Tag 40: Wolf?

Meile 587.3 – 606.3

Der Morgen des 40. Tages unserer Wanderung verblasst in meiner Erinnerungen hinter der Sichtung eines Wolfs. Zumindest glauben wir es war ein Wolf. Kojoten sind unseres Wissens nach ungefähr so groß wie ein Fuchs, haben kurzes, braunes Fell und hochstehende Ohren. Der Wolf war etwa so groß wie ein großer Schäferhund und hatte dickes, graues Fell. Er lief ca. 150 Meter vor uns auf dem Trail und trottete gemütlich davon, als wir ihn erblickten. Er war sich offensichtlich bewusst, dass er sich vor uns nicht zu fürchten bräuchte.

Ansonsten wurden wir immer wieder von schönen Ausblicken für unsere Anstrengungen belohnt. Es wurde sehr warm. Gegen elf Uhr machten wir eine lange Pause unter einem sehr großen und alten Nadelbaum. Wir konnten uns sogar an seinem Stamm anlehnen. Nach einiger Zeit leistete uns Jacob etwas Gesellschaft. Wir unterhielten uns über Politik und fanden heraus, dass es in dieser Region wohl Wölfe geben kann. Dann sprach ich mit ihm über seinen Rucksack. Er ist nämlich der erste, der den gleichen Rucksack hat wie ich.

Nach Jacob setzte sich Mapel, die wir schon in Tehachapi getroffen hatten ein paar Minuten zu uns. Wir quatschen ein bisschen, dann entschloss sie sich weiter zu gehen. Später meinte sie, sie hätte bereits ein paar hundert Meter weiter keine Lust mehr gehabt und unter einem Busch ein Nickerchen gemacht.

Der Nachmittag verlief ziemlich ereignislos. Am frühen Abend kamen wir an eine Wasserstelle. Dort füllten wir unsere Wasservorräte wieder auf und kochten Abendbrot. Mapel, Sticks, Jacob und ein paar andere Kanadier waren auch da, außerdem trafen wir Petr und Hana (das Ehepaar aus Tschechien) wieder.

Die folgenden Meilen waren sehr schön. Wir liefen in den Sonnenuntergang hinein. Er war unglaublich schön. Ab und zu bin ich stehen geblieben und habe einfach nur genossen. Wenig später kamen wir an unserem Zeltplatz an. Wir beschlossen, zu biwakieren. Um den angrenzenden Windpark nicht allzusehr zu hören wurden Ohrenstöpsel benutzt. Die Nacht wurde ziemlich kalt und feucht, wir froren jedoch nicht. Der Sternenhimmel war wie jede Nacht unbeschreiblich.

Edit: Mittlerweile sind wir uns ziemlich sicher, dass es kein Wolf war, sondern ein Kojote. Der falsche Alarm, tut uns leid. Happy trails!

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4 Kommentare

  1. Hey ihr zwei,

    auf die Entfernung ist es nicht so einfach zu unterscheiden, wenn man keinen direkten Vergleich hat. Gerhard hat vor Jahren in einem NP in Kanada auch mal gedacht, er sei beim Joggen in einiger Distanz von einem Kojote „begleitet“ worden. Zufällig wurden wir später am Tag von einem Ranger auf einen Kojoten aufmerksam gemacht. Gerhard meinte bei dessen Anblick, dann sei das am Morgen wohl eher ein Wolf gewesen – und er war dann in dem Urlaub nicht mehr Joggen. Aber ein Wolf alleine ist nicht wirklich gefährlich, denke ich.

    Eure Sonnenauf- und – untergänge sind ziemlich spektakulär. Ich glaube, da kann man sich nicht wirklich satt daran sehen, auch wenn man unterwegs immer wieder tolle Ausblicke hat.

    Frohes Wandern weiterhin,
    wünscht euch
    Petra

    1. Ja, ab und zu muss man sich mal mental kneifen und sich klar machen, dass die Ausblicke, Sonnenuntergänge, Sternenhimmel und die Natur echt und das alles kein Traum ist. Wir haben uns noch nicht satt gesehen und ich glaube das wird auch nicht mehr passieren.
      Happy trails aus Lone Pine 🙂

  2. Hallo ihr zwei,
    hab ihr denn eigentlich gar keine Angst vor sämtlichen Tieren, wie z. B. Skorpione und Schlangen. Die habt ihr ja schon zu genüge gesehen. Ich habe gelesen, dass in der Gegend auch manchmal Bären unterwegs sind. Ist da so ein Zelt überhaupt sicher. Ich könnte vor Angst gar kein Auge zu machen.
    Viel Spaß weiterhin
    Claudia M.

    1. Die meisten Tiere haben mehr Angst vor uns, als wir vor ihnen!
      Gegen Bären hatten wir die letzten dreihundert Meilen einen ca. 1 kg schweren Bärenkanister dabei. Das ist so ähnlich wie ne Trockentonne beim Kanu fahren nur dass die Bären das nicht aufbekommen.
      Ich glaube es gibt wenige Stellen auf der Welt wo es sicherer ist, als auf dem PCT. LG von Meile 1011

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