Tag 21: Manches geht den Bach Runter

Meile 275.0 – 294.7

Die Nacht war extrem kalt – ich habe ab ca. ein Uhr morgens in Embryonalstellung irgendwo zwischen schlafen und wach sein zugebracht. Das Hauptproblem waren dabei die Eisklötze an meinen Füßen, dagegen muss ich bei Gelegenheit etwas unternehmen. Auch der Morgen schien nicht gewillt zu sein uns etwas Entspannung zu ermöglichen. So bauten wir schnell alles ab, holten noch etwas Wasser am Water Cache, den ein netter Trailangel pflegt und machten uns auf den Weg. Der Trail stieg zum Glück an und wir liefen langsam in sonnige Bereiche. Nach etwa einer halben Stunde machten wir Frühstückspause auf einem umgefallenen Baumstamm und tauten langsam auf. Anschließend wand sich der Weg durch einen lichten Wald GROSSER Nadelbäume. Der Wald ging später langsam in steppenartiges Terrain über, das nur noch sehr wenig Schatten bot. Die steilen Hänge, an denen wir entlangliefen führten uns gegen Mittag zu einem Zeltplatz mit Pferdegatter (man kann den PCT auch zu Pferd bereisen), defektem Brunnen und Plumpsklo. Letzteres stank zwar bestialisch, war jedoch sehr willkommen, da sich hierdurch das Buddeln eines Lochs erübrigte.

Beim Mittagessen gesellte sich ein Amerikaner zu uns, der am gleichen Tag wie wir gestartet war, den wir seit dem Monument jedoch nicht mehr gesehen hatten. Wir teilten unsere Schneegeschichten. Alle PCT-ler haben in etwa ähnliche Geschichten, wie sie Zeros in Idyllwild gemacht haben, wann sie wo in den Schneesturm gelaufen sind etc. Die Geschichten unterscheiden sich jedoch alle ein bisschen und ich finde man kann ganz gut einschätzen wen man vor sich hat, wenn man weiß, wie derjenige in dieser Situation reagiert hat.
Nachmittags ging es weiter bergab und wir liefen durch ein zunehmend zauberhaft werdendes kleines Tal mit Bach, den wir mehrmals kreuzten.

Es kristallisiert sich immer mehr heraus, dass Pauls Handy auf längere Sicht nicht mehr zu gebrauchen ist. Wir sind noch unschlüssig was wir dagegen unternehmen und warten auf eine Internetverbindung um ein paar Informationen einzuholen. Man muss aufpassen, dass man sich nicht im Gedankenkarussell wiederfindet, wenn man beim wandern nachdenkt. Ich merke wie die unklare Situation auf unser beider Gemüt schlägt. Wir werden sehen, was sich ergibt. Wie man so schön sagt: The trail provides!

Abends haben wir einen schönen Zeltplatz etwas erhöht neben dem Bach gefunden und uns nett mit einem anderen Wanderer unterhalten. Old Fox kam später ins Lager, er hatte an diesem Tag ca. 29 Meilen gemacht – unglaublich, der Mann ist älter als wir beide zusammen…

Nach einem Abendessen mit 2x mashed Potatoes, 2x Ramen-Nudeln und „Chili con Carne“-Gewürz holten wir beseelt den eingebüßten Schlaf der vorherigen Nacht nach.

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