Tag 57: Spiegel

Meile 787.0 – 802.6

Wir standen pünktlich zur gewohnten Zeit auf. Der heutige Glen Pass sollte nicht allzu schwierig sein. Die ersten Meilen und Höhenmeter machten wir mit ein paar Müsliriegeln. Ich merkte jedoch, dass ich ein Frühstück brauchte. Mein Körper lief auf Sparflamme und ich musste mich sehr zusammen nehmen, um irgendwie mit Paul mithalten zu können.

Dann machten wir Frühstück am Spiegelsee. So heißt der See nicht wirklich, aber er war so extrem ruhig, dass er einfach ein großer Spiegel war. So etwas hat vorher in diesem Ausmaß noch keiner von uns gesehen. Nach dem Frühstück ging es mir besser und wir machten uns an den Aufstieg zum Glen Pass.

Der Aufstieg war sehr einfach und ungefährlich, oben angekommen erwartete uns ein schöner Blick. Manche Wanderer sagen, der Glen Pass biete den schönsten Ausblick des PCT. Das ist nicht weit hergeholt. Man blickt auf ein Tal voller Seen, die hell- bis dunkelblau in der Sonne glitzern.

Der Abstieg gestaltete sich jedoch im Gegensatz zum Aufstieg als sehr schwierig. Das Schneefeld war sehr weich und steil. Es gab keine wirklich hilfreichen Spuren, weil diese jeden Tag wegtauen. Nach einer nervenaufreibenden halben Stunde hatten wir es durch das schlimmste geschafft. Danach ging es auf Spuren weiter bergab. Wir versuchten einmal unsere Isomatte als Schlitten/Poporutscher zu benutzen, es war jedoch nicht steil genug.

Wir machten an einem schönen See Mittagspause und trockneten unsere Sachen. Long John kam vorbei (wir hatten ihn in Wrightwood kennen gelernt). Man kann wohl von einem Felsen in den See springen und zur Insel rüber schwimmen. Die Eisschollen ließen uns dieses Vorhaben allerdings nicht gerade als verlockend erscheinen.

Weiter ging es entspannt bergab. Wir mussten ein paar Flüsse queren, aber nichts dramatisches. Wir trafen ein paar Leute wieder, die wir länger nicht gesehen hatten. Das lag daran, dass man über einen Abstecher nach Independence gelangen konnte. Wir waren also einen Tag schneller, als viele anderen.

Im Tal überquerten wir einen reißenden Gebirgsfluss über eine wackelnde Hängebrücke. Ich war sehr froh darüber, dass sie da war. Auf der anderen Seite wartete eine größere Gruppe PCTler, die wir schon in Kennedy Meadows gesehen hatten. Wir erklommen zusammen mit ihnen den Berg entlang des Flusses und querten einen kleineren Seitenarm in Teamarbeit.

Abends machten die anderen ein Lagerfeuer, wir waren allerdings so erledigt, dass wir uns nach dem Kochen gleich schlafen legten.

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Ein Kommentar

  1. Wunderschoene Bilder und spannender Bericht! Diesen Teil des PCT sind wir letztes Jahr gelaufen, allerdings wesentlich langsamer und bei warmem Sonnenschein. Kaum zu glauben, wie Ihr es ueber Glen Pass geschafft habt!

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