Ein paar Hirsche

Cape Wrath Trail, Tag 3
A’chuil -> Sourlies -> Barrisdale

Als wir aufstehen schlafen die Anderen noch, deshalb verlegen wir unser Frühstück vor die Tür. Wir sind ja auf Porridge umgestiegen und genießen es mit herrlichem Ausblick auf das vor uns liegende Tal und die schneebedeckten Berge. Leider gibt es keine Hirsche zu bewundern, weil der Hund die schon vertrieben und uns wach gemacht hat. Wir sind sehr froh darüber in unserem Zimmer geschlafen zu haben, nebenan wurde ein ganzer Wald gefällt.

Wir packen leise unseren Kram zusammen, da werden die drei jungen Leute in unserem Zimmer auch langsam wach. Wir unterhalten uns noch kurz, man wünscht sich viel Spaß und gutes Wetter. Netterweise nehmen sie unseren Müll mit ins Tal und dann geht es los.

Ein Feldweg führt uns das Tal hinauf. Das Wetter ist super und so legen wir nacb ein paar Minuten die erste Stripeinlage hin. Wir laufen durch einen Nadelwald, eine Seltenheit in Schottland. Dann kommen wir wieder ins Freie und ich bin beeindruckt von der Natur. Wir sind in einem menschenleeren Stück Gebirge. Die Berge sind weiß und strahlen in der Sonne. Ein See glitzert im Sonnenlicht. Wir beschließen Mittagspause zu machen, genau hier wo es so toll aussieht.

Als wir da sitzen und unseren Wrap genießen kommt ein Britte mit Vollbart vorbei. Wir quatschen ein bisschen und Paul entdeckt natürlich sofort die AT Badges am Rucksack des Wanderers. Er war den Appalachian Trail (einer der drei großen Weitwanderwege der USA) vor ein paar Jahren gelaufen. Wir fachsimpeln ein bisschen, er warnt uns vor schlechtem Wetter und dann düst er weiter.

Es geht jetzt ganz schön steil bergab. Paul läuft vor und ich merke meine alten Beine. Als wir unten ankommen bin ich wieder mal platt. Ich komme an einen menschenleeren Strand. Einige hundert Meter weiter steht eine Hütte. Paul sitzt schon im Bothy Sourlies. Es ist richtig cool. Überall liegt spannendes Strandgut, ein Schafskopf mit großen gedrehten Hörnern hängt über dem Kamin. Wir machen erstmal Mittagspause.
Als wir weiter am Strand entlang laufen halte ich die Augen auf und finde ein paar sehr schöne Muscheln/Schnecken.

Dann biegen wir ab und laufen ein breites Tal hinauf. Plötzlich sind überall Hirsche. Sie stehen rum und essen Gras oder schauen uns an. Es sind bestimmt 200 Stück. Wir laufen mit pochendem Herzen langsam mitten hindurch. Ich frage mich, ob Hirsche wohl gefährlich sind. Große Geweihe haben sie auf jeden Fall, eigentlich möchte ich keine Bekanntschaft mit den Geweihen machen. Aber sie gehen uns zum Glück ein bisschen aus dem Weg und nach einiger Zeit kann ich es genießen. Sowas passiert nicht alle Tage, total verrückt.

Weiter geht es entlang des breiten Tals. Der Boden ist an manchen Stellen ziemlich schwammig und ich bin froh um meine Seal Skinz. Wir füllen unsere Wasservorräte auf und biegen nach links in ein kleines Seitental ab. Es geht entlang eines Flüsschens. Auf Wildpfaden und mit mancher Kletterpartie. Das Flüsschen wird immer kleiner. Am Ende des Tals machen wir eine kurze Pause und genießen die Natur. Ich finde es sieht aus wie bei in den Rittern der Tafelrunde. Neben dem Bach stehen kleine knorrige Bäume, das Tal ist sehr schmal und an einer Seite von einer Felswand abgeschlossen.

Das nächste Stück Weg hat es in sich. Wir klettern den sehr steilen Hang hoch und zwängen uns durch Spalten zwischen Felsen. Ein Glück hat es länger nicht mehr geregnet.
Nach ein paar Höhenmetern treffen wir auf einen Pfad, der uns zum Pass und auf der anderen Seite wieder bergab führt. Am Pass bleiben wir nicht lange, es sind 0° C und es schneit. Als wir bergab gehen haben wir einen schönen Blick auf den See und die dahinter liegenden Berge.

Unten angekommen sehen wir noch einige Hirsche und freuen uns sehr als wir das aufgeräumte Bothy mit Toilette finden. Dieses Bothy in Berrisdale ist in Privatbesitz und wir zahlen gerne 5£ pro Mensch.
Ich bin ziemlich fertig und Paul auch. In unserem Wanderführer steht:

„This day will stretch even the strongest walkers!“

Cape Wrath Trail Guide

Es ist also in Ordnung, dass wir ziemlich durch sind. Wir machen uns was zu essen und danach geht es uns schon wieder besser. Als die Besitzerin kommt um die Hirsche zu füttern Unterhalten wir uns eine ganze Weile mit ihr. Sie erzählt, dass sie die Hirsche füttern, damit sie bei ihnen bleiben und hier ihre Geweihe verlieren. Die Geweihe verlieren die Tiere wohl jedes Jahr und man kann sie zu Geld machen.
Wir bewundern noch eine Weile die tollen weißen Berge und gehen dann sehr müde ins Bett.

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2 Kommentare

  1. Ich bin beeindruckt davon, dass jeder Tag etwas anderes bringt und ihr das alles so intensiv erlebt. Ist dieser Weg eigentlich im Sommer sehr belebt, vielleicht sogar mit Wandererquoten?
    Und geben eure Rucksäcke Hinweise auf eure Abenteuer?
    Vielen Dank, dass wir eure Abenteuer so wunderbar miterleben dürfen (minus die klammen Hände usw.)!

    1. Die Abwechslung von Tag zu Tag finde ich auch immer noch erstaunlich. Im „normalen“ Sommer ist es eher eine schlechte Idee nach Schottland zu gehen, da dort durch die ganzen Feuchtgebiete die Midges (kleine, beißende Mücken) seeeeeeehr zehlreich vertreten sind. So, dass dann auf Bildern meistens ein glauer Schleier zu sehen ist, bestehend aus Mücken.
      Mehr begangen ist der Weg eindeutig im Herbst. Wenn es wieder klat genug ist, dass die Midges nicht mehr solch ein großes Problem darstellen, Ist die Gegend belebter. Aber es existieren keinerlei Wandererquoten, wo man sich einen Permit besorgen müsste. So voll ist es dann doch nicht.

      Auf unseren Rucksäcken sind kene Aufnäher drauf. ich fühle es auch nicht, überall drauf zu packen was ich alles gemacht habe. Das fühlt sich dann so ein wenig an als würde ich mich profilieren wollen.

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