Tag 36-37: LA Aquaeduct

Meile 516 – 549.7

Bis wir uns endlich aufgerafft hatten aufzubrechen war es halb sechs.
Wir folgten dem Trampelpfad entlang eines Feldes und bereits ein paar hundert Meter später wurden wir wieder wach gerüttelt. Eine Klapperschlange machte lautstark auf sich aufmerksam, als ich neben ihr entlang ging. Unsere fünfköpfige Truppe begutachtete sie, wir schossen ein paar Fotos und weiter ging es. Am nächsten Gutshaus stand ein alter Mähdrescher, wie man ihn aus amerikanischen Filmen kennt. Skurriler Weise hatte dieser aber fast nagelneue Bereifung, auch wenn sie trotzdem platt war.
Wenig später kamen wir an einen Kanal, der Teil des Los Angeles Aquaeduct ist. Dem LA Aqaeduct sollten wir für die nächsten 23 Meilen (37 km) folgen. Diese Strecke ist die längste ebene Strecke auf dem PCT und führt einmal quer durch einen Ausläufer der Mojave Wüste. Auf Grund der Schattenlosigkeit, der tagsüber extremen Hitze und den wenigen Wasserstellen soll dieser Abschnitt des PCT in den nächsten Jahren umgelegt werden und auf der umlaufenden Bergkette verlaufen.

Nach einer Meile wurde aus dem Kanal eine riesige Pipeline, von der aus wir den Sonnenuntergang betrachteten. Wir haben uns für eine Nachtwanderung entschieden, da am Aquaeduct nur eine einzige Wasserquelle nach 18 Meilen ist und sich das bis dahin zu schleppende Wasser mit dem vermeiden direkter Sonne auf „nur“ vier Liter reduzierte.

Als es dunkel wurde wechselte die Pipeline zu einem unterirdischen Kanal, auf dessen fahrbahnbreitem Betondeckel der Trail verlief. Nach den ersten sieben Meilen machten wir wir Abendessenspause. Als wir uns zum Kochen an einen Wartungsschacht setzten kam ein Handteller großer Skorpion angelaufen und machte es sich an Tims Rucksack bequem. Wir nahmen sein Angebot für ein Fotoshooting an und vertrieben ihn anschließend zurück ins Gebüsch. Zum Abendessen gab es mal wieder Ramenbomb.
Die folgenden Meilen waren grandios. Zwar liefen wir nur auf Betonplatten oder dem parallel verlaufenden Fahrweg, aber wir hatten einen fantastischen Blick auf die Sterne und der Mond stieg immer weiter. Es war fast Vollmond und er war so hell, dass er sogar Schatten warf. Das Tal war in seichtes, schimerndes Licht getaucht und einige Meilen Entfernt erkannte man den Lichtstreifen einer Stadt, Rosamont oder Lancester.
Wir sind mit der neuen Kamera leider noch nicht so vertraut, weshalb fast keine Nachtaufnahmen entstanden sind, obgleich dich das Sternenzelt atemberaubend über uns aufspannte. Drei Meilen vor der nächsten Wasserquelle bauten wir um halb zwei unser Zelt auf, da wir nicht von einem Skorpion auf der Nase geweckt werden wollten.

Wir stellten uns den Wecker auf halb fünf, damit wir bei Beginn der Tageshitze aus dem Wüstenteil raus wären.
Nach einem viel zu kurzen Schlaf in einem laut im Wind flatternden Bob füllten wir am einzigen Wasserhahn des Aquaeducts, noch halb schlaftrunken, unser Wasser auf und Frühstückten. Da war es sechs Uhr und die Sonne kam langsam raus.

Wir ließen anschleißen das Aquaeduct rechts liegen und betraten einen Windpark. Der Windpark hatte seine Berechtigung, da wir ab jetzt in STARKEM Gegenwind liefen.

Gegen zehn Uhr erreichten wir das Ende der Ebene und fanden wenig später in einem kleinen Tal eine große Eiche, unter der wir mit einem Dutzend anderer Hiker den Mittag und Nachmittag verbrachten. Der in der vorigen Nacht versäumte Schlaf wurde nachgeholt und um Fünf Uhr brachen zu den letzen sieben Meilen des Tages auf.

Es ging nun wieder in bergigeres Terrain und wir hatten einen hammer Sonnenuntergang, während ein roter Doppdecker über den uns zu Fuße liegenden Mojave Ausläufer flog.

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