Hängetal

(Not the) West Highland Way, Tag 9
Ben Nevis

Spoiler: Wir sind bereits seit zwei Wochen wieder in Deutschland und haben Schottland überlebt.

Nach unserer Rückkehr in die Zivilisation hat uns der Unialltag wieder voll im Griff und die Veröffenltichung nueer Beiträge ist in den Hintergrund gerutscht. So langsam finden wir uns nun wieder zurecht.
Ein wenig verspätet wird nun in den nächsten Tagen und Wochen noch der Rest unserer Schottlandreise kommen.
Viel Spaß trotzdem beim Lesen!

Ich wache auf und habe gut geschlafen. Meine Füße waren nur ein bisschen kalt und es ist nicht alles feucht. Ich freue mich, weil ich schon ein bisschen Bammel hatte, ob wir neben unserem See im Nebel aufwachen.
Paul ist auch schon am Rödeln, ich habe aber keine Lust aus dem Schlafsack zu kriechen, da ist es so schön warm. Hilft nur Trick 17: Ich drehe das Ventil meiner Isomatte auf und liege ein paar Sekunden später auf dem harten und kühlen Schotter.

Wir frühstücken mit Blick über den See und die Berge, es ist schon fast unwirklich.

Der West Highland Way wäre gestern von Kinlochewe auf direktem Weg weiter nach Fort William gegangen. In Fort William ist das Ende des Weges. Wir haben uns jedoch eine weitere Alternative herausgesucht, die noch einmal in ein abgelegeneres Tal führt und wir auch am Fuße von Ben Nevis entlang kommen. Ben Nevis ist mit 1.345m der höchste Berg in Schottland, dem vereinigten Königreich und den gesamten britischen Inseln. Wir werden ihn jedoch nicht besteigen, da seine Spitze noch eingeschneit ist.

Wir haben den West Highland Way nun vier Mal verlassen und sind andere Wege als den offiziellen Trail gelaufen. In der Region ist der West Highland Way etwa gleich bekannt wie der „Not the West highland Way“. Dieser wurde ausgerufen, da die Meinung bestand, dass der West Highland Way viele Möglichkeiten, einen szenisch fabulösen Weitwanderweg zu bilden, auslässt. Den „Not the West highland Way“ ist man gelaufen, wenn man sich mindestens drei Mal von der Hauptroute des West Highland Ways löst. Somit werden wir den „Not the West Highland Way“ gelaufen sein, wenn wir in Fort William angekommen sind.

Als wir los laufen mache ich ein bisschen langsamer. Mein Knöchel zwickt ein bisschen, gestern Abend war es schlimmer, der Abstieg durch das unebene Terrain war wohl ein bisschen zu viel. Glücklicherweise beruhigt sich der Knöchel bis zum Mittagessen und ich trage keine bleibenden Schäden davon.
Wir laufen auf einem Feldweg am Seeufer entlang. Nach unserem See kommt noch ein See. Auch hier gibt es eine Fischerhütte, sie ist aber ein bisschen größer und sieht nach einem genialen Unterschlupf für einen Wochenendtrip aus.

Wir laufen an ein paar Ruinen vorbei. Ich finde es spannend sich zu überlegen wie die Gebäude wohl mal ausgesehen haben. Teilweise sind die Grundmauern ziemlich groß, muss ein hartes Leben gewesen sein, hier oben einsam in der Kälte.

Als ich Geschäfte erledigen gehe entdeckt Paul ein paar Hirsche, die sich extrem gut tarnen. Man schaut kurz weg und findet sie einfach nicht wieder, erst wenn sie sich bewegen. Wir sind sehr beeindruckt und beobachten das Treiben ein paar Minuten.

Wir biegen in ein anderes Tal ab und laufen jetzt unter der Ben Nevis Bergkette entlang. Die Blicke sind der Hammer. In der Ferne steht ein Bothy, es ist bestimmt schön hier zu übernachten.
Ein bisschen weiter treffen wir auf eine Trailcrew, die aus der wasserdurchtränkten Wiese und dem Matsch einen echten Weg zaubert. Wir quatschen und ich denke die Leute haben schon ein cooles Wochenende. Schade, dass es im Göttinger Wald keine Trailcrews gibt^^

Das Wetter tut die ganze Zeit so, als würde es gleich regnen. Da hilft nur eine Regenjacke anzuziehen und alles regensicher zu machen, dann regnet es garantiert nicht 😉
Als wir an den Steall Falls ankommen sind wir sehr beeindruckt. Wir wussten nicht, dass wir an solchen Wasserfällen vorbei kommen. Es handelt sich mit 120 Metern um die zweit höchsten Wasserfälle Schottlands. Bei der Gelegenheit lernen wir auch gleich was ein Hängetal ist. Wir machen eine kleine Pause und gönnen uns die letzten Chocolate Chip Cookies. Es sind einige Menschen da, die offensichtlich vom nahe gelegenen Wanderparkplatz gekommen sind. Ein paar Kinder spielen auf einer Brücke, die aus drei Stahlseilen besteht. Ein tolles Klettergerüst, besonders weil sie zwei Meter über einem reißenden Gebirgsbach hängt. Leben am Limit.

Flussabwärts verengt sich das Tal und wird fast zur Schlucht. Der Felsen hat eine ganz feine Maserung. Ein Pärchen klettert im Vorstieg an einer Wand.
Wir folgen dem Fluss einige Kilometer. Er zeigt immer wieder tolle Wasserfälle. Der Uferweg ist sehr angenehm.

Heute tun wir uns etwas schwer bei der Campspotsuche, aber schlussendlich finden wir dann doch ein schaffreies Stückchen Wiese an der Nevis.
Nach dem Abendessen kriechen wir in den Schlafsack.

Einschub: Es gab heute zwei Sorten Ramen Nudeln, Curry und Chicken. Im Gegensatz zu herkömlichen Ramen Nudeln haben die Geschmacksrichtungen tatsächlich nach dem Geschmack und nicht nacht Salz mit Glutamat. Also ein Applaus für … Super Noodles. … Klatsch! Klatsch! Klatsch!

Ich freue mich schon auf morgen, weil morgen sind wir in Fort William und da gibt es was leckeres zu essen und da gibt es eine Dusche und da gibt es ein echtes Handtuch und da gibt es weiße Bettwäsche und da gibt es Pizza und da gibt es eine neue Isomatte ohne Beule und da gibt es Strom um alle Geräte aufzuladen und da gibt es WLAN um tolle Podcasts und Hörbücher zu ziehen und da gibt es eine echte Toilette und da gibt es noch mehr leckere Sachen und, und, und da bin ich auch schon eingeschlafen.

Zufällige Artikel

  • Eidfjord – Flåm: Hardangervidda und Rallarvegen

    Nachdem wir kurz entschlossen entschieden hatten doch über die Hardangervidda und den Rallarvegen zu fahren, mussten wir in Eidfjord noch ein paar Erledigungen machen, Tims Packtasche reparieren, Luft an der Tankstelle nachfüllen und dann ging es los. Direkt zu Beginn radelten wir auf einer wunderschönen Tunnelumfahrung und haben uns mal wieder gefreut so einen tollen…

  • Regenbogen

    Cape Wrath Trail, Tag 7Strathcarron -> Kinlochewe Ich stehe in strömendem Regen. Dicke Tropfen prasseln auf meine Regenjacke. Meine Ärmel sind feucht vom Schweiß, trotzdem bekomme ich das dicke Grinsen nicht mehr von meinem Gesicht weil ich mich in diesem Moment so frei und sich mein Leben so stimmig anfühlt wie schon lange nicht mehr….

  • Tag 38: Graubrot

    Meile 558.5 – 569.8 Heute lagen ca. 16 Meilen vor uns. Wir wollten von unserem Campingplatz bis zu Highway 58 laufen. Nach ein paar Meilen entschlossen wir uns gemäß dem im Hiker-Slang bekannten „HYOH“, was „hike your own hike“ bedeutet, schon zehn Meilen früher nach Tehachapi zu trampen, um dort noch etwas von diesem Tag…

  • Tag 70: Höhen und Tiefen

    Meile 1010.8 – 1016.9 Der Preis für die dämlichste Aktion geht heute definitiv an Paul. Aber der Reihe nach.Da wir heute Sonora Pass erreichen stehen wir um fünf Uhr auf und gehen los. Der Weg läuft auf Geröll und Schneefeldern. Wir können einen wunderschönen Sonnenaufgang über den Bergen beobachten.Paul läuft vorne, ich ein paar Meter…

  • Tag 81: Sierra City, Packer Lake

    Meile 1189.2 – 1207.3 Heute haben wir ein bisschen länger geschlafen, um den verlorenen Schlaf des Abends nachzuholen. Dann gab es wie die letzten Tage auch Haferflocken in heißer Schokolade mit Honigpops und Rosinen zum Frühstück. Wir liefen bergab durch einen schönen Wald. Die Bäume hatten wie die letzten Tage auch eine knallgrüne Flechtenschicht an…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.