Tag 11: Regen und Burger

Meile 144.0 – 151.8

Als wir morgens aufwachten, regnete es. Wir wollten früh los, da acht Meilen entfernt das Paradise Valley Cafe liegt. Es ist in der hiker Community sehr bekannt für seine guten Burger. Wir bauten Bob ab und machten uns auf den Weg.

Als wir endlich völlig durchnässt dort ankamen, holten wir uns ersteinmal eine heiße Schokolade mit Sahne. Wir fanden zu unserem Bedauern heraus, dass an Sonntagen erst ab zwölf Uhr Burger serviert werden. Zu diesem Zeitpunkt war es halb zehn. Wir hatten also noch zwei Stunden draußen auf der Veranda vor uns, da das Cafe voll war.

Das Wetter weiter den Trail entlang schlug, wie andere Wanderer erzählten, in heftigen Schneesturm um. Deshalb hatten sie umgedreht und kamen nach und nach auch zum Cafe zurück.
Auch eine Jugendgruppe von 16 Schülern, die etwa die 6./7. Klasse besuchen müssten. Sie waren durchnässt und schlotterten. Es kam heraus, dass einige der Kinder nichteinmal Regenjacken dabei hatten. Alle bekamen einen Kakao und würden nach und nach mit Autos weggefahren.

An der Bar saß „Macgyver“, der sich in der Nacht scheinbar stark unterkühlt hatte. Wir hatten ihn bei Mikes Place kennen gelernt. Andere Wanderer hatten ihn in alles eingemummelt, was sie bei sich hatten. Somit saß er unter einem Berg an Schlafsäcken und Pullovern. Sein Zustand verbesserte sich jedoch leider nicht. Er konnte nicht mehr selbst SMS schreiben, nichts essen und trinken und auch nicht mehr selbst laufen. Eine Stunde später wurde er von einem Trailangel in das nächste Krankenhaus gefahren.
Wir trafen Ernest, den niederländischen Rentner, wieder. Da er nur maximal zehn Meilen am Tag wandern kann, trampt er nun immer zu den nächsten Trailheads. So bleibt er bei Wanderern, die er bereits kennt und wir trafen ihn schon zum vierten Mal. Seit Mount Laguna taucht er Mal auf und ist dann Mal wieder weg. Auf Grund dessen kam die Idee seines Trailnames „beam me up“, in Anlehnung an Star-Trek.

Irgendwann war dann auch das Warten auf den Burger vorbei und man hatte nicht zu viel versprochen. Wir aßen zusammen mit Tomato, beam-me-up und Martin.
Währenddessen suchten wir nach einer Unterkunft in Idyllwild mit Martin, da der Wetterbericht keine Besserung versprach. Über AirBnB wurden wir schließlich fündig. Ein kleines Häuschen für zwei Nächte.

Nun mussten wir noch in das 30 Kilometer entfernte Idyllwild trampen. Wir erhofften uns die besten Chancen beim trampen zu zweit. Tim und Martin bekamen nach ungefähr zehn Minuten einen Hitch bei Page, die durch ihr Studium über 100.000$ Schulden aufgenommen hat und von einem Waldbrand letzten Sommer bei Idyllwild erzählte.  Man sah die Folgen sehr deutlich und der Brand hatte eine große Fläche betroffen. Er war wohl durch einen Amerikaner ausgelöst worden, der absichtlich brennende aus seinem Auto geworfen hatte. Er wurde gefasst und sitzt nun für 13 Jahre hinter Gittern.

Tomato und ich wurden auf unserem warten auf mitgenommen werden von einem Sheriff angesprochen, der uns erklärte, dass trampen in Kalifornien verboten war, jedoch kein Polizist ein Ticket ausstellen würde. Wir bedankten und scheinheilig für die Info und taten so, als ob wir uns zurück ins Cafe begaben. Dabei hielt ein Wagen und nahm uns mit. Es war ein mexikanischer Mann Mitte dreißig, der kein Wort Englisch sprach. Immerhin kamen wir sicher nach Idyllwild.

Abends trafen wir uns noch bei Olaf und Thomas, zwei deutsche, die wir bereits von Frodo und Scout kannten,  im Zimmer und holten uns ein waemes Grillhähnchen mit Toast, Senf und Käse zum Abendessen. Der Wetterbericht der nächsten Tage wurde diskutiert, welcher bis Donnerstag schlechtes Wetter ankündigte. Es war Sonntag und keiner von uns wollte so lange in Idyllwild bleiben. Thomas und Olaf wollten morgen Mt San Racinto bezwingen und anschließend ins nächste Tal weiter wandern. Wir hatten jedoch die letzten 30 Meilen bis Idyllwild übersprungen, weshalb wir uns nicht anschlossen.

Zusammen mit Martin wollen wir morgen Mt San Jacinto besteigen und anschließend wieder nach Idyllwild absteigen.

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