National Trust for Scotland

Cape Wrath Trail, Tag 6
Shiel Bridge -> Coire Fionnaraich

Ich wache von selbst gegen halb 7 auf und kann nicht mehr weiter schlafen. Die Nacht war gut und ich fühle mich ausgeruht, sogar obwohl unsere beiden Zimmergenossen schnarchen.
Leise ziehe ich mir etwas über und gehe runter in die Küche des Youth Hostels, setze mir einen Tee auf und pfleze mich in einen Sessel mit Blick über Loch Duich. Der Blick über den See ist klar, aber die Wolken hängen tief und man sieht nur die Füße der Berge. Ich bin froh, dass wir heute in einem warmen Bett geschlafen haben mit festem Dach über dem Kopf. Zu essen haben wir immer noch nichts, weshalb ich mich vorerst mit dem Tee zufrieden gebe.
Ich genieße die ruhige Zeit, in der ich der einzig Wache in diesem Haus bin und lehne mich in meinem Sessel zurück.

Als Tim runter kommt, rangiert gerade ein Kleinbus mit Kayakanhänger vor der Veranda. Nach und nach kommen mehr Menschen. Einige ziehen sich in der Stube wasserdichte Sachen und Neoprenanzüge zum Paddeln an. Als die Anzahl der erscheinenden Personen die Anzahl der vorhandenen Kayaks signifikant übersteigt und eine Ruderin gefragt wird, welche Farbe Ihre Jacke denn am Besten haben soll, wundern wir uns ernsthaft, was hier eigentlich los ist. Es kommen immer noch neue Autos an und alle scheinen dazu zu gehören. Wir sprechen eine der Ruderinnen an und sie klärt uns auf.
Hier wird für einen Fernsehwerbespot des National Trust for Scotland. Eine gemeinnützige Stiftung zur Erhaltung und Pflege von Kulturdenkmälern und der Natur in Schottland. Der Werbespot wird ab dem 21.4. im Schottischen TV ausgestrahlt und auch online zu sehen sein, wird uns versichert.

Und wir haben den Spot sogar gefunden. Die Kayak-Shots haben wir beobachtet 😉

Als wir um kurz vor zehn die Herberge verlassen, ist große Technik am Ufer aufgebaut, die Kayaker sitzen bereits im Wasser und ein Kameramann mit Anglerhose steht auch knietiefe im See. Wir verabschieden uns von Kasha und Ben und wünschen ihnen noch eine angenehme Saison.
Als unser Bus kommt, wird gerade der erste Shot gedreht. Sie versuchen scheinbar synchron zu paddeln, werden aber dem Anblick nach noch einige Versuche brauchen bis dies auch gut gelingt.

Die Fahrt nach Kyle of Lochalsch ist szenisch erste Sahne und viel zu schnell vorüber. Von Kyle wollen wir mit der Bahn weiter nach Strathcarron fahren. So haben wir einen 2-Tages Stretch übersprungen und schaffen uns ein wenig Puffer für den weiteren Weg nach Cape Wrath. Gleiches werden wir die Tage von Ullapool nach Inchnadamph machen. So können wir die restlichen Wandertage entspannt und stressfrei genießen.
Während wir auf den Zug warten, blicken wir auf die Isle of Skye. Wolkenverhangen reizt sie uns gerade so gar nicht, soll aber bei gutem Wetter auch fantastische Ausblicke und Natur bieten. Es war nichtmal ersichtlich, dass es eine Insel ist. Das „Meer“ zwischen Festland uns Insel ist an mehreren Stellen gerade Mal so breit wie der Rhein.

Nach dem Einkaufen haben wir endlich wieder etwas zu essen und frühstücken erst einmal ausgiebig am Bahnhof. Dieser ist überdacht und das kommt uns bei dem Regen gerade recht. Trotzdem kühlen wir durch den leichten Wind immer weiter aus.

Die weitere Wartezeit vertreiben wir uns in einem netten Cafe bei Chicken Nuggets, Pommes und Kakao.
Etwas müde vom eigentlich gar nicht so anstrengenden Tag setzen wir uns um kurz nach vier in den Zug und tuckern eine regnerische, grüne Landschaft entlang. Ich döse ziemlich bald weg. Wir bemerken, dass der Zug an einem Bahnhof nur hält, wenn dort Passagiere warten. Ansonsten fährt er weiter, fast so wie ein Bus.
In Strathcarron steigen wir aus und können beobachten, wie der Royal Scotsman an uns vorüber fährt, bevor wir uns auf einen zweistündigen Roadwalk im Regen einlassen.

Der Weg führt uns zum Bothy Coire Fionnraich. Dieses ist zweistöckig mit zwei Aufenthaltsräumen inklusive Kamin und Tisch im Erdgeschoss und drei Zimmern im Obergeschoss, die als Schlaflager dienen.
An eine Wand hat jemand einen funktionslosen Lichtschalter geschraubt. Wir betätigen ihn sicher zehn Mal und müssen dabei immer schmunzeln.

Während unsere durchnässte Kleidung austropft, kochen wir uns in der kalten Hütte wieder selbst gemachte Mac’n’Cheese und verkriechen uns bald in unsere warmen Schlafsäcke. Dort schmieren wir uns Wraps zum Frühstück und Mittagessen für morgen.
Ich schlafe schnell ein.

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