Andalsnes – Kristiansund: Fjorde und Meer
Am nächsten Morgen in Geiranger sind wir mit Blick auf ein riesiges Kreuzfahrtschiff im Hafen aufgewacht. Es ist echt sehr beeindruckend, wie überdimensioniert diese Schiffe im Vergleich zu den kleinen Örtchen sind und selbst in den riesigen Fjorden sehen sie groß aus. Den Morgen haben wir etwas mit planen verbracht, da wir beschlossen haben unsere Route über Kristiansund zu legen. Gerade als wir starten wollten und nicht in unsere Klickies gekommen sind, ist uns aufgefallen, wieviel Gras wir unter unseren Schuhen hängen hatten. Nach einem kurzen Stop im Supermarkt, um neue Schokocreme zu kaufen (ein Glas reicht meist 2-3 Tage), sind wir dann auf unsere Tagesetappe gestartet.
Aus dem Geirangerfjord ging es einen ganz schön steile Passstraße hinauf und wir mussten ein bisschen kämpfen dort hoch zu kommen, aber es schien immerhin die Sonne. Fast oben beschlossen wir dann an einem Aussichtspunkt Mittagspause zu machen. Es war sehr amüsant die ganzen Kreuzfahrtschifftouristen zu beobachten, die mit Reisebussen zum Aussichtspunkt gekarrt wurden. Auch das Verkehrschaos, dass sich in der kleinen Kurve abspielte, war bald spektakulärer als die Aussicht. Wir genossen unser Brot und ein paar Chips und quatschten noch mit einem Österreicher, der Reiseführer in Geiranger ist, über den Tourismus, das Rad fahren und die schöne Natur Norwegens, bevor es weiter ging.




Nach einer rasanten Abfahrt durch ein wunderschönes breites Tal mit viel Sonnenschein, sind wir mit der Fähre (für Radfahrer umsonst) nach Linge gefahren. Von dort ging es noch ein paar Kilometer bis Valldal, wo wir eine Pause einlegten. Ich (Elli) habe im Spar einen kostenlosen Kaffee bekommen und wir haben uns Avocados gegönnt. Nach der Pause hatten wir dann doch nicht mehr so viel Kraft um weiter zu fahren und waren generell geschlaucht von den vorherigen drei Tagen, weshalb wir auf den nächsten Campingplatz fuhren und dort für 2 Nächte blieben. Der Platzwart war super nett und sehr gesprächig. Wir haben uns viel unterhalten, über die Norweger, Essen, Strompreise in Norwegen (unfassbar günstig), Moosdächer und Erdbeeren. Wie er uns erzählte ist die Region um Valldal in ganz Norwegen als Jordbær (Erdbeer) Region bekannt und er hatte noch eine ganze Schale vom Vortag, die er uns schenkte (die waren schon lecker, aber gute aus Deutschland sind besser). Außerdem gab es einen Herd mit Kochgeschirr und wir machten uns Bratkartoffeln mit Brokkoli, Kidneybohnen und Guacamole, das war ein richtiger Festschmaus!




Den Ruhetag vollends genossen und ausgeschlafen saßen wir am nächsten Tag wieder auf dem Rad mit dem Ziel über die Trollstiegen zu fahren. Der Anstieg war super entspannt, da nicht so steil und auf dem Weg gab es ein richtig tolles Cafe mit Blick auf einen reißenden Bach (Gudbrandsjuvet) und sehr gutem Kaffee.



Die Trollstigen sind eine Passstraße, die sich wunderbar in den Berg schlängelt. Wir haben uns beide schon sehr gefreut dort runter zu fahren. Am Aussichtspunkt über die Trollstigen angekommen waren wir natürlich bei weitem nicht alleine und es war super kalt. Deshalb guckten wir uns schnell alles an und fuhren dann runter. Die Abfahrt war leider nicht so spektakulär, weil wir die ganze Zeit hinter einem Wohnmobil hingen, aber die Straße neben einem riesigen Wasserfall war schon wirklich sehr schön. Unten angekommen machen wir dann erstmal ausgiebig Mittagspause.



Und weiter ging es nach Åndalsnes, wo wir einmal die öffentlichen Toiletten nutzen und uns eine Kirche in einem alten Zugwagon ansahen. Danach ging es für uns noch weiter den Fjord entlang. Wir hatten bei Park4Night einen sehr gut aussehenden Platz für die Nacht entdeckt und peilten den an. Es war zwar nicht mehr so weit und hauptsächlich flach, aber wir hatten schon ganz schön Hunger und mit nicht so viel Kraft in den Beinen war die Strecke doch recht anstrengend. Der Platz zum übernachten war super, es war ein Parkplatz mit angrenzendem Wäldchen, in dem sich einige Stellen zum Zelt aufschlagen finden ließen. Wir suchten uns einen guten Spot neben zwei Motorradfahrenden (einer aus Deutschland, eine aus Frankreich) und machten uns dann schnell an den Picknicktischen etwas zu essen (Couscous mit Pesto und getrockneten Tomaten). Man konnte von dem Platz aus sehr gut an den Strand gehen und über die Steinformationen am Wasser laufen. Es hatte glücklicherweise aufgehört zu regnen und so machten wir noch einen schönen Abendspaziergang.


Den nächsten Morgen starteten wir wie immer: aufwachen, anziehen, Klamotten und Zelt packen und dann Frühstück. Auf dem Rad ging es dann los an den Fjorden entlang, immer Richtung Westen. Wir dachten ja jetzt, wo die Berge vorbei sind, gehe es immer flach geradeaus, aber falsch gedacht, es ging immer hoch und runter. Etwas genervt vom Regen entdeckten wir ein Fahrrad Schild, das zeigte, dass man mit dem Bus nach Molde nur noch 15 km seien, das hob unsere Laune doch erheblich! Wir dachten nämlich wir müssten, aufgrund eines Tunnels einmal den ganzen Fjord umfahren und waren umso glücklicher, also wir dann einfach unsere Räder in den Bus laden konnten und mit diesem nach Molde fuhren. Die Busfahrt ersparte uns ca. 40 km und wir waren zu Mittag in Molde. Dort war gerade ein Jazz-Festival (eines der größten Europas) und so konnten wir direkt neben einer Jam-Session Mittag essen.



Wir wussten vorher nichts von dem Festival und fanden es mega cool, das miterleben zu dürfen. Nach einer kleinen Tour durch die Stadt gönnten wir uns dann noch einen Kaffee und einen Chai Latte im warmen Cafe und brachen dann auf zur Schlafplatzsuche. Es regnete wieder und war ganz schön kalt und dann haben wir auch noch die Abzweigung verpasst und mussten einige Kilometer auf einer großen, vielbefahrenen Straße fahren. Das überstanden, fanden wir dann aber recht bald eine Skisportanlage, mit Biathlon-Strecke und Skisprungschanze. Die Anlage hatte eine Grillhütte, in der wir es uns bequem machten und darauf warteten, dass es spät genug war, das Zelt aufbauen zu können. Die Biathlon Strecke war geteert und so kamen einige Athleten und trainierten dort auf Sommer-Ski (wie Inliner nur länger). Circa um halb 9 beschlossen wir dann unser Zelt aufzubauen, denn es war inzwischen doch sehr kalt und wir kuschelten uns in unsere warmen Schlafsäcke.



Donnerstag früh kam dann sogar kurz die Sonne raus, wir frühstückten schnell, packten zusammen und machten uns auf nach Bud, wo der Atlanterhavsvegen beginnt.



Der Weg war wie alles hier wunderschön! Es regnete endlich nicht mehr und wir fuhren die ganze Zeit am Meer entlang. Die Küste hier ist total beeindruckend, überall gibt es noch kleine Inselchen vor dem Festland und Felsformationen ragen aus dem Wasser. Die Häuser waren auch alle sehr schön und teilweise gab es richtig große Anwesen. Wir holten uns noch eine Skillingsbolle im Supermarkt als Nachmittagssnack und machten uns auf zum Platz für die Nacht. Diese Nacht schliefen wir auf einem Parkplatz direkt vor den Brücken des Atlanterhavsveien, total premium mit Bank, Tisch und Mülleimer.




Am nächsten Morgen starteten wir früh, denn wir wollten möglichst alleine über die doch sehr touristischen Brücken fahren und da die Leute hier irgendwie immer erst ab ca. 10 Uhr starten, waren wir um 8 Uhr fast ganz alleine auf der Straße. Der Atlanderhavsveien war wirklich traumhaft schön. Der Himmel war nur leicht bewölkt und die See war total ruhig. Direkt von der ersten Brücke hatte man eine phänomenale Aussicht auf die folgenden Inselchen und das Meer (und die ganzen Wohnmobile, die alle dort schliefen). Wir genossen in aller Ruhe die Aussicht, die frische Luft und die besondere Natur. Zwischendurch machten wir noch Halt an einem kleinen Rundweg auf einer Mini Insel und dann war der Atlanterhavsveien auch schon vorbei.




Weiter ging es wieder an der Küste entlang bis Kristiansund (immer noch sehr schön, aber nicht sooo besonders, wie die Straße zuvor). Wir mussten, wegen des Tunnels, wieder einen Bus nehmen (diesmal wussten wir auch, dass es ihn gibt), um nach Kristiansund zu kommen. Eigentlich wollten wir direkt bei der letzten Station vor dem Tunnel einsteigen, doch trafen dann einige Stationen vorher einen französischen Radreisenden, den wir am Tag zuvor schon mal am Supermarkt getroffen hatten. Wir hielten an und beschlossen hier zuzusteigen. Die Busfahrer*innen hier sind super nett und machen echt alles möglich, damit alle (selbst mit den Rädern) mitkommen. Da 5 Fahrräder an Bord waren, konnten wir unsere nicht mehr in die Gepäckgarage tun, sondern mussten sie auf den Kinderwagenplatz oben im Bus stellen, was zwar nur so halb passte (besonders mein Rad war zu lang), aber das schien den Busfahrer nicht zu stören, glücklicherweise! Kristiansund ist ein schönes Örtchen an der Küste, aber so richtig viel los war da nicht, deshalb vertrieben wir uns die Zeit in einem Cafe, denn wir hatten ein Hotelzimmer gebucht, in das man erst um 15 Uhr einchecken konnte.


In unserer kleinen Ferienwohnung genossen wir dann das richtige Bett, eine warme Dusche und wuschen all unsere Klamotten. Abends haben wir uns dann noch Burger und Pommes geholt, das war ein richtiger Schmaus.

Soooo tolle Bilder! Danke für die Mittagspausenfüllung. 🙂 Ist das Wetter normal für diese Jahreszeit? LG aus dem heute auch unbeständigen Leverkusen – allerdings im trockenen Dienstzimmer….
Danke für den Bericht!
Welche Gegensätze: einsame Natur und Kreuzfahrtschiff-Rush-Hour auf dem Fjord.
Toll, dass Ihr das alles mit dem Rad macht und Euch auch das Wetter nicht schreckt!
Die Erlebnisse bleiben ja beeindruckend 😉
Und gut, dass es ab und zu ein Haus mit Waschmaschine gibt.
Weiter gute Fahrt und gutes Ankommen in Trondheim.
Für Tim und Paul eine gute Wanderzeit und für Dich Eli einen guten Flug in die Niederlande 🤗
Liebe Grüße auch an alle daheimgebliebenen!
Von Monika (MoKli) von der Nordseeinsel Ameland
Ja, wir denken es ist normal für diese Jahreszeit. Ein paar Tage war es wohl eher kälter als normal, aber so richtig richtig kalt war es nie.
Ich habe bis jetzt alles gelesen und werde es auch weiterhin tun. Danke, dass wir teilhaben dürfen.