Tag 38: Graubrot

Meile 558.5 – 569.8

Heute lagen ca. 16 Meilen vor uns. Wir wollten von unserem Campingplatz bis zu Highway 58 laufen. Nach ein paar Meilen entschlossen wir uns gemäß dem im Hiker-Slang bekannten „HYOH“, was „hike your own hike“ bedeutet, schon zehn Meilen früher nach Tehachapi zu trampen, um dort noch etwas von diesem Tag zu haben. HYOH soll einen als Wanderer immer wieder erneut daran erinnern, dass man sich zu keiner Zeit rechtfertigen braucht, weshalb man welche Schritte auf dem PCT unternimmt. Man soll frei sein und die Wanderung für sich am genussvollsten machen.
Die Straße, von der wir trampen wollten, war gut befahren. Wir waren die letzten Meilen in der Sonne bergab gegangen. Es wurde langsam richtig heiß und wir freuten uns über den Wind, der schon die ganze Zeit wehte. Er ist hier nichts besonderes. Die Sierra Nevada verursacht einen stetigen Luftstrom über dieser Region. Menschen haben das schon lange bemerkt, deshalb sind die Berghänge mit unzähligen Windrädern vollgestellt.

Nach ungefähr zwanzig Minuten nahm uns ein netter Kerl aus LA mit, der an diesem Samstag seinen Vater besuchen wollte. Er fuhr einen sehr alten Ford Pickup, der richtig schön gluckerte. Am Berg musste er trotzdem runterschalten, offenbar war der Motor sehr ineffizient.
Als er uns nach zehn Minuten Fahrt im Zentrum absetzte waren wir positiv überrascht eine „German-Bakery“ zu finden. An einem Tisch fanden wir zwei deutsche Freunde, Early Bird und Robert, sowie zwei nette, bärtige Österreicher und einen Trailangel, der die Gesellschaft genoss. Wir bestellten uns ein Sandwich und ich war im Himmel.

Echtes Graubrot 😛

Bitte vergesst nicht, dass wir uns seit Wochen von Tortillas ernähren, die sind schon ganz lecker, aber eine echte Scheibe Brot ist doch nochmal was Anderes. Und alles Brot was man sonst so bekommen kann ist nur aufgepumpte Luft.
Als wir fertig gegessen und gequatscht hatten versuchten wir uns eine Bleibe zu organisieren. Es lag eine lange Liste mit Trailangeln und Telefonnummern aus. Nach der zehnten Mailbox entschieden wir, dass es vielleicht unhöflich ist fremde Menschen um 12 Uhr mittags anzurufen und wir auch große Lust hätten auf dem Flugplatz zu schlafen. Gesagt, getan. Der Flugplatz in Tehachapi lässt PCT-ler für fünf Dollar die Nacht im Picknickbereich übernachten. Wir genossen das erste echte grüne Gras in den USA. Außerdem konnte man duschen, es gab Chemietoiletten und fließend Wasser. Wir bauten schnell das Zelt auf und quatschen mir den anderen Wanderern.

Wir hatten riesiges Glück, weil ein Ehemaliger Testpilot der Airforce seinen Austritt aus der Airforce feierte und eine große Grillparty schmiss. Dadurch wurden wir eingeladen uns die Bäuche voll zu schlagen. Es gab pulled pork, mac ’n cheese und Rotkohl. Dazu das Craftbeer der lokalen Brauerei, welches sehr lecker war. Wir unterhielten uns gut und machten uns dann auf den Weg zum Supermarkt, um Vorräte für die nächsten Tage zu kaufen. Eigentlich wollten wir Abends noch ins Kino gehen, die Filme waren allerdings nicht so lohnend und so entschieden wir uns lieber in Ruhe einzukaufen und noch etwas Internet bei McDonald’s zu stibitzen.
Auf dem Weg zum Supermarkt gab es einige schicke Hot Rods zu sehen, es gab wohl ein Treffen.
Als wir Abends zurück zum Flughafen liefen konnten wir das alte Flugzeug, das wir schon vorher bewundert hatten beim Fliegen bewundern. Auf der Grillfeier hatte man uns erklärt, der Doppeldecker gehöre dem Chef des Flugplatzes, der damit von Feuerland nach Alaska fliegen möchte.
Zum Abendbrot gab es Apfelmus, Frischkäse und Bagels. Sehr lecker 🙂

Das Einschlafen war ohne Oropax leider nicht möglich, weil direkt hinter dem Zeltplatz die Bahnstrecke entlang lief. Tehachapi ist für seinen Eisenbahring bekannt, durch den Güterzüge von Los Angeles kommend langsam auf Höhe der Mojave Wüste gelangen. In den USA müssen Züge vor jedem Bahnübergang hupen (lang-lang-kurz-lang) und sie haben sehr laute Hupen.
So schiefen wir schon selig, als die Polizei kam, weil ein Wanderer über das Grundstück des benachbarten Trailerparks gelaufen war. Die Polizei hat wohl merkwürdigerweise nicht herausgefunden wer der Schuldige war, denn keiner der anwesenden Wanderer hatte etwas gesehen und zog von Dannen.

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