Tag 18: Mission Creek
Meile 218.5 – 235.5
Die Nacht war sehr windig, wir mussten alle paar Stunden die Heringe kontrollieren und Leinen nachspannen. Ich habe nicht wirklich ein Auge zubekommen. Der Wind war so stark, dass uns Bobs Zeltstoff bis aufs Gesicht gedrückt wurde. Mit dem Wind kam der Sand. Er hat es irgendwie durch das super feine Fliegengitter geschafft. Außerhalb des Zeltes konnte man ein Peeling für die Waden bekommen – umsonst, ob man wollte oder nicht. Deshalb beschlossen wir um fünf Uhr morgens abzubauen und abzuhauen.
Eine Meile weiter fanden wir einen Baum, der uns vor dem Wind geschützt hat. Zum Frühstück gab es ein mysteriöses, weißes Paket, dass wir in einer Hikerbox gefunden hatten. Jemand hatte mit Edding 1920 kcal darauf geschrieben und es befand sich Reis mit „Hähnchen-Sahnesoße“ darin. Weiterhin war dem Etikett zu entnehmen, dass der Inhalt 20 (in Worten: zwanzig) Jahre haltbar ist. Es hat ganz ok geschmeckt, war aber dafür, dass es auf acht Portionen ausgelegt war, zu zweit nicht sehr sättigend.
Die ersten paar Meilen ging es sehr windig auf Pässen in der Sonne entlang. Ab und zu konnte man einen Blick auf den verschneiten Gipfel des Mt. San Jacinto erhaschen.
Gegen Mittag haben wir Pause am Mission Creek gemacht, dessen Flussbett wir für den Rest des Tages folgen sollten. Stefan, Old Fox und eine Frau die wir nicht kennen gesellten sich zu uns, denn Mission Creek machte seinem Namen alle Ehre. Wir wanderten den ganzen Nachmittag flussaufwärts im Flussbett. Der Fluss hat im Februar wohl eine starke Überschwemmung verursacht, die teilweise Straßen weggespült hat. Deshalb konnten wir in den seltensten Fällen auf einem echten Weg gehen und es fühlte sich an wie ein echtes natürliches Flussbett. Es war sehr anstrengend ständig vorrausschauend zu planen wo man langgehen könnte. Wir mussten sehr oft über umgestürzte Bäume klettern oder auf kleinen Steinen auf die andere Flussseite balancieren.
Gegen halb sechs kamen wir an dem Zeltplatz an, den alle als abendliches Ziel auserkoren hatten. Die letzten Meilen waren wir schneller gegangen, konnten so einige andere Wanderer einholen und einen Platz für Bob finden, bevor alles belegt war. In dieser Nacht haben zwölf Zelte dort Platz gefunden, was auf jeden Fall an der maximalen Kapazität gekratzt hat.
Die Nacht war sternenklar und kalt. Da wir noch ein bisschen Schlaf nachzuholen hatten entschlossen wir länger zu schlafen.

Anschließend möchte ich noch anmerken, dass der Anblick eines „natürlichen“ Flussbetts etwas befremdliches hatte. Mir ist aufgefallen, dass die Bäche und Flüsse in der Heimat alle begradigt und gebändigt sind. Ich habe das Gefühl wir sind in der Wildnis angekommen.





