Tag 59: 18 Stunden

Meile 813.7 – 838.6

Heute hatten wir viel vor. Deshalb waren wir um ein Uhr Nachts auf den Beinen und liefen über ein großes Schneefeld auf Mather Pass zu. Wir verloren mehrmals den Weg und waren froh, als wir alle Flüsse auf Schneebrücken unbeschadet überquert hatten.

Da der letzte Teil des Aufstiegs auch komplett unter einem Schneefeld begraben war, führten die Fußspuren einen anderen Weg als den in unserer Karte eingezeichneten. Es war nur leider zu dunkel, um ihn zu finden. Also kletterten wir teils über Fels, meist aber über das steile, vollkommen überfrorene Schneefeld. Auf halber Strecke fiel mir das Handy aus der Hand und Tim stoppte es geistesgegenwärtig mit seinem Fuß. Dabei vergaß er leider, dass er Micro-Spikes trug, und somit überziehen es von nun an ein paar Risse. Das war aber sicherlich das kleinere Übel.

Angekommen auf dem Mather Pass ruhten wir uns kurz aus und sahen dem langsam heller werdenden Himmel zu. Mittlerweile war es vier Uhr.

Der Abstieg in das sich anschließende lange Tal verlief ohne weitere Probleme. An einem mit Eisschollen überzogenen See machten wir Frühstückspause und genossen die grandiose Aussicht. Unterhalb des Sees folgten spektakuläre Wasserfälle und ein Reh kam uns auf dem Wanderweg die Steilwand entgegen.
Am Fuß der Steilwand erwartete uns ein saftig grünes Tal. Es wechselten sich nun sumpfige Wiesen mit lichtdurchfluteten Nadelwäldern ab. Wir genossen die Landschaft und nahmen dafür gerne die nassen Füße und Moskitos in Kauf.

Gegen zehn Uhr machten wir ein Nickerchen, weil wir total müde waren.
Dann ging es wieder bergauf. Entlang an tosenden Flüssen. Wir genehmigten uns die Smartphones zu benutzen um Musik zu hören, was uns einen großen Motivationsschub gab. Die Tage vorher hatten wir den Akku für Fotos aufgespart.
Der Weg führte an einem See vorbei und mehrere Rehe standen neben dem Weg, unbeeindruckt von uns. Wir holten Wasser und kochten Mac ’n Cheese zu Mittag. Irgendwo ging eine Gerölllawine ab, so klang es zumindest.

Es ging weiter bergauf. Wir durchquerten einen eiskalten Gebirgsbach, der wahrscheinlich zu 100% aus Schmelzwasser bestand. Dann ging es in den Schnee.
Die Schneefelder zogen sich, wir liefen an einem See entlang und gegen sechs Uhr Abends waren wir auf dem Muir Pass angekommen. Der Blick war atemberaubend. Verschneite Berge und Täler. Wir hatten das Gefühl in der Antarktis zu sein. Es gibt eine kleine Steinhütte auf Muir Pass. Dort übernachten wir heute Nacht. Wir freundeten uns mit Froggy an, einem super netten Amerikaner koreanischer Abstammung. Er hatte ganz verkrustete Beine und als wir fragten, was es damit auf sich hatte meinte er, er sei im Kings River (siehe Vortag, der Fluss den wir nicht gequert hatten) fast ertrunken. Er war von einem Baum gefallen und darunter geraten. Da war ich froh, dass wir die risikoarme Variante gewählt hatten.

Die 25 Meilen des heutigen Tages stellten eine willkommene und lang ersehnte aber auch anstrengende Abwechslung zu den letzten Tagen dar, an denen wir teilweise nur acht Meilen zurückgelegt hatten.
Beim Abendessen, nach 18 Stunden auf dem Trail, haben wir den abgefahrenen Sonnenuntergang bewundert. Gegen zehn ist noch ein anderer Wanderer gekommen, stelle ich mir ziemlich anstrengend vor.

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2 Kommentare

  1. Ihr seid ja lustig – ihr stellt es euch „ziemlich anstrengend vor“ bis abends um 10 zu laufen, aber selbst wart ihr seit Mitternacht unterwegs, habt 25 Meilen und dabei zwei Pässe gemacht. Wenn das nicht auch ziemlich anstrengend war! 😂
    Geniale Fotos. Ich bin schwer beeindruckt.
    Gruß Petra

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