Gear Thoughts

Es gibt zahlreiche Artikel zur Ausrüstung, die alle möglichen Menschen mit auf den PCT genommen haben. Es gibt sogar eine alljährliche Studie, was die beliebteste Ausrüstung auf dem PCT im jeweiligen Jahr war (den Editor von „Halfmile Anywhere“ haben wir auf dem PCT getroffen, mega cooler Typ :-). Ich möchte hier deshalb nicht den Standard Artikel schreiben, sondern einfach ein paar Gedanken loswerden, quasi meinen Senf dazu geben 😉

Vor dem Trail sind Paul und ich unseren Freunden, unserer Familie glaube ich ziemlich auf den Nerv gegangen. Wir dachten Gewicht ist alles, so haben wir z.B. Schildchen aus Klamotten geschnitten und Zahnbürsten gekürzt, um ein paar Gramm zu sparen. Alle Schildchen zusammen und die Zahnbürste haben vielleicht soviel gewogen wie ein kleiner Schokoriegel und wir waren stolz darauf den gespart zu haben! Ich habe damals sogar eine Liste mit Gewichten jedes Gegenstandes erstellt. (Kommentar von Paul: Ich habe keine Schildchen aus meinen Sachen geschnitten :D)

Mittlerweile sehe ich das ein bisschen enspannter. Ich finde, es ist wichtig sich Gedanken zu machen, aber das Gewicht sollte nicht das hauptsächliche Entscheidungskriterium sein. Meiner Meinung nach ist es viel wichtiger, dass man Freude an einem Ausrüstungsgegenstand hat. Es gibt einen Grund, warum nach einiger Zeit viele PCTler mit Hawaiihemden gewandert sind. Die haben nicht so gut ventiliert, waren nicht aus irgendeinem fancy Material (es gibt z.B. Hemden von Columbia, die chemisch mit Schweiß reagieren und kalt werden….) und fingen mit Sicherheit sehr schnell an sehr zu stinken. Allerdings bekamen diese Wanderer von jedem ein Lächeln geschenkt und fühlten ihre Lebenseinstellung, glaube ich, ganz gut von einem Hawaiihemd umschrieben. Was ich sagen möchte: Ein Moralboost hilft oft mehr dabei weiter wandern zu können, als ein etwas leichteres Gepäck. Und wenn man sich am Abend einen heißen Kakao machen kann, freut man sich, dass man nicht stoveless (Ohne Kocher) unterwegs ist und die Füße tun gleich ein bisschen weniger weh 😉

So, nun ein paar praktische Bemerkungen.

Trailrunner haben super funktioniert, allerdings stoßen auch sie an ihre Grenzen. Die Lebensdauer variierte schon zwischen unterschiedlichen Modellen und als wir in der Sierra Nevada ständig durch Flüsse, scharfkantige Schnee- und Geröllfelder laufen mussten hat sich gezeigt, dass sie dafür nicht konzipiert sind. Ich finde das wird in der Thruhiking-Community sehr selten gesagt: Trailrunner sind nicht so stabil wie Wanderschuhe! Außerdem hätten wir uns gleich zu Beginn gute Innensohlen besorgen sollen. Innensohlen sollte man nicht unterschätzen. Sehr zu Empfehlen sind außerdem Injinji-Zehensocken. Sie sind ihr Geld wert.

Altra Timp nach ca. 150 Meilen High Sierra.
Lone Peaks sind stabiler, haben aber weniger Dämpfung.

Regenkleidung ist nicht dafür da, trocken zu halten. Sie soll warm halten und gegen Wind schützen. Nass wird man sowieso, z.B. durch Schweiß. Wir waren sehr zufrieden mit unseren „Frogg Toggs“. Das sind Regenjacken und -hosen, die extrem billig (knapp 20$ das Paar), unförmig, riesig und ziemlich leicht sind. Diese Beobachtung gilt für den PCT. Hier regnet es allerdings auch selten. Ich kann mir vorstellen, dass das auf anderen Wanderwegen anders ist. Außerdem sind „Frogg Toggs“ nicht sehr stabil, man sollte damit nicht querfeldein durchs Unterholz brechen.

Oft gibt es günstige Alternativen zu teuren Outdoorklamotten, die genauso gut oder besser funktionieren. Beispiele sind unsere Regenjacken, ich hatte einen Müllsack an Stelle eines teuren Trockensacks. Wir haben eine 1€ Plastikschüssel als zweites Gefäß zum Essen genutzt, die einen super Job gemacht hat.

Allgemein gilt: Weniger ist mehr. Wenn man weniger mitnimmt ist man leichter unterwegs. Soweit so gut. Es ist aber sehr angenehm nur eine handvoll Sachen dabeizuhaben. In unserem überfüllten Leben ist uns gar nicht bewusst was wir alles an Zeug haben. Es hat eine Weile gedauert, bis ich gemerkt habe wie angenehm es ist nur ein Oberteil zu haben. Viele Entscheidungen des normalen Alltags stellen sich einfach nicht. Also: Kleinkram auf das wesentliche reduzieren. Ein Löffel reicht, Göffel/Sporks (Löffel-Gabel Hybriden) sind aus meiner Sicht Blödsinn.

Zum Schluss: Wenn du den PCT o.ä. wandern möchtest, oder als genereller Lebensratschlag ^^ : ENTSPANN DICH!!! Die meisten Tricks lernt man sowieso auf dem Trail. Es war lustig die AT-Veteranen zu beobachten. Bevor es los ging waren sie sehr großspurig und erzählten allen, wie ein Thruhike funktioniert. Nach dem ersten Tag hatten sie kapiert, dass der PCT nicht der AT ist. Ich glaube es war den Herren ein bisschen peinlich. Im Nachhinein habe ich es manchmal bereut mich vorher so gut informiert zu haben. Dadurch habe ich mir manche Überraschung zu Nichte gemacht. Das war wirklich cool an unserem Fahrradtrip, wir wussten nicht was der nächste Tag bringt.

Wenn du bis hier unten gelesen hast bin ich sehr beeindruckt. Ich möchte noch loswerden und das ist mir ganz wichtig, jede*r darf den ganzen Kram so machen wie es am Besten passt. Wir haben viele Wanderer getroffen und in den ersten Wochen war Ausrüstung eines der Top 5 Themen, würde ich sagen. Es gab viele verschiedene Meinungen. Was ich oben geschrieben habe hat sich herauskristallisiert. Mach damit was du möchtest. Bei Fragen stehen wir wie immer sehr gerne zur Verfügung.

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2 Kommentare

  1. Sehr interessant und informativ, vielen Dank!! Aus gegebenem Anlass (Euer größter Cousin neigt auch zu den größten Blasen) eine Frage zu den Zehensocken: Welches Modell empfehlt Ihr? Ausserdem interessiert mich, warum die AT Veteranen ihr Wissen nicht brauchen konnten – worin liegen die Unterschiede?

    1. Wir hatten die dicken grauen aus Merino-Wolle, aber wir haben keine anderen ausprobiert. Wir haben aber auch Wanderer mit dünneren Modellen gesehen. Ich denke das ist Geschmackssache.
      Der AT hat einfach ganz andere klimatische Bedingungen und die Versorgungssituation ist viel besser. Auf dem PCT ist zu Beginn die Wassersituation die größte Herausforderung und da hatten die Guten genauso wenig Ahnung von wie wir 😉

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