Das Ende Der Zivilisation

Cape Wrath Trail, Tag 13
Loch Stack -> Kinlochbervie

Der Wind hat nicht nachgelassen. Die ganze Nacht über hat es gestürmt. Ich bin froh, dass wir hinter der Hütte stehen und unsere Zelte so stabil sind (mit Bob wäre das ’ne andere Nummer geworden). Wir haben beide nicht gut geschlafen, aber immerhin sind die Zelte trocken. Nach einem schnellen Frühstück im Windschatten der Hütte bauen wir die Zelte ab und gehen los.

Ein Stückchen die Straße zurück und rechts abbiegen. Über eine kleine Bücke, nochmal ein atemberaubender Blick auf den See. Eine kleine Hütte am Wasser beherbergt bestimmt ein Ruderboot zum Fischen. Wir gehen an einem ziemlich großen Cottage vorbei und ich überlege mal wieder wie cool es wäre sich hier oben zurück zu ziehen. Dann sehe ich, dass es ein Hotel ist. Von irgendwas muss man leben. Es fängt an zu tröpfeln und wir tauschen die Daunenjacke gegen Regenjacken.

Ein Stückchen Feldweg können wir noch genießen, bevor es querfeldein Richtung Küste geht. Ein letzter Blick zurück auf den von Bergen eingefassten See. Der Boden ist richtig schön nass und knubbelig und ich freue mich mal wieder über die Seal Skinz. Die Sonne kommt wieder raus und wir laufen am Ufer vieler kleiner Seen entlang. Ich habe das Gefühl richtig ab vom Schuss zu sein, hier ist keine Straße weit und breit. Dann treffen wir auf einen Trampelpfad und laufen an einem Schuppen vorbei in dem ein Kanu lagert. Kurze Zeit später kommt uns eine Familie Erwachsener mit zwei niedlichen Hunden entgegen. Die Menschen sind sehr sauber und machen offensichtlich nur einen Spaziergang soweit der Trampelpfad trägt.

Als wir in Riconich ankommen machen wir Pause hinter einer öffentlichen Toilette (es riecht nur ab und zu merkwürdig) und gönnen uns richtig, weil wir später an einen Supermarkt kommen können wir alles aufessen 🙂 Neben uns steht die Polizeiwache, die eine Schaukel im Garten hat. Ich finde die Vorstellung von schaukelnden Polizisten sehr lustig. Die Aussicht ist der Hammer! Der Meeresarm den wir den Rest des Tages entlang laufen werden endet hier, man kann sehr weit gucken und wir sehen schon die kleine Straße, die sich am Steilufer entlang schlängelt und die wir gleich nehmen werden. Die Sonne scheint, es ist windstill und wir schlagen uns den Bauch voll.

Dann lassen wir unseren Müll da (im Mülleimer 😉 und machen uns auf den Weg. Ab und zu fährt ein Auto oder ein Wohnmobil an uns vorbei, aber es ist sehr leer, dafür dass das die einzige Straße in die Richtung ist (die ist dann halt auch irgendwann zu Ende und dann kommt das Meer). Das Wetter ist super und wir unterhalten uns. So lässt sich ein Roadwalk gut aushalten.

Nach einiger Zeit merken wir, dass wir zu früh dran sind. Wir klettern auf einen kleinen Hügel links von der Straße und es verschlägt uns den Atem. Die Aussicht ist der Hammer, vor uns liegt der Meeresarm und dahinter sieht man schneebedeckte Gipfel. Wir gönnen uns ein letztes Twix und ich bekomme eine Email von unserem B&B was uns für morgen erwartet. Hopalla, da ist wohl was schief gelaufen… Ich rufe kurzerhand an und wir haben Glück, heute ist auch noch was frei! Erleichterung macht sich breit.

Es geht weiter die Straße entlang und wir kommen langsam nach Kinlochbervie. Wir laufen an unserem B&B vorbei zum kleinen Spar Supermarkt am Ende des Dorfes. Der liegt am Hafen. Dort liegen ein paar größere Fischerboote und es ist offensichtlich, dass der Hafen nicht für Touristen gemacht ist, sondern für die Industrie. Wir setzen uns mit unseren Einkäufen auf eine Bank an einer traumhaften Bucht, genießen das Wetter und organisieren unser nächstes Uni Semester, das nimmt natürlich keine Rücksicht auf uns. Ich lasse ein paar Steine übers Wasser ditschen und freue mich. Was für ein Leben! Ich bin glücklich und kann kaum glauben, dass es bald schon vorbei sein soll, aber morgen ist unsere letzte Etappe, die uns ans Cape Wrath tragen wird.

Nach einer guten Stunde in der Sonne wird es uns zu warm und wir machen uns langsam auf den Weg zu unserem B&B. Als wir dort ankommen werden wir von der Gastmutter Heather herzlich empfangen. Sie ist Highschool Lehrerin für Biologie und Englisch und ihr Mann ist Fischer. Sie haben zwei Kinder und einen niedlichen Hund, der uns aber leider nicht leiden kann. Unser Zimmer ist der Hammer. Es gibt ein grooooßes Bad mit Regendusche und einen Aufenthaltsraum, den wir für uns haben. Wir sind entzückt von dem langen zufallsgenerierten WLAN Passwort und machen uns eine große Portion Nudeln mit Tomatensoße auf der Terrasse mit Blick über die Bucht.

Dann schauen wir uns den neuen Spiderman Film im Fernseher im Aufenthaltsraum an, der übrigens einen super schönen Ausblick auf die Bucht und die Berge von denen wir heute Morgen gestartet sind hat. Wir packen noch unser Zeug so gut es geht, morgen wird ein langer Tag und wir wollen zeitig aufbrechen. Ein paar Sachen können wir hier lassen, weil wir für die Abreise zurück kommen werden. Ich schlafe schnell ein, heute war ein schöner, aber anstrengender Tag.

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