Berge

(Not the) West Highland Way, Tag 7
Kings House

Der Wecker klingelt, ich drehe mich nochmal um, heute lassen wir es ein bisschen ruhiger angehen. Als ich wenig später aus dem Zelt krieche bin ich froh, dass wir gestern noch ein paar Höhenmeter weiter gegangen sind. Im Tal liegt Nebel über dem See. Es sieht Traumhaft aus.

Gestern sind wir an einer großen Gruppe Zelte vorbei gekommen die neben einer Brücke idyllisch aufgebaut waren, denen war bestimmt kalt heute Nacht. Zu unserem Tortila-mit-Nutella-Frühstück gönnen wir uns einen Tee und basteln aus unseren gefundenen Zurgurten eine Wäscheleine für die Quilts. Wir schauen der Sonne zu wie sie langsam aber sicher über den Berg gekrabbelt kommt und das Tal in honigwarmes Licht taucht.

Der erste Wanderer läuft an uns vorbei. Da fangen wir mal an, unser Gerümpel in den Rucksack zu stopfen. Später erfahren wir, dass er von Bridge of Orkey losgelaufen ist und so früh war, weil er im Gegensatz zu uns die Zeitumstellung auf dem Schirm hatte.

Heute laufen wir bis zum Kings House weiter auf der alten Straße von gestern. Ich ziehe mir ein Paar Socken mehr an, die Polsterung kann ich gut gebrauchen. Wir gehen durch ein weites Tal. Ich bin immer wieder sprachlos, es gibt richtig gebirgige Berge zu bestaunen und auch diese Weite verschlägt mir den Atem. Diese Eindrücke kann mein Kopf irgendwie gar nicht so richtig aufnehmen und verarbeiten. Es bleibt surreal.

Wir füllen unser Wasser an einer Brücke auf und gönnen uns eine zweite Ladung Sonnencreme, was für ein Wetter!
Eine halbe Stunde später kommen uns die ersten Tageswanderer entgegen. Begleitet von der charakteristischen Duftwolke. Ein junger Mann hat sogar schneeweiße Sneaker an.

Irgendwann merke ich, dass im Hang neben uns ein Sessellift in Betrieb ist. Später sehen wir, dass oben auf dem Berg Leute Ski fahren und ein kleines Skiresort mit Hotels und allem drum und dran in dem vermeintlich kleinen Nadelwäldchen versteckt ist. Wir sind beeindruckt, so wird niemand gestört und die Leute können Ski fahren.
Wir kommen in Kings House an und gönnen uns erstmal eine Cola und eine heiße Schokolade. Wir dürfen unsere Powerbanks an den Strom hängen und genießen ein paar gute Gespräche mit anderen Wanderern. Mittagspause machen wir in einem kleinen Wäldchen nebenan auf saftigem, aber trockenen Moosboden, um der Sonne ein wenig zu entfliehen.

Dann sammeln wir die Powerbanks ein und machen uns an den Aufstieg auf den Hausberg. Die ersten paar hundert Meter haben wir noch eine Schotterstraße genossen, danach geht es auf einem sehr matschigen 4×4 Weg bergauf, bis auch der in die falsche Richtung abbiegt. Den Rest müssen wir dann wohl ohne Weg querfeldein laufen. Zwei Gipfelstürmer kommen uns entgegen und meinen wir hätten den Gipfel wohl für uns.

Oben angekommen verschlägt der Blick uns den Atem, man kann Ben Nevis und ganz viele andere hohe schneebedeckte Berge sehen. Der Übergang von einer hügeligen Landschaft in schroffes Gebirge kam sehr plötzlich und unerwartet. Wir finden eine gute Stelle für die Zelte, kochen und genießen den epischen Sonnenuntergang. Ich finde die Bilder sprechen für sich.

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3 Kommentare

  1. Vielen Dank für die wunderschönen Bilder und poetischen Berichte! Ihr eröffnet ganz neue Einblicke in die schottische Bergwelt.
    Nun habe ich eine Frage: Was ist die charakteristische Duftwolke der Tageswanderer? Soll man das als fehlende Duftwolke verstehen?
    Weiterhin viel Spaß euch beiden!
    Heike

    1. Hahaha ne vor allem eine Mischung aus Shampoo, Deodorant u.Ä. ^^ Es ist wirklich beeindruckend was man anscheinend im Alltag an sich selbst nicht mehr riecht.

  2. Tolle Fotos, ich werde ganz neidisch, denn wir sitzen hier im „Covid-19-Lazarett“ fest (aber halb so wild, es geht uns relativ gut und das Wetter ist auch schön). Schöne Ostern euch und noch eine wunderschöne Zeit wünscht
    Petra

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