Barlestrand – Geiranger: Fjorde und Berge
Die Nacht am Fjord von Barlestrand war sehr regnerisch und weil wir unser Zelt auf einer Minilandzunge aufgeschlagen hatten auch sehr windig. Unser Zelt hat uns aber sehr gut beschützt. Morgens ist Elli aufgefallen, dass sie ihre Radbrille in der Bushaltestelle liegengelassen hat, in der wir am Abend vorher nach einem Zeltplatz gesucht hatten (mit Satellitenbildern auf dem Smartphone). Deshalb fährt sie die 4 km zurück und ich mache an der nächsten Bushaltestelle schonmal Frühstück. Alles funktioniert reibungslos und der Fjord liegt malerisch ruhig im morgendlichen Nieselregen.



An dem Morgen geht es bergauf (700 m). Wir fahren eine Straße hoch, die der norwegische Touristenverband eigentlich nicht für Radfahrer empfiehlt, weil sie zu steil sei, man solle den Pass lieber andersherum fahren. Derweil strampeln wir unwissend und fluchend den Berg hoch. Wir denken wir haben die besagte Straße umfahren und entdecken erst später auf einer Informationskarte, dass wir aufs Gaularfjellet hochgefahren sind. Es hat sich allerdings gelohnt. Als wir oben ankommen applaudiert uns eine Busladung deutscher Rentner und auch ein paar Leute mit denen wir während unserer Pause quatschen sind begeistert davon wie verrückt wir sind. Der Rastplatz bzw. die Aussichtsplattform ist futuristisch designed und ragt spitz ins Tal hinein. Wir essen etwas, füllen unsere Trinkflaschen auf und genießen die 20 km lange Abfahrt. Zwischendurch halten wir an einem beeindruckenden Wasserfall und die Blicke auf den, neben der Straße sprudelnden, Fluss sind sehr beeindruckend. Außerdem fahren wir durch sehr idyllische Birkenwäldchen. Der Regen, der bei Teilen des Aufstiegs genervt hat, ist auch versiegt und die Sonne ist rausgekommen – so kann es bleiben.





Wir machen eine schöne Mittagspause in der Sonne vor einem Supermarkt und trocknen das Zelt und uns.
Dann machen wir uns an den zweiten Anstieg des Tages, dieses Mal nur 300 Höhenmeter. Die Landschaft ist wieder mal zu schön um sie zu beschreiben. Norwegen bietet uns auf den paar Kilometern einen abgefahren Wasserfall (Vallestadfossen) und Sicht auf einen großen See (Haukedalsvatnet).



Als wir oben ankommen, sind wir ziemlich durch. Wir beschließen trotzdem zum Zelten ins Tal zu fahren, weil es da bestimmt wärmer ist. Die Natur ist wunderschön, z.B. sehen wir einen Wasserfall, der ins Nichts fällt und die Sonne leuchtet die Regenwolken vor uns an.
Wir kochen abends an einem Picknickplatz am Holsavatnet See und schlagen unser Zelt ein Stückchen weiter in einem Wäldchen auf.

Am nächsten Morgen ist das Zelt ziemlich feucht, das kommt bestimmt vom nassen Gras, auf dem wir geschlafen haben. Wir packen zusammen und düsen ohne Frühstück los. Heute Nachmittag soll es ziemlich regnen, deshalb sind wir extra früh aufgestanden und beeilen uns ein bisschen. Ein paar Kilometer weiter machen wir uns Porridge in einer Bushaltestelle. Wir sind sehr gut in der Zeit und fahren bald darauf auf einer sehr schönen kleinen Straße um den Jølstavnet See herum. Ein zweites Frühstück gibt es auf einem kleinen Spielplatz am Ende des Sees, obwohl wir das schon früher machen wollten, kam einfach keine Bank mehr in Sicht.
Dann fahren wir eine sehr stark befahrene Straße bis Byrkjelo, wo wir uns eine Portion Pommes gönnen und einkaufen gehen.
Die Straße zum Pass Richtung Utvik hoch ist in Ordnung und wir sind so in Übung, dass uns die Höhenmeter gar nicht schwer fallen.
Als wir gegen 14:30 oben ankommen, bauen wir schnell unser Zelt zum Trocknen auf. Im Innenzelt bildet sich ein kleiner See, den wir mit Handtüchern trocken wischen und den Rest der Trocknungsarbeit lassen wir den Wind erledigen. Wir haben einen Super Spot auf einem Parkplatz neben einem Picknicktisch. Nach einer halben Stunde Karten spielen fängt es langsam an zu Nieseln. Wir ziehen in das trockene Zelt um und freuen uns, dass wir so schnell waren und vor dem Regen oben waren. Der Regen wird immer mehr. Als wir zum Kochen zum Vordach des Toilettenhäuschens gehen treffen wir zwei (nasse) Medizinstudentinnen aus Regensburg, die eine dreiwöchige Radtour machen. Wir haben einen netten Abend zusammen. Vor dem Toilettenhäuschen ist Fußbodenheizung, richtig verrückt.




Am nächsten Morgen düsen wir nach Utvik. Das ist eine richtig schöne Abfahrt, so könnte jeder Tag starten. Als wir unten ankommen, zeigt der Tacho eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 40 km/h für den Tag, ein guter Start. Der Supermarkt hat noch nicht geöffnet, wir können uns also nichts gönnen, was wir nicht selber dabei haben, aber das ist auch sehr lecker.
Weiter geht es am Fjord entlang. Eine landschaftlich sehr schöne Strecke, allerdings ist die Straße doch befahren und wir merken, wie uns das stresst. Elli kauft sich am nächsten Supermarkt einen Kaffee und bringt mir einen Kakao mit. Dann schauen wir uns einen der zahlreichen Outdoor-Outlets an und ich erstehe eine neue Wanderhose, weil meine sehr ausgeleiert ist. In Stryn machen wir Mittags- und Einkaufspause. Die Räder der Regensburgerinnen stehen auch vorm Supermarkt, aber wir verpassen uns leider. Ich versuche meine Cleats (das sind die Metallplatten, die die Pedale mit den Radschuhen verbinden) zu drehen, um ein bisschen entspannter treten zu können. Als wir weiter fahren, merke ich sehr schnell, dass ich mich verdacht habe und jetzt x-beinig radfahren muss. Nach einem kurzen Boxenstopp in der nächsten Bushaltestelle trete ich frei in die Pedale. Manchmal muss man erst einmal erleben, wie schlimm es sein könnte, um die Normalität wertzuschätzen.
Als wir weiterfahren haben wir fantastische Blicke auf die Gletscher des Jostedalsbren Nationalparks.



Aus Ermangelung eines guten Schlafplatzes zwingen wir uns noch ein paar Höhenmeter bergauf und schlagen unser Zelt neben einem Pärchen aus Magdeburg auf, die eigentlich Kletterurlaub mit ihrem Van machen. Sie leihen uns eine Pfanne und eine Kochplatte auf ihrem Zweiplattenkocher und wir zaubern uns Nudeln mit Pilz-Spinat-Sahne Sauce. Sehr lecker! Es war sehr nett mit den Beiden und sie haben uns am nächsten Morgen gewunken, als sie an uns vorbei gefahren kamen.
Wir fahren morgens zeitig los und weiter den Berg hinauf. Es ist ziemlich steil, vor allem weil wir noch nicht warm sind. Wir schauen uns einen schönen Wasserfall an und biegen dann ab auf die „Scenic road: Gamle Strynefjellsvegen“. Als ich nach einer Pause wieder losfahren möchte beschließt mein Rad mal wieder in den 0. Gang zu schalten und die Kette klemmt fest. Sehr nervig, und weit und breit keine hilfsbereiten Kanalarbeiter in Sicht. Nach einigem hin und her öffne ich das Kettenschloss und gemeinsam schaffen wir es die Kette hinter der Kassette rauszuziehen.
Bald wird die schöne Straße eine Schotterstraße, aber die Ausblicke werden immer spektakulärer. Ich bin beeindruckt von den vielen Wohnmobilen, die sich über die Schotterstraße quälen. Allerdings nervt uns der Gegenwind schon sehr. Dafür freuen wir uns umso mehr über die Kaffee-/Cola-Pause wenig später und den Rückenwind auf der parallelen, geteerten Straße. Wir sind sehr schnell und brauchen fast keine Kraft. Die Landschaft ist sehr beeindruckend und ich bin glücklich.







Elli macht eine Pause in einem Café während ich noch (ohne Gepäck) zum Aussichtspunkt Dalsnibba hochradel. Der ist 1500 Meter hoch und man hat einen tollen Blick bis nach Geiranger (wo wir im Anschluss hindüsen) und zurück auf die Gletscher. Ich bin der einzige Radler auf dem Gipfel. Die Anderen haben gut Geld bezahlt, die Maut für ein Wohnmobil beträgt knapp 25€, für mich war es umsonst, was wieder mal zeigt, wie praktisch ein Fahrrad doch ist.



Als wir in Geiranger ankommen, dürfen wir im Garten des Campingplatzbesitzers zelten, weil der Platz voll ist und wir anscheinend bemitleidenswert genug aussehen.
Nach dem Essen machen wir noch einen Spaziergang durch Geiranger, es gibt eine lange klappbare Schwimmbrücke die wohl für die Kreuzfahrtschiffe da ist. Zurzeit ist keins zu sehen, aber am Campingplatz hängt eine Liste mit mehreren Schiffen pro Tag und die „Promenade“ von Geiranger ist sehr auf Kreuzfahrttourismus ausgelegt. Morgen sehen wir bestimmt wie das hier läuft.
Ich wollte zum Abschied noch ein paar Fakten nennen, weil das vielleicht ein paar von euch interessiert. In den beschriebenen vier Tagen sind wir ca. 300 km und 5900 Höhenmeter (bergauf) gefahren. Das war aber auch viel, sodass wir uns einen Tag später mal einen Pausentag gegönnt haben, aber das lest ihr dann im nächsten Artikel.

Danke mal wieder für eure kurzweiligen Texte und die tollen Bilder Eurer Reise. So tauche ich immer für ein paar Minuten in Eure Welt dort ein und staune über so manches Detail.
Ich bin schwer beeindruckt!
Bushaltestellen sind was Tolles. Als Studenten sind Martin und ich um Sylvester herum mit der Ente durch Schleswig Holstein gefahren. Es war Dauerfrost und das Wasser ist uns im Auto immer eingefroren. Geschlafen haben wir in der Ente, eingepackt in Drei Schlafsäcken übereinander. In Bushaltestellen haben wir uns mit einem Esbitkocher unsere Eintöpfe heiß gemacht und Tee gekocht. Es gab gute 🚏und nicht so gute (zugige). So verändert sich der Blick je nach Situation.
Ich wünsche euch weiterhin gute Stimmung,erträgliches Wetter, immer genug Luft auf den Reifen und viel Energie in den Beinen.
Gruß Bärbel