ein Milchbrötchen und einen riesigen Kaffee, für Tim gab es zwei Körnerbrötchen mit Aufstrich. Wir genossen unser Frühstück auf einer Bank direkt am Wasser und schauten den Leuten zu, die um uns joggten, Müll sammelten, zur Arbeit fuhren etc.. Gestärkt starteten wir dann unsere Erledigungs-Tour: Zuerst ging es zum „Friluftsladen“ (das scheint der dänische Globetrotter zu sein), dann noch zu einem Schneider und weiter zum Supermarkt. Auf dem Weg haben wir natürlich noch die Schlösser und die Frederickskirche bewundert und uns über die toll ausgebauten Radwege gefreut. Bei einem der Schlösser sind wir fast in Militärisches Sperrgebiet gefahren und wurden dann noch von einem Wach-Soldat aufgehalten….ups.

Nachdem wir unser Gepäck aus dem Hostel geholt hatten, ging es voller Vorfreude auf zum Fährhafen. Dort sind wir einfach über die Autospur in den Bauch des Schiffes gerollert (das war schon ein bisschen aufregend), wo wir unsere Räder einfach irgendwo an der Seite an einem Gitter festschnallen sollten. Zusammen mit einer Horde andere Leute machten wir uns dann auf die Suche nach unserer Kabine. Wir hatten die günstigste Option gebucht und damit eine Innenkabine mit herunter klappbarem zweiten Bett (war solide, ist ja auch nur zum schlafen). Bei der Erkundungstour übers Schiff hatten wir schnell alles gesehen und vertrieben uns darauf hin die Zeit mit Karten spielen, Tischtennis spielen und essen.

Nachts um 12 wurde es dann nocheinmal spannend, denn die Fähre hatte einen Zwischenhalt in Friedrigshafen. Wir haben uns das Spektakel natürlich von Deck aus angeguckt und es war sehr beeindruckend mit was für einer Präzision dieses riesige Schiff bewegt werden konnte. Etwas skuril war, dass sich direkt hinter uns auf dem Deck ein Club befand, in dem Leute feierten und Party machten, während unten alle konzentriert daran arbeiteten, das Schiff ordentlich anzulegen. Nach diesem beeindruckenden Schauspiel sind wir dann schnell wieder ins Bett gegangen.

Aufgewacht sind wir dann in Norwegen und nach einem schnellen Frühstück mit Blick über den Fjord von Oslo ging es dann auch schon runter vom Schiff. Endlich waren wir in Norwegen angekommen! Dann ging es erstmal mit dem Rad durch die Stadt und an den großen Straßen vorbei, raus aus Oslo. Während es immer wieder hoch und runter ging bewunderten wir die ganzen schönen Häuser (die Norweger scheinen da ein gutes Händchen zu haben, oder vielleicht waren es auch nur die Reichen, die im Einzugsgebiet von Oslo leben?). Und ehe wir uns versahen hatten wir auch schon das erste Teil verloren. Ich hatte beim Jacke ausziehen meine Fahrradhandschuhe einfach hinten drauf gelegt und dann vergessen sie wieder anzuziehen. Ca. 5 km weiter ist Tim dann aufgefallen, dass da ein Handschuh auf meinem Gepäck liegt…nun gut jetzt fahr ich wohl erstmal nur mit einem Handschuh. Nur ein paar Kilometer weiter kam dann die nächste Panne. Tims Kette hatte sich sehr ungünstig zwischen letztes Ritzel und Plastikabdeckung geschoben und klemmte da jetzt fest. Nach einigen Malen gewaltvollem Zurren und Zerren kamen uns dann glücklicherweise zwei Kanalarbeiter mit zwei großen Zangen und mehr Kraft zur Hilfe, lösten das Problem und wir konnten weiterfahren.

Nach weiteren Kilometern und vor allem Höhenmetern erreichten wir Drammen und waren damit kurz vor unserem Tagesziel. In Drammen machten wir dann aber nochmal an einem Fahrradladen halt, da Tims Schaltung nur noch so halb funktionierte nach der Kettenaktion. Der Fahrradmechaniker war super nett und hilfsbereit und fixte das Problem schnell. Schon sehr KO vom Tag machten wir uns dann auf den Weg einen geeigneten Schlafplatz zu finden. Wir hatten auf google Maps einen tollen Platz am See gesehen, den wir anpeilen wollten, wenig wussten wir zu dem Zeitpunkt davon, wie steil es bergauf ging, um dort hin zu gelangen. Es gab noch eine Runde Gummibärchen für den schnellen Energiekick und dann erklommen (ja das ist auf jeden Fall das richtige Wort hier!) wir die Straße zum See und wurden dann aber in jedem Fall belohnt. Der See war spiegel glatt und ruhig und man konnte sich direkt am Ufer ein Plätzchen suchen für sein Zelt. Aber erstmal gab es für uns was zu essen. Es gab YumYum Nudeln mit Avocadosoße, ein richtiges Festmahl. Da es schon recht spät war genossen wir noch etwas die letzten Strahlen Sonne und gingen dann schlafen.

Der nächste Morgen begann mit 10 km Abfahrt bis wir zu einer wunderschönen Stelle zum Frühstücken kamen, mit Toilette, Parkbänken und Mülleimern. Mit einer guten Portion Poridge und einer Tasse Kaffee im Bauch ging es los mit der Etappe für den Tag. Den Tag über fuhren wir durch viele kleine Dörfchen an den Hängen und es ging einiges auf und ab. Auf vielen der Grundstücken (eher die Größe von Bauernhöfen) standen kleine extra Häuschen auf Steinstelzen. Wir haben sehr lange gerätselt warum, aber google hat uns auf die Sprünge geholfen: die Häuschen waren Lagerschuppen und damit das gelagerte Heu, Stroh oder Korn von Ungeziefern wie Ratten etc geschützt ist, wurden die Spiecher auf Stelzen gestellt. Die Aussicht war überall überragend und wir haben uns gefragt, wann und ob wir uns daran satt sehen werden. Danach sind wir das erste Mal auf einer viel befahrenen Straße gefahren, aber die Norweger sind alle sehr umsichtig beim Überholen und wechseln teilweise sogar komplett auf die Gegenspur, um genug Abstand zu lassen. Mittags waren wir immernoch an der Hauptstraße und haben dennoch ein schönes Plätzchen für eine Mittagspause gesucht. Auf google Maps haben wir einen kleinen See in der Nähe gesehen, der, wie sich nach 10 Minuten rausstellte, doch nicht so nah war und somit haben wir eine schnelle Mittagspause an einer kleinen Seitenstraße gemacht und sind weiter gefahren. Nachmittags haben wir dann nochmal an einer Art Raststette gehalten, dessen Wirt uns angeboten hat dort auf der Wise auch zu übernachten, aber wir wollten noch etwas weiter kommen. Er hat uns dann noch darauf hingewiesen, dass es Nachts heftigen Regenfall geben soll, und dass wir das bei unser Schlafplatzwahl bedenken sollten.

Nach einer weiteren Stunde ca. sind wir an dem See angelangt, den wir uns für die Nacht ausgeguckt hatten. Man konnte über einen behindertengerechten Rundweg einmal um den See fahren und überall waren Picknicktische, teilweise auf einer kleinen Plattform in den See gebaut oder am Ufer. Wir suchten uns eine geschütze Ecke am Wasser und fingen erstmal an zu kochen, es gab CousCous mit Tomatenmark in Wrap. nach dem Essen machten wir noch einen kleinen Spaziergang um den See und entdeckten dabei ein „Campen verboten“-Schild, was wir mit einem bisschen mumigen Gefühl beschlossen zu ignorieren. Wieder zurück an unserem Platz wollte Tim noch was an seinen Fahrradtaschen einstellen, ich hatte nur noch wenig Motivation dazu, aber wir guckten uns das dann doch gemeinsam an. Dabei stellten wir fest, dass die Fahrradtasche die ganze Zeit seitlich auf die Schaltung drückte, was auch erklärt, warum diese verbogen war und den Tag zuvor nicht richtig schaltete. Nach einigem hin und her überlegen beschlossen wir den Gepäckträger höher zu stellen. Gesagt, getan und das Problem war gelöst, wie einfach es doch sein kann. Danach bauten wir dann nur noch unser Zelt auf und gingen schlafen, in der Hoffnung, dass uns keiner von unserem Platz verschäucht.

Am nächsten Morgen wachten wir mit Regen auf, der sich aber recht schnell verzog (zumindest erstmal). Wir packten unseren Kram zusammen und suchten uns ein anderes (trockeneres) Plätzchen zum Frühstücken. Es gab wieder eine gute Portion Poridge mit Apfel. Nachdem ich nochmal auf Toilette war (ja, an dem See gab es ein Plumsklo) zogen wir uns in weiser Vorraussicht all unsere Regensachen an (Regenjacke, Regenhose, Regenüberschuhe und Regenhandschuhe für mich und ZippBlock-Beutel für Tim). Wir hatten uns keine 2 Minuten angezogen, da fing es an, wie aus Kübeln zu schütten, aber wir mussten ja Mittags am Zug sein, also radelten wir los. Durch den ströhmenden Regen haben wir uns auch nur zwei Mal verfahren, aber die Strecke ging wunderschön an einem großen See entlang und der Nebel hing im Tal. Als wir nach ca. 2 Stunden in Nordagutu angekommen waren kam auch die Sonne raus und wir suchten uns zwei Picknicktische neben dem Supermarkt, um all unsere nassen Sachen und auch uns zu trocknen. Obwohl Sonntag war, hatte ein kleiner Teil des Supermakts geöffnet und wir holten noch ein paar Kleinigkeiten. Alles wieder verstaut ging es zum Bahnhof in Nordagutu, der mit einer super schönen und sauberen Wartehalle, für so ein kleines Dorf versehen war.

In der Sonne am Bahnhof in Nordagutu

Im Zug wurden unsere Fahrräder vom Schaffner in ein extra Gepäckteil hinter der Lock geladen. Die Zugfahrt war super entspannt, bis wir in Kristiansand umsteigen mussten in einen Ersatzzug (warum auch immer) der leider keine Fahrradplätze hatte. Die Schaffnerin war aber super hilfsbereit und diskutierte mit dem Lockführer, bis sie uns anwies unsere Räder einfach in den Eingängen zu Parken (jedes in einem anderen), was super nett war von ihr. Wir hatten dann noch eine eher unentspannte Restzugfahrt bis nach Sandnes (kurz von Stavanger), wo wir ein Hotel gebucht hatten.

Wir haben dann unsere Radklamotten noch gewaschen und im Hotelzimmer/bad aufgehangen und zusammen mit unserem Zelt getrocknet. Unten im Hotel konnte man sich Tee, Kaffee und Obst umsonst nehmen, was wir direkt nutzten und unser Abendbrot mit einer heißen Tasse Tee draußen vor dem Hotel genossen. Montag Morgen, wie sollte es auch anders sein wachten wir zu strömendem Regen auf, ein Glück musste man im Hotel erst um 12 Uhr auschecken und wir machten uns erstmal auf den Weg zum nächsten Kiwi (Supermarkt) und kauften für die nächsten 3 Tage ein. Glücklicherweise fanden wir Zimtschnecken ohne Ei, was die Laune doch sehr hob und nahmen direkt zwei zum Frühstück mit. Im Hotel zurück genossen wir in aller seelenruhe unser Frühstück, packten, organisierten unsere Sachen und gingen dann um 11:45 Uhr runter zum auschecken. Nachdem ich noch einen free Coffee genossen habe und wir all unsere Regensachen wieder angeklatert hatten sind wir die knappe Stunde nach Stavanger geradelt. Pitsch nass dort angekommen haben wir uns erstmal um ein Fährticket nach Sauda gekümmert uns sind dann vor dem Regen in den nächsten McDonalds geflüchtet. Mit free Wifi und was zu essen ließ es sich da ganz gut aushalten bis wir weiter ins Petroleum Museum gefahren sind.

Auf den 5 Minuten sind wir wieder nass geworden uns so ging es dort wieder darum alle nasse Sachen aus, trockene Sachen an zu ziehen. Das Museum war sehr informativ und alles war super aufbereitet, allerdings fehlte uns etwas die Sicht auf die Klimakriese und das verwenden von fossilen Energien. Beeindruckend war jedoch wie viel Geld Norwegen mit dem Öl macht. Es gibt einen Öl-Fond in den die Gewinne der Öl-Exporte fließen und dessen Geld (Mehrere Milliarden) ausschließlich im Ausland angelegt wird. Dieser ist für die „Kinder“/nächste Generation gedacht, also für nach der Öl-Nutzung. Das Museum verließen wir erst zur Schließung, denn unsere Fähre ging erst um 19:45 Uhr und es regnete immernoch.

Die Fährfahrt war dann das Highlight des Tages. Sie ging längs durch den Fjord von Stavanger bis Sauda und hielt an jeder kleinen Insel. Da es immernoch in strömen regnete waren wir froh endlich in trocknen und warmen zu sitzen. Die Fahrräder jedoch muss wir draußen auf dem Buk in normale Fahrradständer stellen, was uns ganz schön Sorgen bereitete, da die Fähre ganz schön übers Wasser peeste. Wir hatten uns einiges für die Fährfahrt vorgenommen: Essen, Artike schreiben, weiter planen, aber kamen gar nicht dazu, weil wir 2,5 h nur mit aus dem Fenster gucken und staunen beschäftigt waren. Überall an dem Fjord in den Hängen waren kleine Dörfer oder einzelne Häuschen und es gab einzigartiger Wasserfälle zu bestaunen. Die Wasserfälle hatten eine Größe mit welcher sie in Deutschland vermutlich als absoluter Touristenmagnet gezählt hätten und hier war das einfach gang und gebe. Beeindruckend war nicht nur die rasante Fahrweise des Fährführers, sondern auch seine Rekordverdächtigen Anlegemanöver. Wir waren noch einige Meter von dem Hafen entfernt und gebremst wurde auch noch nicht, da wurde schon die Fußgängerbrücke ausgefahren und mit dem anlegen abgelassen, alle Menschen gingen runter und die Brücke war noch am einfahren, da fuhren wir schon wieder weiter…ein einziges Spektakel.

In Sauda angekommen sahen wir direkt die große Schmelzfabrik und vorallem ihre zwei großen Flammen (eine Rote eine Blaue), das hat uns beeindruckt. Es war schon recht spät (22 Uhr) und regnete immernoch. Glücklicherweise ist es hier in Norwegen seeeehr lange hell und so konnten wir uns noch fix einen guten Campspot suchen. Wir schlufen die Nacht direkt hinter einem Schwimmbad, was auf jeden Fall gut geschützt vor dem Wetter war, aber wir waren uns nicht so sicher wie erlaubt das so war. Gesagt hat aber auch niemand was, also wird das schon passen.

Wie es am nächsten Tag weiter ging, könnt ihr im nächsten Text lesen.

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7 Kommentare

  1. Hallo Tim (und Elli, unbekannterweise),
    wie schön, dass du uns wieder an deinen Abenteuern teilhaben lässt (ohne dass man dabei auch nass wird).
    Herzliche Grüße und noch viele tolle Erlebnisse.
    Gruß
    Petra

  2. Ihr beiden, wie schön, dass ihr uns teilhaben lasst. Wie schön, dass ihr frei ein Land erkundet. Wie schön, dass ihr nach viel Arbeit Zeit für anderes habt und sie euch nehmt. Ich freue mich für euch, wünsche euch weniger Regen und immer einen erholsamen Schlafplatz. Und natürlich ganz in „Oma’s Sinne“: um Himmelswillen esst genug!😁

  3. Danke für Euren tollen Reisebericht 😃 wir sind sehr beeindruckt.
    Ja, etwas besseres Wetter wünschen wir Euch. Ihr seid aber ja gut ausgestattet, das ist sehr gut zu wissen!
    Wir wünschen Euch immer gute Fahrt! Unsere guten Gedanken begleiten Euch 🤗

  4. Das ist jetzt das Anteasern für wenn ich vorbei komme – und was soll ich sagen? Es klappt 😛
    Euch viel Spaß, schade dass wir uns dann so knapp verpassen Elli :/

  5. Wow, was für Eindrücke! Ich wünsche Euch auch weiterhin Ideenreichtum beim Lösen der anfallenden Situationen. Good luck. Martin

  6. Wie schön, dass die Brüder auf Wanderschaft sich erweitert haben. Danke für den interessanten Bericht! Sehe ich es richtig, dass das Krümelmonster-Jersey und die gelben Ortliebtaschen wieder dabei sind?! Weiterhin gute Fahrt und hoffentlich mehr Trockenheit!

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