Inchnadamph

Cape Wrath Trail, Tag 10-11
Ullapool -> Inchnadamph -> Glencoul Bothy

Zu diesem Tag gibt es eigentlich nicht viel zu sagen. Wir waren fast den ganzen Tag in Ullapool und haben gearbeitet. Erstmal haben wir in Ruhe in der Jugendherberge gefrühstückt. Dann haben wir uns in die Leseecke gesetzt und Blogbeiträge verfasst/hochgeladen bis uns der Herbergsvater rausgeschmissen hat, weil er da putzen wollte. Deshalb haben wir uns an den Hafen in die Sonne gesetzt. Ein bisschen so ähnlich stelle ich mir Alaska vor. Im Vordergrund liegen einige kleine, teilweise verrostete Fischerboote vor Anker. Dann ist da ein Pier mit Krabbenkörben und Geräten. Die Loch Broom glitzert in der Sonne, ein Seelöwe dreht seine Runden vor unseren Nasen und Möwen kreischen um die Wette.

Ich lasse Paul da sitzen und ein paar Blockberichte hochladen, während ich einkaufen gehe. Das Beste an Ullapool ist nämlich der Tesco Superstore. Klingt toller als es ist, aber ein Supermarkt in der größe eines Aldis ist schon was besonderes in dieser Abgeschiedenheit. Ullapool ist zwar die mit Abstand größe Stadt der Gegend, hat aber nur 1500 Einwohner. In Ullapool fährt eine große Fähre nach Stornoway, der mit 4800 Einwohnern bedeutendsten Ortschaft der äußeren Hebriden.

Nachmittags nehmen wir einen Bus nach Inchnadamph. Das nimmt uns den Stress aus der Tour und wird unsere letzte Umgehung des Trails sein. Der Bus fährt durch wunderschöne Berge, die sehr einzeln stehen und bis ans Meer reichen. Es wäre bestimmt toll hier Tagestouren auf die Gipfel zu unternehmen oder mit einem kleinen Flugzeug an der Küste entlang zu fliegen. Ich bin aber nicht traurig, dass wir die 1.5 Tage des Cape Wrath Trails (CWT) ausgelassen haben. Wie uns am Abend ein Ranger aus der Nähe von Stuttgart (er ist vor ein paar Jahren ausgewandert, weil er sich auf dem CWT in die Landschaft verliebt hat) bestätigt, läuft der CWT weit landeinwärts und ist ziemlich langweilig. Wir bauen also auf einem leeren Wanderparkplatz an der sehr, sehr wenig befahrenen Straße unsere Zelte auf und gönnen uns, nachdem wir einen Hagelschauer abgewartet haben, eine Portion Couscous. An unserem Zeltplatz steht eine Informationstafel: Anscheinend ist Inchnadamph unter Geologen berühmt, weil da irgendwelche Plattentektonik erforscht/entdeckt wurde. Es gibt wohl eine Burg und Höhlen auf der anderen Seite der Bucht, davon sehen wir allerdings nichts.

Die Nacht ist super entspannt und ich schlafe sehr gut. Paul meint er hatte Albträume und wir witzeln, dass das bestimmt von der Plattentektonik kommt. Ein berühmter Geologe hatte hier Albträume von Erdplatten, die ihn zerdrücken, so die schlaue Informationstafel. Der Gute hat die Zeitskalen noch nicht ganz auf dem Schirm gehabt.

Nach einer ordentlichen Portion Porridge zum Frühstück geht es in leichtem Regen bergauf. Wir laufen an einem See vorbei und genießen das verregnete Bergpanorama. Bald hört der Regen auf und wir laufen auf Schnee. Der ist schonmal 30 cm tief, aber wir kommen gut voran. Als wir gegen 11 Uhr auf dem Pass ankommen habe ich Hunger. Porridge hält einfach nicht so gut vor. Der Blick ist atemberaubend. Auf der anderen Talseite sieht man einen großen See (Loch nan Caorach, „Loch of the sheep“), der in einem Wasserfall endet. Dahinter verschneite Gipfel.

Mit einem Schokoriegel im Magen machen wir uns an den Abstieg. Hier liegt mehr Schnee, ich sacke teilweise bis zur Hüfte ein, aber es macht total viel Spaß, weil es bergab geht. Als wir unter der Schneegrenze sind laufen wir noch ein paar Minuten und machen dann Pause mit Blick auf den tollen Wasserfall, der sich aus Loch nan Coarach ins Tal ergießt.

Der Weg bergab ist ein bisschen beschwerlich und man muss gucken wo man hinläuft. Ich bin im Tunnel und laufe ohne hochzuschauen am Wasserfall Eas a‘ Chuail Alainn vorbei, der mit einer Fallhöhe von 200 m der höchste Wasserfall Groß Brittaniens ist. Als ich ihn eine halbe Stunde später auf dem Weg zum Bothy Glencoul aus bewundere ist das schon ein bisschen lustig. Ich nehme mir vor, mich zu zwingen immer mal wieder hoch zu schauen. Der nächste höchste Wasserfall wird mir garantiert nicht entgehen ^^

Das Glencoul Bothy ist beeindruckend. Es ist total sauber und gepflegt, es gibt ein gefülltes Bücherregal und einen tollen Blick auf Loch Glencoul. Wir legen auf der Bank vor dem Bothy eine zweite Mittagspause ein und gönnen uns einen Apfel mit Nutella. Ein bisschen weiter füllen wir unsere Wasservorräte auf, wir filtern, weil ein paar Meter weiter ein toter Hirsch liegt. Während Paul sein Wasser filtert versuche ich mich darin flache Steine auf dem Wasser ditschen zu lassen. Das funktioniert nur mäßig und ich schiebe es auf die Steine.

Dann machen wir uns auf ins Nachbartal, unser Ziel ist das Glendhu Bothy. Es geht auf einem geschotterten Fahrweg bergauf, bald verliert sich der Weg und wenig später verlaufe ich mich. Nach einer halben Stunde fluchendem querfeldein Laufen finde ich den Weg wieder und werde von einem wartenden Paul ausgelacht, da habe ich wohl meinem Trailname alle Ehre gemacht. Der Weg ist sehr groß und eigentlich nicht zu übersehen, keine Ahnung was mein Problem war.

Das vor uns liegende Tal ist wieder traumhaft schön. Wir gehen durch ein kleines Laubwäldchen und steigen dann zum Wasser ab. Wir haben Glück, es ist gerade Ebbe und so ist der Weg nicht überschwemmt. Als wir am Bothy ankommen sind wir nicht allein. Martin und Cathy machen dort gerade Urlaub und beobachten Tiere. Martin zeigt uns wenig später eine Robbe, die ihren Kopf aus dem Wasser streckt und erzählt, dass sie Musiker sind und ihre „Fiddles“ dabei haben.

Als es dunkel wird und wir draußen gekocht haben bekommen wir ein Privatkonzert vorm Kaminfeuer. Martin und Cathy erzählen, dass sie sich mal für 10 Tage auf ein Bothy zurück gezogen haben um für eine Aufnahme zu proben. Wir haben uns nett unterhalten und die Musik wirklich genossen. Als wir in den Schlafsack gekrochen sind bin ich sofort eingeschlafen. Paul behauptet er hätte noch ein Gute Nacht Lied gespielt bekommen.

Matin & Cathy

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2 Kommentare

  1. Vielen Dank für den anschaulichen und sehr interessanten Bericht! Die Begegnung mit Martin und Cathy klingt wunderbar, gerade nach all der Stille und Menschenleere habt ihr die Musik sicher extra intensiv empfunden.
    Welche Schuhe tragt ihr eigentlich? Sind sie wasserfest? Wie seid ihr mit all dem Schnee zurecht gekommen, kommt der nicht in die Schuhe?

    1. Ja das war wirklich ein Highlight der Tour!
      Wir haben Altra Lone Peaks gehabt. Das sind Trailrunner. Sie sind nicht wasserdicht, aber wir hatten ja die Seal Skinz (siehe Bericht vom 2. Tag). Der Schnee war nicht so dramatisch, die Seal Skinz sind ziemlich dick und wir hatten uns schon an nasse Füße gewöhnt. Um zu vermeiden, dass Staub und Schnee in die Schuhe kommt hatte ich auch noch Gaiter (ein Dirty Girl Abklatsch) an, das hätte ich mir aber auch sparen können.

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