Um den Königssee Tag 2

Da es in der Nacht auf dem Watzmann geschneit hatte konnten wir die für heute geplante Watzmann-Überquerung nicht in Angriff nehmen. Wir hatten aber eine alternative Herausforderung gefunden, weshalb heute trotzdem ein langer Tag werden würde. Wir wollten also früh starten und verschliefen promt 🙂

Als wir um 7:15 endgültig aufbrachen war es sehr windig vor der Hütte, das gab sich aber als wir um die erste Ecke gelaufen waren. Wir stiegen vom Watzmannhaus (1930 m) bis ins Wimbachtal (710 m) ab. Dort machten wir an einem schönen Platz am Wasser erstmal Frühstück.

Dann ging es das Wimbachtal hinauf. Der Watzmann steckte in einer Wolke fest, was die Ausläufer des gewaltigen Berges in Nebelfetzen hüllte. Dadurch entstanden spektakuläre Effekte mit den Bäumen.

Der Weg war nicht sonderlich spektakulär. Es war im Prinzip eine geschotterte Straße. Es war aber gut begehbar. Generell gibt es im Wimbachtal eine ganze Menge Schotter. Das liegt am Dolomit, einer Gesteinsart, die ähnlich wie Kalk ist, aber härter und brüchiger. Früher waren Watzmann und Hochkalter (der Berg auf der anderen Talseite) ein einziger riesiger Berg. Der Gipfel bröckelte aber weg und Gletscher gruben das Wimbachtal in den Fels. Es war viel tiefer als heute, weil immer noch Schotter abbröckelt, die Gletscher aber weg sind. Inzwischen ist das Tal mit bis zu 300 m Schotter gefüllt. Den nennt man auch Grieß, weshalb der Bereich auch Wimbachgrieß heißt. Der Schotter ist außerdem 9 km lang und 1.5 km breit, jedes Jahr fließen 4500 t Schotter durch das Tal. So Bildungsauftrag erfüllt 🙂 Wer mehr wissen möchte Auf jeden Fall sieht das Tal total nach USA aus finde ich, nicht wie ein normales Alpental. Nach Radler und Johannisbeerschorle in der Wimbachgrießhütte (1327 m) ging es weiter auf den Trischübelpass (1774 m).

Dort sind wir rechts abgebogen und der Weg wurde sehr viel interessanter. Wir mussten jetzt regelmäßig unsere Hände benutzen, es wechselten sich Scharten, Wiese und später Schneefelder ab als wir dem großen Hundstod entgegen kletterten. Eine Gämse posierte als Fotomodell und wir haben sogar noch ganz junge Gämsen gesehen (hab nach geguckt, heißt dann Gamskitz). Ein Murmeltier ist grazil vor mir weggehoppelt.

Am Hundstodgatter (2194 m) hatten wir einen atemberaubenden Blick auf das steinerne Meer.

Der Abstieg war anspruchsvoller als erwartet, man musste sich schon konzentrieren um nicht in die ausgewaschenen Spalten im Fels zu treten, ein bisschen Kletterei war auch dabei. Als wir nach 10 Stunden an der Ingolstädter Hütte (2120 m) ankamen waren wir ganz schön fertig, das war aber auch in Ordnung nach 22 km, 1580 m hoch und 1380 m runter an einem 2. Tag.

Die Ingolstädter Hütte hat uns dann überrascht. Wir konnten Duschen, haben eine ordentliche Portion Bergsteigeressen bekommen und haben Abends sogar noch Fußball EM geschaut (Schweiz-Spanien, Belgien-Italien). Da war zwar kein Handyempfang, aber Fernsehen kommt ja aus dem Himmel. Die Leute auf der Hütte waren super nett und wir können nur jedem empfehlen da mal vorbei zu schauen! Das beste war das Frühstücksbuffet am nächsten Morgen, aber das lobe ich im nächsten Blogbeitrag 🙂

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2 Kommentare

  1. Hallo Tim,
    meine einzige größere Alpen-Wandertour war auch dort im steinernen Meer, allerdings ist das schon 30 Jahre her und wir haben es deutlich gemütlicher angehen lassen als ihr. Und beim überhasteten Abstieg zum Königssee (Wettersturz war angekündigt) hab ich mir den Muskelkater meines Lebens geholt.
    Schön, die Ecke mal „wiederzusehen“, wenn auch nur aus zweiter Hand (und völlig ohne Anstrengung).
    Gruß
    Petra

  2. Du hast Recht, das Wimbachtal erinnert mich doch sehr an die Sierra und eher sekundär an die Alpen. Schön, endlich die ganze Tour lesen zu können, auch wenn sie schon ne Ecke her ist 🙂

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