Cape Wrath
Cape Wrath Trail, Tag 14 (bis Ende)
Kinlochbervie -> Cape Wrath -> Kearvaig Bothy -> Zivilisation
Der Wecker klingelt, wir ziehen uns an, stopfen unsere Rucksäcke. Das ist inzwischen Routine. Ein paar Sachen können wir in unserem B&B lassen, wir werden übermorgen wieder kommen, das Zimmer ist zwischendurch nicht vermietet. Das kommt vor allem Paul zu Gute, er lässt die Microspikes da.
Dann gehen wir in den Aufenthaltsraum und gönnen uns ein dickes Frühstück. Ich genieße es sehr frisches Toast mit Butter und Marmelade zu essen, ein richtiges Müsli mit frischem Obst und einen Tee dazu. Als wir richtig voll sind packen wir uns noch zwei Bananen ein und machen uns auf den Weg. Durch den Ort, dann biegen wir rechts ab, geradeaus würde zu Supermarkt und Hafen gehen.
Wir kommen gut voran. Der Roadwalk ist eigentlich ganz nett. Die Straße ist so gut wie gar nicht befahren und Autos kommen uns nur an Ausweichbuchten entgegen. Das muss ein gutes Omen sein. Hier stehen vor allem Bauernhöfe mit Schafen. An einem Bauernhof gibt es eine selbst gebaute Dirtbikestrecke, die macht bestimmt Spaß. Ansonsten werden wir auf den Hügeln immer wieder mit Blicken in nette Buchten überrascht, ist bestimmt cool hier zu wohnen. Wir haben übrigens die ganze Zeit LTE, wir sind ja nicht in Deutschland ^^ Nach einiger Zeit wissen wir auch warum, als wir an einem Mobilfunkmast vorbei laufen. Ein Schild lässt uns wissen, dass der mit EU Mitteln unterstützt wurde. Die Schotten haben überall Europafahnen hängen um zu zeigen, dass den Brexit gar nicht gut finden.





Als wir an einem Wanderparkplatz ankommen biegen wir rechts auf einen Feldweg ab. Den Esel auf der Weide soll man nicht füttern. Wir sind für eine ganze Zeit die einzigen Wanderer. Der Weg schlängelt sich durch das Hinterland, vorbei an Seen und langsam in die Dünen. Eine Gruppe Wanderer kommt uns mit RIESIGEN Rucksäcken entgegen. Die haben bestimmt die Nacht am Strand verbracht und alle Annehmlichkeiten, Feuerholz, etc. in den Rucksäcken transportiert. Außen an den Rucksäcken baumeln Würste, die nach Isomatte, Schlafsack und Zelt aussehen. Der Wanderparkplatz ist nicht weit und man wünscht sich ein „Mornin'“.
Von hier kann man theoretisch den Leuchtturm in der Ferne erkennen, aber es ist noch zu diesig. Auf dem Rückweg übermorgen werden wir den gut erkennen können.
Wir kommen um eine Ecke und ich fange an zu grinsen. Vor uns leuchtet der menschenleere, weiße Sandstrand von Sandwood Bay in dem bisschen Morgensonne, das durch die Wolkendecke dringt. Ich habe das erste Mal in diesem Urlaub richtig das Gefühl am Meer zu sein.



Als wir über den Strand laufen entdecken wir „Am Buachaille“ (Schafhirte) eine beeindruckende Felsnadel, die vor der Steilküste im Süden steht. Wir lernen später, das der Felsen 1968 von Tom Patey und Ian Clough erstbestiegen wurde. Es gibt eine Menge solcher Felsen hier. In einem Bothy finden wir einen Kletterführer, der beschreibt wie man die alle hochklettern kann (man muss z.B. die Tide beachten).
Zum Glück ist es heller Tag, nachts sollen hier die Seelen der havarierten Seeleute spuken. Am 5. Januar 1900 wurde hier eine Meerjungfrau gesichtet und früher haben die Wikinger diese Bucht wohl als Zwischenstop genutzt. Der Name Sandwood kommt von der Wikingerbezeichnung Sandvatn (Sandwasser). 2009 ist hier ein Ultraleichtflugzeug abgestürzt, dass auseinandergebaut und von 14 Männern den Weg zurück getragen wurde, den wir genommen haben (BBC).
Nachdem ich ein paar schöne Muscheln gefunden habe (soviel Zeit muss sein!), wir ein kleines Fotoshooting veranstaltet haben und wir mit (fast) trockenen Füßen durch den Ausfluss des Loch Sandwood, in dem es laut Wikipedia Forellen geben soll, gekommen sind machen wir eine kurze Snackpause und genießen die Aussicht. Ist schon schön hier 🙂







Wir kraxeln weglos den Hügel hoch und schlagen uns bis zum Strathchailleach Bothy durch. Hier hat James „Sandy“ McRory Smith 32 Jahre ohne Wasser und Strom gelebt. Er konnte da leben, weil es ein Stückchen nördlich Torf gibt. Wir haben uns kurz umgeschaut und die Wandmalereien bewundert, die Sandy dort hinterlassen hat.




Dann ging es weiter Richtung Norden. Wir gehen querfeldein und machen es uns damit unnötig schwer. Von oben sehen wir, dass es einen Trampelpfad Richtung Küste gegeben hätte. Es ist gar nicht so leicht hier nach Karte zu navigieren, weil alles ziemlich flach ist und es keine markanten Punkte gibt, deshalb ist alles ein bisschen beschwerlich, aber es ist der letzte Tag und so haben solche Kleinigkeiten keinen Einfluss auf die Stimmung. Das Wetter ist gut und die Laune ebenso.


Bald darauf kommen wir an einen Zaun und Fahnenstangen. Es sind keine Fahnen gehisst. Sehr gut, wir dürfen passieren und so klettern wir über den Zaun ins militärische Sperrgebiet. Die Royal Air Force macht hier manchmal Bomben Abwurf Übungen, dann wehen rote Wimpel und man sollte sich hier nicht aufhalten 😉 Wir aber nutzen das trockene Plätzchen Erde aus, die der Feldweg hinter dem Zaun bietet (irgendwie müssen sie das ja abfahren können) und machen Mittagspause im militärischen Sperrgebiet, fühlt sich lustig an. Wir sind hier wirklich ab vom Schuss, der Zaun wirkt merkwürdig fehl am Platz in dieser gigantischen Natur.



Der Weg wird beschwerlicher, es gibt nämlich keinen mehr. Wir sind froh, dass das Wetter so gut ist, dann können wir ein paar Höhenmeter in einem Trockenen Bachbett machen. Oben angekommen sehen wir zum den Leuchtturm zum ersten Mal richtig, wir kommen näher!
Wir steigen querfeldein ab. Das ist inzwischen ein ziemlicher Automatismus. Man sucht sich am Besten ein paar Wildspuren und folgt denen. Wenn es keine gibt muss man sich den Weg selber bahnen, aber das kann unserer guten Laune heute auch nichts anhaben. Die letzten Kilometer düsen wir auf einer Schotterstraße zum Cape Wrath. Wir kommen an kleinen Hütten aus Beton vorbei, die sind karriert angemalt und wohl für die Schießübungen gedacht.
Das Cape Wrath hat eine richtige Steilküste. Man kann ganz weit unten die Gischt sehen als wir am Eingangstor zum Gelände ankommen. Es heißt übrigens nicht Wrath von engl. Zorn sondern vom altnordischen Wort für Umkehr. Hier sind die Wikinger umgekehrt und nach Hause gesegelt. Es gibt einen 20 Meter hohen weißen Leuchtturm von 1828, der 40 km weit gesehen werden kann. Der Leuchtturm war bis 1998 bemannt, dann wurde er automatisiert.
Ich gehe andächtig unter dem Gebäude entlang zum Fog Horn. Es hat einen riesigen roten Schalltrichter und ich überlege wie laut es wohl ist, wenn es Schiffe davor bewahren muss im Nebel an den Klippen zu zerschellen.
Hier geht es nicht weiter, vor uns liegt Meer bis zum Horizont. Hier ist das Ende des Cape Wrath Trails. Wir setzen uns in die Sonne neben das Fog Horn und lassen diese Erkenntnis einsickern. Am Ein Schiff später machen wir uns auf den Weg und schauen mal, ob man beim Ozone Cafe was zu Essen bekommt. Das halbe Cafe ist zugestellt mit Bauprojekten. gebeizte Stühle, abgeschmirgelte Tische… Wir klingeln am Tresen und tatsächlich kommt die Besitzerin. Sie macht uns einen Tee und baked beans mit Toast (und ganz viel Butter). Wir lassen es uns schmecken und blättern durch das „Hüttenbuch“. Wir schreiben unsere eigene Heldentat zu denen der anderen Wanderer. Paul erwirbt noch einen Schokoladenkuchen als Verpflegung für morgen und wir nehmen zwei Dosen Cola mit, wir müssen ja unseren freien Tag morgen gebührend feiern.






Dann laufen wir zum schönsten Bothy der Welt (zumindest wurde uns das von den zwei Schotten im A’Chuil Bothy so erzählt). Es geht leider ein paar Kilometer auf der Schotterstraße entlang, aber das ist gar nicht so schlimm, wir sind nämlich schon ziemlich fertig. Wir sehen ein paar Hirsche, laufen an einem kaputten Sprinter vorbei (man kann sich im Sommer zum Cape Wrath kutschieren lassen) und über eine Brücke. Als wir Richtung Meer abbiegen bin ich froh, dass wir es gleich geschafft haben, meine Füße haben genug für heute.
Kearvaig Bothy liegt auf einer Wiese in einer kleinen Bucht über einem weißen Sandstrand. Es ist schon ziemlich perfekt.Wir werden hier einen Tag Pause machen. Es sollte sich hier aushalten lassen. Wir entscheiden uns für den rechten Raum und bestücken die Fenster mit Teelichtern. Leider gibt es kein Feuerholz, aber wir benutzen eine Konservendose baked beans. Die Nacht ist angenehm, das Meer wunderschön in Dämmerung und Nacht.





Als ich morgends vor die Tür komme grast eine große Hirschherde auf unserer Wiese. Als sie mich sehen verdrücken sie sich langsam. Wir verbringen den Tag damit ein paar Berichte für diesen Blog zu schreiben. Am Strand spazieren zu gehen. Ich denke darüber nach, das manche Leute viel Geld für digital-detox Wochenenden ausgeben. Die kommen bestimmt nicht an unser Funkloch mit Blick aufs Meer ran. Wir sammeln Plastikmüll am Strand ein und legen ihn auf den Haufen neben dem Bothy. Es ist wirklich ein trauriger Anblick. Ein kleiner Spaziergang auf unsere Hausklippen offenbart einen atemberaubenden Blick die Steilküste entlang. Ich finde es sieht ein bisschen aus wie bei Fluch der Karibik. Wir machen ein Fotoshooting auf den Klippen und futtern eine Packung Kekse.







Diese Nacht übernachtet ein Tscheche im anderen Teil des Bothies. Er ist der erste andere CWT Wanderer, den wir treffen, ist aber lieber für sich.
Am nächsten Morgen machen wir uns auf den Weg zurück zu unserem B&B. Diese Mal gehen wir vorne an der Küste entlang. Die Wege geben sich nicht viel. Der Weg hat mehr Höhenmeter, dafür ist der Weg öfter vorhanden. Das Wetter ist der Hammer und man kann richtig weit gucken. Wir können sehen wie der Leuchtturm immer kleiner wird.
An diesem Tag passieren nicht so viele spektakuläre Dinge. Wir machen Pause auf dem Wanderparkplatz. Heute ist viel los, es ist Wochenende und später am Tag. Wir beobachten wie sich eine entlaufene Schafsherde über den frischen Rollrasen eines Hauses her macht. Außerdem werden wir das letzte Stück in die Stadt von einem Deutschen Pärchen in Ihrem Wohnmobil mitgenommen, unseren Füßen gefällt das. Nach einer Einkaufstour haben wir einen schönen Abend und Morgen in unserem B&B.
Der von uns zurückgelegte Weg auf dem Cape Wrath Trail.
Dann nehmen wir einen „Bus“ (eher Sprinter) nach Inverness. Der fährt die ganzen kleinen Straßen, wir kommen an dem See vorbei wo wir hinter der Hütte gezeltet haben (siehe letzter Blog Beitrag). Mir wird ein bisschen schlecht, aber ich halte es einigermaßen aus. Dann machen wir uns ein paar schöne Stunden in Inverness und nehmen einen Reisebus nach Glasgow. Dort haben wir noch ein paar schöne Tage und fliegen dann zurück nach Deutschland.
Schön, dass ihr auf unserer Reise mit dabei wart! Für uns beide war es eine sehr beeindruckende Reise. Wir sind an unsere Grenzen gegangen und wurden auf jeden Fall belohnt 🙂 Ich bin sehr glücklich, dass wir diese Tour machen konnten. Vielen Dank an alle, die uns unterstützt haben, es war der Hammer!!! Wenn du überlegst, ob das vielleicht eine Tour für dich wäre, melde dich, wir können gerne mal quatschen….
Bis zum nächsten Mal und happy trails!

Vielen Dank fürs Mitnehmen. Ich freu mich schon auf eure nächste Tour.
Liebe Grüße
Petra
Lieber Tim, lieber Paul,
danke für die Teilnahme an Eurer tollen Tour!
Die Landschaftseindrücke sind super. Einfach schön dort.
Euer körperlicher Einsatz zur Bewältigung der Strecke ist spürbar während des Lesens.
Ich bin gespannt auf Euer nächstes Reiseziel.
Für die Zwischenzeit alles Gute für das Studium oder was auch immer.
Herzliche Grüße Sylvia Rosenkranz-Hirschhäuser