Cape Wrath Trail
Cape Wrath Trail, Tag 1
Fort William -> Callop River
Als um 7 Uhr der Wecker klingelt liege ich schon wach im Bett. Ich freue mich, dass es endlich los geht. Wir ziehen uns an, putzen Zähne, setzen die gepackten Rucksäcke auf und los gehts. Auf dem Weg zum Fähranleger pfeifen wir uns das Baguette rein, das wir gestern belegt haben, sehr luxeriös.
Die Fähre fährt um 8:15 Uhr, wir sind eine halbe Stunde zu früh, irgendwo stand 8:00 Uhr. Aber nicht schlimm, wir schauen uns ein bisschen um und genießen das tolle Wetter. Man kann Ben Nevis sehen und ich schaffe es immer noch nicht mein Hirn um den Gedanken zu wickeln, dass wir an dem „Schlitz“ von Schottland sind. Wenn man nach Nordosten blickt müssten sich noch mehr Seen anschließen bis irgendwann das Meer kommt. Auch Loch Neess ist einer dieser Seen. Ich freue mich darauf, auf die andere Seite der Bucht zu kommen. Dort fängt für mich der Cape Wrath Trail und damit die Wildnis an. Ich weiß, das klingt lächerlich, aber das ist mir egal.
Wir werden nun den Cape Wrath Trail laufen. Dieser Weitwanderweg führt durch die entlegendsten Gebiete der schottischen Highlands von Fort William an den Nord-westlichsten Punkt des Britischen Festlandes, Cape Wrath. Der 370km lange Weg ist unmarktiert und verläuft teils auf Wanderwegen, teils aber auch einfach quer durch weglose Täler.
Als der Fährman in seinem roten Auto kommt springt ein junger Hund heraus und rennt schwanzwedelnd zwischen Paul und mir hin und her, kann sich gar nicht entscheiden von wem er gekrault werden möchte. Der Fährmann steigt in ein kleines rotes Motorboot und holt die Fähre. Wir setzen über (wir sind die einzigen Passagiere) und genießen den Blick. Auf der anderen Seite stehen ein paar sehr schöne Häuser mit Hammer Blick. Auf einem Schild steht Failte und wir mockieren uns darüber, dass das kein Gutes Omen sein kann. Später verstehen wir, dass Failte das gällische Wort für Willkommen ist, die Tour stand also wider unseres Wissens unter einem guten Stern.
Wir machen noch ein paar Fotos von der Ben Nevis Bergkette, die man über die Bucht hinweg bewundern kann und begeben uns dann auf eine zweistündige Teertortur. Wir versüßen uns die Zeit mit den Känguru Chroniken. Die Uferstraße ist sehr schön, das Wetter der Hammer, aber meine Füße haben nach 30 Minuten echt keine Lust mehr. Als wir in der Inverscaddle Bay abbiegen dürfen freuen sie sich auf jeden Fall über die Schotterstraße.
Wir wenden der Bucht den Rücken zu und steigen in ein Tal auf, das mehr nach Savanne als nach schottischen Highlands aussieht. Es gibt vertrocknetes goldbraunes Gras und spannende Nadelbäume. An manchen Stellen hat es wohl vor Kurzem gebrannt. Alles ist verkohlt und riecht auch sehr beißend. Andere Stellen sehen aus wie Golfplätze, kurzes, grünes, sehr flaches Gras.
Wir machen Mittagspause an einem hübschen Bach.
Als wir über den Pass kommen fängt es an richtig heftig zu hageln. Ich freue mich, dass es nicht regnet oder schneit und ziehe Regenjacke und -hose an. Als wir das Tal absteigen wechseln sich Hagelschauer mit normalem Wetter ab. Es hagelt so heftig, dass der Boden weiß ist. Wir stellen und an einem kleinen Wasserkraftwerk unter, die scheint es hier in jedem kleineren Tal zu geben, ein sehr interessantes Konzept.
Wenig weiter suchen wir uns einen Platz für die Nacht. Wir werden fündig neben einer alten Brücke. Ein Wohnmobil und zwei VW Busse stehen schon da, die VW Busse fahren kurze Zeit darauf weiter. Wir schlagen unsere Zelte auf und kochen dann in Pauls Zelt um dem Regen aus dem Weg zu gehen. Es ist ziemlich kalt und neben dem Fluss wird es bestimmt eine verdammt kalte Nacht.

Ich bin gespannt, wie meine neue Isomatte performt und hoffe auf das Beste als ich in meinen Schlafsack krieche.












Sieht in der Tat etwas kühl aus, ihr seid echt tapfer. Was waren denn die Temperaturen am Tag und in der Nacht?
Das war sehr unterschiedlich. Die erste Woche hatten wir ja super Wetter, da haben wir uns tagsüber Sonnenbrände geholt und geschwitzt. Später war es auch mal etwas kühler und hat geregnet/geschneit.
Nachts hängt es mehr von der Stelle ab an der man zeltet als von den Temperaturen. Wir mussten ein paar mal neben Flüssen im Tal zelten, das wurde dann immer sehr, sehr kalt. In dieser Nacht hier hatten wir Eis auf Zelt und Innenzelt und Schlafsack. Da war es definitiv unter dem Gefrierpunkt. (ähnlich der Nacht in Bridge of Orchy)
Wow, von Fort William nach Cape Wrath, das ist eine beeindruckende Wanderung!
Jup, war sehr schön 🙂