ANNE & THOMAS IN NEUSEELAND

Unsere Eltern Anne und Thomas hat es auch gepackt. Sie waren im Frühjahr 2020 für ca. 10 Wochen in Neuseeland auf der Südinsel unterwegs und sind auf dem Te Araroa wandern gegangen. Neuseeland ist wunderhübsch und deshalb wollten wir euch ihren Reisebericht nicht vorenthalten.
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Viel Spaß mit der Lektüre 😉

1 Vor dem Trail – 6.1.

Ihr Lieben,

eigentlich sind wir keine Rundbriefversender bzw. es ist schon eine Weile her, als Kettenbriefe die Runde machten, aber auf dieser Reise haben wir so selten Internet- oder Tastaturzugang….in zwei Monaten selber zu erzaehlen ist auch nicht die Alternative…

Unsere Reisevorbereitungen begannen tatsaechlich schon 1 1/2 Jahre vorher mit der Urlaubsanfrage bei unseren Chefs.  Wir sind sehr, sehr gluecklich, dass es geklappt hat und wir die 10 Wochen Auszeit geniessen duerfen.
Tim und Paul haben uns mit ihren Erfahrungen mit Ultralightwandern viele Entscheidungen erleichtert und viele unserer „alten“ Vorstellungen in Frage gestellt. Eine zusammenfaltbare Teekanne passte zwar nicht zu ihrer Gepaeckliste, haben wir aber durchgesetzt  – die hat auch auf dem Trail fuer einige gehobene Augenbrauen gesorgt 🙂 Wir kauften ein leichtes Zelt und testeten es auf Korsika bei Schnee und Regen, zu Glueck, denn es war nicht dicht. Mit dem Ersatz von MSR sind wir jetzt gemuetlich aufgehoben und gluecklich.
Nach gefuehlt 50 Reduktionen waren wir schliesslich bei einem Grundgewicht von jeweils 7 kg – das ist nicht nur der Rucksack selber…Grundgewicht bezieht sich auf alles ausser Essen und Trinken, was man im Rucksack traegt. Unser alter Rucksack war selber schon 2,3 kg schwer…verpackt, in Ikea-Vliesdecke gewickelt, mit Folie umwickelt – ready to go.

Die Pflanzen machen Urlaub in Thomas Firma, Silke lueftet, Eberhard holt die Post rein, Paul bewegt mein Auto. DANKE!

05.01. Los geht’s.
Esther bringt uns zum Flughafen. Danke!  3 Stunden vor Abflug da, alles entspannt. Einchecken…irgendwie klappt es von zu Hause aus nicht. Am Schalter auch nicht, denn es gibt seit 3 Monaten neue Einreisebestimmungen: Wir brauchen ein elektronisches Touristenvisum!! (Wofuer haben wir ueber ein Reisebuero gebucht???) Es wird hektisch, ein Expressvisum, 30 Minuten….45 Minuten…60 Minuten – ja, es hat geklappt, einchecken, zum Gate….im Flieger, geschafft!!! War mal wieder nicht langweilig 😉

12 Stunden und eine kurze Nacht spaeter in Hongkong: 8 1/2 Stunden Aufenthalt, moderner Flughafen, Sonne, Waerme, Licht…alles irreal. Gross genug zum Beinevertreten…ein bisschen Sitzen, Leute Kucken, Doesen, Jasmintee trinken….Highlight der Friseurbesuch: Kurze Wanderfrisur fuer den Sommer, das ging schnell. Ueberraschend zum Schluss: die Haare werden einfach zum Schluss mit einem Staubsaugerschlauch aus der Decke vom Kopf abgesaugt.

06.01. Hongkong-Auckland-Christchurch-Wellington
30 Min Verspaetung bei Abflug, 11 Stunden Flug Sonnenuntergang Sonnenaufgang Umstieg in Auckland -eigentlich mit 1 1/4Stunden, besagtes Reisebuero fand das vollkommen ausreichend auf Nachfrage. Einziges Problem: Gepaeck wird nicht durchgecheckt sondern bei Einreise kontrolliert. Wechsel von internationealem zu nationalem Gate ca. 15 Min. Fussweg. Gepaeckkontrolle ist in Neuseeland etwas speziell: Um sich vor fremden Tierarten, v.a. Insekten, und Pflanzen zu schuetzen, werden alle Wandergegenstände, die mit Erde in Kontakt gekommen sein könnten, kontrolliert: Schuhe, Zelt etc. Wir mussten unser Zelt zur Kontrolle abgeben – Rucksackverpackung aufreissen und anschließend wieder tapen. Nach 30 Minuten bekamen wir das Zelt in Einzelteilen zurück. Unser Anschlussflieger war schon lange über den Wolken. Die Kiwis sind praktisch orientiert, sie hatten uns schon einen anderen Anschluss für Sportliche herausgesucht. Wir rannten zum anderen Terminal, dort direkt zum Bording und alles kam mit in den Passagierraum, geschafft!!! Allerdings ging der Flieger nach Christchurch auf die Südinsel, nicht wie eigentlich gebucht nach Wellington. So überflogen wir die Nordinsel und die wunderschöne Südinsel, wo wir ja wandern wollten, Panorama von oben all inclusive. Umstieg in Christchurch, Gepaeck nun als Sperrgepaeck am Sonderschalter und die Powerbank im Rucksackinneren musste zum ersten Mal ausgepackt werden. Wieder waren wir durchgeschwitzt unter den letzten, die einstiegen. Wieder Alpenpanorama von oben, dieses Mal von der anderen Seite. Als wir schließlich nach knapp 40 Stunden in Wellington die Rucksäcke in den Händen hielten, waren wir glücklich, etwas durch den Wind und hatten viel erlebt.

Wellington – vor 23 Jahren waren wir hier – zu zweit – frisch verheiratet. Es kam uns paradiesisch vor: die großartige Natur, die dünne Besiedlung mit den so herzlichen, unkomplizierten Kiwis. Und jetzt dürfen wir noch einmal viel Zeit in diesem Land verbringen. Wir sind gespannt…

2 Wellington

Wellington hat uns kalt empfangen – 10 Grad und ein schneidender Wind – aber mit stahlblauem Himmel. Wir wohnten 3 Tage bei Jess in einer Wohnung mit Glasdach – darin fing sich die Sonne und es war tropisch warm – ein echtes Gewaechshaus 🙂 Die Vermieterin lebte im Stockwerk unter uns und ueberliess uns den ganzen oberen Bereich mit Kueche und 75! Pflanzen (selbst gezaehlt). Ihr Freund arbeitet in einer Peanutbutterfabrik – ein Testing der verschiedenen Produkte war im Preis enthalten. Das Viertel besteht aus alten, renovierten Fabrikgebaeuden – wir lebten auf dem Dach einer Schuhfabrik – sehr coole Gegend mit vielen Cafees und Kneipen, Downtown. Am ersten morgen nach unserer Ankunft besuchten wir eine Tourist Info und schlossen uns sofort einem 3 1/2stuendigen Stadtrundgang an. Der pensionierte Radiosprecher – fuer uns super, weil die Kiwis sonst eher alles zusammenziehen und etwas schwierig zu verstehen sind – erzaehlte uns viel ueber die Stadtgeschichte und zeigte uns die vielen Kunstwerke, die in der Stadt verteilt sind. Bis dahin hatten wir noch NICHTS entdeckt, was uns an unseren Wellington-Besuch vor 23 Jahren erinnerte – die Stadt hat sich total veraendert. Erst bei dem Rundgang entdeckten wir eine kleine Skulptur, die schon damals stand…
Wellington hat viele Erdbeben erlebt. z.T. auch diejenigen abbekommen, die eigentlich von der Suedinsel berichtet wurden (500-1.000 km entfernt !). z.B. wurde eine frisch eroeffnete sehr moderne Bilbiothek von einem auf den anderen Tag geschlossen und darf seitdem nicht betreten werden – das war vor 5 Jahren… Andere meist historische Gebaeude sind mit vielen Millionen Dollar nachtraeglich gesichert worden, indem man sie unterirdisch auf „Federn“ gestellt hat!
In der Stadt leben viele junge Laeute, viele Touristen geniessen die neue bunte Waterfront, wo vor 20 Jahren nur Container und Parkplaetze waren: eine lebendige, gruene, junge, entspannte und freundliche Stadt. Erstaunlich, wie sehr sich eine Stadt in so kurzer Zeit so positiv veraendern kann!

Einen Tag haben wir damit verbracht, unser Essen fuer den ersten 8 -Tage Abschnitt einzukaufen. Habt ihr euch schon mal gefragt, wieviel man wohl fuer 8 Tage wandern braucht, wenn man nicht mal das Gelaende kennt? Nicht so einfach…
Schliesslich hatten wir 2 Rucksacke mit je 13 kg fertig gepackt und waren bereit fuer den Queen Charlot-Track, dem ersten Abschnitt des Te Araroa hier auf der Suedinsel.

3 Los geht’s!

Guten morgen ihr Lieben,
Gerade sitzen wir in Hanmer Springs und trinken einen kühlen Kaffee, es ist richtig warm – Sommer. Eben sind wir per Anhalter von Boyle River circa 45 km mit einem 63 jährige Ökologen getrampt, der erst sein ganzes Auto umräumen musste, damit wir mitfahren konnten. Die Menschen hier sind oft unglaublich hilfsbereit. Sonntag morgen auf dem leeren Highway, 4 Autos sind vorbei gefahren innerhalb von 10 Minuten, der fünfte hat angehalten. Trail Magic!
Aber zurück nach Wellington: Bus – Fähre – Postschiff – Trackstart. Morgens gehen wir mit gut gepackten Rucksäcken beschwingt an der Waterfront entlang zum Bus. Der bringt uns zum Fähranleger. – Es gibt zwei Unternehmen, die zur Südinsel fahren. Wir hatten am Tag vorher Karten gekauft, die eine Fähre war bereits ausgebucht, selbst für Fußgänger. –
Bei der Gepäckausgabe dann eine Frau mit Wanderrucksack vor uns, um die 60. Der Rucksack sah schon sehr benutzt aus. Es war Karen, unsere erste TA Hikerin. Wie war bereits über 1600 Kilometer zu Fuß von der Nord Spitze Neuseeland unterwegs gewesen und hatte in Wellington drei Tage Pause gemacht, um zu resupplyen – das heißt: Wäsche waschen und Essen kaufen und in Paketen verschicken. Sie nahm uns die nächsten Tage unter ihre Fittiche.

Wir hatten Glück: Die Überfahrt durch die oft unruhige Cookstreet zur Süd Insel dauert etwa dreieinhalb Stunden, wir hatten ruhige See und konnten die Blicke auf die Fjorde genießen. In Picton ging es gleich weiter. Wir kauften ein Permit für den Queen-Charlotte-Track und bestiegen das nächste Schiff, eine Mischung aus Post Schiff und Touristen Dampfer. Nach weiteren 3 Stunden vorbei an ca. 10 Häusern mit Steg und Briefkasten, Lachsfarmen, einer Schafsfarm kamen wir in Ship Cove an, der Stelle, wo auch Captain Cook ca 1770 die Südinsel betreten hat….auch unser Start. 15 Leute steigen mit Rucksack von Bord, die meisten begleiten uns die nächste Woche. Ein Steg, eine Schautafel, eine Toilette, ein Denkmal und die ersten orangenen Pfeile.

Los geht’s!

Nach 23 Jahren hat uns der Regenwald mit seinen grünen tropisch anmutenden Baumfarnen wieder, es ist wie im Botanischen Garten in riesig. Überall zwitschern erstaunliche Vögel. Der Weg ist relativ breit, gut zu laufen. Dieser Teil der Insel wird versucht mit großem Aufwand ursprünglicher zu erhalten, die wildernden Säugetiere werden bekämpft, eingeschleppte Kiefern vergiftet. Es ist Sommer. Nach zwei Stunden kommen wir am Campground an, einer kleinen Bucht mit Strand, Toilette und Wasserhahn. Total idyllisch. Alle trudeln langsam ein und bauen ihre Zelte auf. Auf dem Boot war uns gesagt worden, dass es Wekas gibt und wir deshalb alles mit ins Zelt nehmen sollten, selbst Schuhe seien nicht sicher. Wekas sind hühnergrosse Laufvogel, die sehr neugierig sind und alles interessant finden. Ich hatte es für einen Witz gehalten, aber tatsächlich packen auch die erfahrenen anderen alles ins Zelt. Gut dass unsere Schuhe noch neu waren. – Die
nächsten Tage änderten wir unsere Strategie: wir banden alles zusammen an die Rucksäcke. Dann passten wir auch noch ins Zelt.

Ein typischer Abend begann: Zeltaufbau. Wir wählen unser Abendmenü, filtern Wasser, reden ein bisschen mit den anderen und stellen jedesmal fest, wie besonders die Gemeinschaft ist. Und dann gibt es noch eine Kleinigkeit, die unsere Pausen die nächsten Wochen wesentlich bestimmen werden: kleine harmlos anmutende Fliegen, die sich langsam ruhig setzen und den Fortbestand mit Hilfe einer kleinen Blutspende unsererseits sichern. Sie hinterlassen uns als Gastgeschenk kleine langanhaltend juckende Erhebungen. Wo man sie findet? Überall. Wo es weniger von ihnen gibt? In der Stadt, bei Wind und vor Sandfly-clock, je nach Gegend und Temperatur zwischen 6 und 7 Uhr morgens. Was hilft? Being a Kiwi – sie scheinen immun -, Eucalyptusblätter – half bei uns nicht -, Marmite – ein teerartiger Brotaufstrich -für mich nicht essbar, DEET das Präparat hat leider das Plastik der Jacke etwas angelöst, hat aber geholfen! – B-Vitamime -nicht zu bekommen, Sandfly-Look mit Regenhose in die Gaiters gesteckt, langärmliges Shirt, Hut, Moskitonetz…. schön warm.

Was ist noch typisch?

Um 8 Uhr sind alle in den Schlafsäcken. Wir finden es ziemlich komisch. Ab dem zweiten Tag ist für uns der Rhythmus auch natürlich: nach langer sportlicher Verausgabung sind wir abends platt. Die Tage beginnen früh: wir laufen zwischen 7.15 und7.30 los.
Der Queen-Charlotte-Track lässt sich die nächsten 3 Tage gut laufen. Es geht über diverse Hügel, diese allerdings in der Kiwi typischen Art immer direkt hoch und wieder hinunter.( Serpentinen kennt man hier nur für Mountainbiker.) Viel wunderschöner Wald mit Lianen, Flechten, Moosen und viel viel Farn. Die tollen vielfältigen Vogelklänge. Kleine Buchten. Und zweimal sogar ein kleines Café mit entsprechendem Luxus.

Vier Tage wandern wir diesen Weg zusammen mit Karen, mit Anouk aus NL und ihren Eltern, die sie ein Stück begleiten, mit Sarah und Lisa aus Ch, mit Mikel aus Tschechien, Robyn und Martin aus NZ, Melina und Seppi aus Bayern, Elli, Nora… es ist wie eine große Familie, erstaunlich und sehr sehr schön. Ich hatte Bedenken gehabt, dass Wandern zu zweit über Wochen doch sehr einsam sein könnte, eindeutig überflüssige Überlegungen. Abends hat man immer jemanden wieder. Etwa die Hälfte davon ist schon die Nordinsel gelaufen. Man sieht sich zwei oder drei Tage, dann fliegen sie schneller weiter….1600km Training.

Den letzten Tag laufen wir über Feldweg, kleine Strasse und Wanderweg ca 20 km. Die einzige Stelle zwischendurch ist eine Tankstelle mit EIS!!! und Teflonband, um den Gaskocher abzudichten – mit Blasenpflaster ging es nicht so gut. Javelock – normaler Zeltplatz mit warmen Duschen!!! Wascaschine, einem Lebensmittelladen, wo wir inzwischen schon geübt, unser Menü für die nächsten 8 Tage in 45 Minuten zusammenstellen, ein leckeres Restaurant. An die für die Gegend typischen Muscheln trauen wir uns allerdings nicht, denn Durchfall ist beim Campen echt besch….

Auch den nächsten Tag geht es durch die Zivilisation: zuerst ein paar kmauf einem Highway – eher einer ruhigen deutschen Landstrasse mit Seitenstreifen vergleichbar – dann über buckelige Kuhweide ein paar km, wo sie die Wassersprenger, die wir zum Füllen unserer Trinkflaschen nutzen wollten, Als Güllesprenger erwiesen, und durch einen Wald zur Pylorusbridge – einem Drehort aus dem Herrn der Ringe und für uns ein wunderschöner Zeltplatz….

Wir sind angekommen auf dem Track, in der Gemeinschaft, im Gehen….

4 Zero

An der Pelorus Bridge ließen wir unser Zelt zwei Nächte stehen. Wir machten einen Zero day – so heißt das bei Hikern, wenn sie einen Tag nicht vorwärts kommen. Die nächsten 20 Tage führt der Wanderweg an keinem Laden vorbei. Deshalb packen alle Wanderer Pakete, die sie an drei verschiedene Stationen versenden. Zwei davon sind kleine Hotels, das andere ist ein Natur-Jugendbildungszentrum aus den Siebzigern. An ihnen führt der Weg vorbei. So brauchen wir immer nur maximal Vorrat für sieben Tage zu tragen. Das ist schon eine ganze Menge Gewicht.

Um zum nächsten Supermarkt zu kommen, fuhren wir 50km per Anhalter nach Nelson. Wir hatten Glück, schon nach zehn Minuten hielt eine nette Neuseeländerin, die uns Einblick in das Gesundheitssystem gab. Sie war Rettungssanitäterin. Und auch eine Café Empfehlung für Nelson hatte sie parat. Nelson ist eine bunte fröhliche Stadt. Im Café ließen wir es uns gut gehen und frühstückten ausgiebig: ganz normaler Urlaub. Nebenher checkten wir WhatsApp und E-Mail – endlich Empfang. Dann bummelten wir die bunte Hauptstraße hoch und suchten ein neues Kopfkissen für mich, weil mein altes undicht war. Auch eine Ersatzkartusche fanden wir schnell. Nur ein Supermarkt lies auf sich warten, an der Hauptstraße gab es keinen. Schließlich sprachen wir einen Jugendlichen an, wie sich herausstellte ein Deutscher, der auf das Ende der Straße deutete, nicht sehr weit weg. Für uns hatte es nur nicht wie ein Supermarkt ausgesehen. Nach einer guten Stunde kamen wir mit Lebensmitteln für 18 Tage – das heißt ein gut gefüllter Einkaufswagen – wieder heraus. Die nächste halbe Stunde gehörte ein Bushaltestellenhäuschen uns. Wir mussten alles auf drei Portionen verteilen, um es zu verschicken, dann die gefüllten Tüten zur Post bringen und dort verpacken, Tetris ist als Vorbereitung dringend zu empfehlen. Und Bodybuilding für die Arme. Ein Paket für 7 Tage wiegt 13 kg. (Macht zusammen ca. 30 kg Essen zu Fuss transportiert.)

Nachdem wir das alles geschafft hatten, haben wir uns ein frisches Essen gegönnt – Pizza und Salat, bevor wir wieder müde zurück getrampt sind – ein anstrengender voller Tag ….und dabei hört es sich gar nicht so viel am: 3 Päckchen verschickt…

5 Richmond Range

Der folgende Abschnitt umfasst den Pelorus-River-Track und den Richmond-Alpine-Track, Insgesamt gibt es etwa 14 Hütten am Weg, die man zu 7 bis 8 Etappen zusammenfassen kann. wir hatten vorher gehört, dass es wohl der schwierigste Teil des Tracks sein soll.

Am Beginn standen einige Stunden Forstweg, der dann glücklicherweise in einen schönen Dreck überging und uns kurz darauf mit einem Bad im Emerald Pool belohnte. Der Pelorus River hat uns sehr an Korsika erinnert mit seinen vielen Gumpen und dem schönen blauen Wasser.

Das heiß ersehnte Bad war so eine Sache: das Baden selber ging noch recht gut, Abtrocknen war ein einziger Wettkampf mit den Sandflies und als wir dachten, wir hätten DIE Methode gefunden, indem wir mit den Beinen bis zu den Shorts im Wasser standen und so entspannt essend nur am Kopf gegen die Sandflies kämpfen mussten, waren die Sandflies gewiefter: Eine der Fliegen hatte den Weg in Thomas‘ Hemd gefunden und 5 bis 6 Stiche am Bauch hinterlassen (von denen hat man eine Woche etwas). Während wir total gestresst herumfuchtelten, waren zwei neuseeländische Familien sehr entspannt am Baden im Fluss: Neuseeländer  sind grundsätzlich immun gegen Sandflies. Wieso das so ist, haben wir bisher noch nicht herausgefunden.

Zwei Übernachtungen später auf der Rocks Hut haben wir dann mal alle unsere Essensvorräte auf einen Tisch ausgebreitet und eine Überraschung erlebt: die Anzahl der Abendessen passte nicht zu der Anzahl der Etappen. Wenn wir in der Geschwindigkeit weiter wandern, hätten wir bald nichts mehr zu essen. Auch eine der zwei Powerbanks war schon leer. Die Energie daraus ging zum großen Teil in die Te Araroa App, mit der man den Streckenverlauf fast auf den Meter genau ansehen kann. Sehr verführerisch, wenn der Tag lang wird und die nächste Hütte sich Zeit lässt. Außerdem kann man mit einem Handy sehr gut fotografieren und Hörbücher hören. Die Handynutzung wurde ab jetzt also drastisch eingeschränkt und wir haben einige Hütten übersprungen, sodass wir auf 8 Wandertage kommen konnten.

Am nächsten Tag wurde der Weg etwas rustikaler. Er bestand aus 8 Flussquerungen, von denen Anne die erste mit vollem Körpereinsatz ausführte, was, wie sich später herausstellte, super für den darauffolgenden dreistündigen Aufstieg war. An dem Tag lernten wir auch zum ersten Mal die Art kennen, wie in Neuseeland Berge bestiegen werden: Serpentinen sind nur was für Mountainbiker. Hiker gehen immer den direkten Weg, egal wie steil das Gelände ist. Auf der Starveall Hütte trafen wir zum ersten Mal Allison, eine junge Amerikanerin, die anschliessend nach Palo Alto gehen möchte, um in Stanford Jura zu studieren. Sie zeichnete sich vor allem dadurch aus, dass sie sich nach diesem anstrengenden Anstieg erstmal sorgfältig die Beine wusch und eincremte, danach eine Runde Yoga ausführte und einen Becher Gemüse aß. Sie bereitete einen Wrap mit Nutella für die erste Pause am nächsten Tag vor und faltete ihn als Crêpe, verpackte ihn sorgfältig in der Deckeltasche und ging Schlafen. Das hatte nicht nur uns sondern auch eine kleine Maus gefreut, die sich freute, dass zwar alles Essen hochgehängt war, aber besagter Crepe mit Rucksack auf der Erde stand und sie nach fleissigem Durchnagen der Deckeltasche ihr Nachtmahl verzehrte und Allison ein Andenken im Rucksack hinterliess. (Mäuse gibt es auf fast allen Hütten)

Nach einem weiteren langen Wandertag stand der erste echte Bergtag an mit 1.300m Aufstieg und etwa gleich weit wieder hinunter. Der Blick von oben war gigantisch.

Bergauf geht es eigentlich ganz gut, aber beim Bergablaufen merken wir, dass unsere Knie schon etwas älter sind. Trotzdem waren wir an diesem Tag die ersten, die in der Hütte eintrafen und deshalb auch im nahegelegenen See baden konnten. Der stellte sich allerdings als ein sehr flaches, sumpfiges Gewässer heraus.

Der nächste Tag zeigte uns, dass wir lieber doch nicht so stolz sein sollten – er war nämlich ziemlich anstrengend, obwohl er nur eine halbe Etappe umfasste. (5h) Es ging in praller Sonne bei 30 Grad im Schatten zu Mount Ellis, in einem Wechsel aus afrikanischer Savanne, Mondlandschaft und australisch-roter Wüste. Auf dem Abstieg lagen grüne und blaue Steine. Das Bad im Fluss kurz vor der Ankunft in der Hütte war großartig. (Hunters Hut) Wir hatten Glück, ein einigermaßen ebenes Stück zum Zelten zu finden. Später Eintreffende hatten eine buckelige Nacht. Unter ihnen war auch Karen, unsere Freundin vom ersten Tag ein.

Die Hütten hier sind grundsätzlich nicht bewirtschaftet, es gibt meist 6 Schlafplätze, in manchen Abschnitten auch bis zu 20 Matratzen. Manchmal gibt es eine Wiese, höher in den Bergen ist es schwieriger, gerodete und ebene Flächen zum Zelten zu finden. Grundsätzlich wäre es auch erlaubt, zwischendurch zu zelten, aber es gibt meist keine ebenen Plätze.

Am folgenden Tag starteten wir früh und hatten beim Aufstieg Schatten!  Es lief wie geschmiert. Nicht so der Nachmittag, der zog sich in der Hitze mit seinen vielen kleinen Auf- und Abstiegen wie Kaugummi. Hinterher erfuhren wir, dass Karen an diesem Tag noch mit dem Hubschrauber abgeholt worden ist. Sie hatte die Mischung aus Herzrhythmusstörungen, 6 Wespenstichen und der Hitze nicht vertragen.

Es gibt ein Notfallgerät (Beacon), das überall funktioniert. Wenn man den Knopf drückt, wird man per Hubschrauber abgeholt. Es gibt keine Möglichkeit vorheriger Kontaktaufnahme. Die Rettungsaktion bekamen wir am Rande mit und beunruhigte alle sehr.

Der nächste Tag führte uns über ebeneres Terrain und wir sind lange gelaufen. Abends übernachteten wir bei einer traumhaft gelegenen 6er Hütte, an der bereits ca. 25 Leute waren, völlig extrem, sonst waren es immer nur eine Hand voll, als eine Neuseeländische Familie mit drei kleinen Kindern den Berg hochkam. Sie haben dann ohne Zelt auf der Veranda übernachtet. Kein Problem. Kiwis eben.
Und dann ging es wieder zurück in die Zivilisation zu Dusche und frischem Bettzeug, Waschmaschine und Restaurant, wo wir mit einem großen Haufen Hikern abends sehr lustig und entspannt zusammen saßen.

Geschafft!

6 St. Arnaud

Nach so einer Woche draussen tut ein Tag Pause richtig gut. Und abends fragen wir uns, wo die Zeit geblieben ist. Wir übernachteten also zweimal in der Lodge. An dem Tag waren wir vor allem damit beschäftigt, unser Essen für die nächsten Tage richtig einzuschätzen. St. Arnaud ist ein kleiner Ort mit einer Tankstelle, einem DOC- Informationszentrum, zwei Cafés, einem kleinen Zeltplatz und der Lodge mit Restaurant. Es liegt an einem großen See, wo wir Aale sahen. An dem freien Tag sind wir zum DOC gegangen: der Weg ist passierbar – gut. Ich war schwimmen im See. Wunderbar!!! Sehr angenehm. Sauberes Wasser in Schwimmtemperatur, willkommene Erfrischung. Es war brütend heiss, knapp 40 Grad. Und dann haben wir einer Mithikerin, die einen Tag später kam, grosszügig unsere Dusche und ein Handtuch zur Verfügung gestellt….so schnell wird man geliebt. Ein bisschen unterhalten, schreiben, Strecken checken. Abends gab es wieder eine grosse Hikertafel, wir waren ca. 12 Leute, es ist entspannt und es wird erstaunlicherweise an diesen Abenden nicht über die Strecke oder die Ausrüstung oder das Wetter geredet, man hat mehr Zeit und es kommen andere Themen auf, andere Hiker, Lebenswege, Entscheidungen… wie eine große freundliche Familie.

7 Von St. Arnaud nach Boyle River Village

Wenn wir wieder einen neuen Abschnitt starten, schätzen wir ab, wie lange wir wohl bis zur nächsten Kreuzung der Zivilisation unterwegs sein werden. Dabei hilft uns die TeAraroa TrailApp.
Sie hat eine wunderbar genaue Karte mit Höhenlinien und der Möglichkeit, sich selber mit Hilfe der Standortinfo hineinzubeamen. Gerade an Stellen, wo wir über oder um umgestürzte Bäume herumlaufen – manchmal mehrere in steilem Gelände -, ist die App super, um den Weg wiederzufinden. Denn der Weg ist klein und schmal. Und die App ist gut, wenn wir müde werden und denken: die Hütte muss doch schon längst da sein, haben wir sie verpasst?
Es gibt Tage, an denen wir gegen Ende nicht daraufgucken und welche, wo unser Punkt einfach nicht weiterläuft und die Standortaktualisierung scheinbar nicht stattfindet.
Und diese App beinhaltet auch Trailnotes mit Angaben der Wegzeiten zwischen den Hütten, unsere Planungsgrundlage. Meistens können wir eine Hütte überspringen. 

Dann gibt es noch die Umfrage bei den wenigen Entgegenkommenden – ich habe den Eindruck, es laufen max. 10% den Weg andersherum. Wir rechnen noch einen Tag Sicherheitszuschlag dazu, mit genug Essen läuft es ich entspannter. 

Essen für 7 Tage. Alles einpacken, los geht es. Und der Rucksack ist wieder schwer. Der Salat von gestern Abend war super lecker, aber eine Nudelparty wäre für die Strecke vielleicht doch besser gewesen. Zunächst geht es drei Stunden am See flach entlang. Wir machen immer wieder Pause, es gibt idyllische Plätzchen, irgendwie müssen wir erst wieder in Schwung kommen. Hier soll es Kiwis geben. Die schlafen wohl alle, Wir(!) baden. Es geht durch einen schönen „beeches“-Wald, es sind Buchen, die aber eher den Gesamteindruck von Birken machen in ihrer Zartheit und ihrem hellen Stamm. 3 Stunden ein schöner breiter Waldweg. Fast wie zu Hause. Endlich sind wir am Seeende und der Weg wird wieder schmaler durch das breite Tal des Flusses mit Gras und einzelnen Baumgruppen und irgendwann geht es in ein Seitental und bergauf. Dort haben wir die John-Tate-Hut zu viert.
Sie ist mit 27 Schlafplätzen groß.In der letzten Woche waren die Hütten mit durchschnittlich 6 Schlafplätzen klein, weil der Weg wie die meisten Abschnitte des TA, kaum begangen ist. Hier sind wir auf einem Weg, der auch als Rundweg (Sabine Circuit) von vielen genutzt wird, deshalb die vielen Schlafplätze. Wasser gibt es im Fluss, der Tank ist leer. Wir haben viel Platz und einen gemütlichen Abend. 

Der nächste Tag ist lang: es geht über einen hohen Sattel, vor dem wir gewarnt wurden, der sich als harmlos entpuppt, mit einem langen Abstieg. Ich merke meine Knie – wir sind eben doch doppelt so alt, wie die meisten hier – und wir stellen ausnahmsweise unser Zelt am Weg auf. Gar nicht einfach, einen ebenen Platz ohne Baumwurzeln zu finden. Am nächsten Morgen sind wir nach einer Stunde Weg um 7.30 Uhr bei der nächsten Hütte zum Frühstück. Es regnet. Unsere lang überlegte Regenbekleidung kommt zum Einsatz: Regenrock aus Tyvek, selbst geschneidert: fällt durch. Er ist durchlässig. Poncho, der über Kopf und Rucksack geht, aber vorne offen ist: super, es kann alles abdampfen. Dünne Regenjacke für darunter: brauchen wir die meiste Zeit nicht, weil es nicht so stark regnet. Es geht am Fluss entlang. 

Es sind mal wieder neuseeländische Verhältnisse: nicht nur die Erdbeben erschüttern das Land, auch die starken Regenfälle – die stärksten auf der ganzen Welt, 8000mm im Jahr, München hat 800mm – sorgen für Unterspülungen von Straßen oder eben auch für Veränderungen des Flussbettes. Es liegen viele Bäume im Fluss, ein riesiger Fels liegt ein ganzes Stück weiter im Wald, offensichtlich noch nicht lange, denn die Spur ist deutlich. Nach weiteren drei Stunden am Fluss entlang laufen wir mittags bei Blue Lake Hut ein, die 16 Schlafplätze dort reichen nicht, ein paar schlafen auf dem Boden. Ein gemütlicher Nachmittag in einer dämpfigen Hütte.
Dort treffen wir auch Mary Poppins, einen Schweitzer. Er kommt abends und hat unsere 2 1/2 Tage auf einmal gemacht. Unglaublich!! Er läuft sozusagen ohne Gepäck, ohne Kocher, mit wenig Essen. Er ist direkt vorher den PCT gelaufen und beanstandet, dass der PCT viel flacher ist und breitere Wege hat. Am nächsten Morgen ist der Regen vorbei und wir sehen den Blue Lake, ein glasklarer, ruhiger blaugrüner See. Er soll der sauberste See der Welt sein, ein Maori-Heiligtum. Ich bin angerührt. Wunderschön!
Ein weiteres Highlight ist der Pass mit gigantischer Aussicht, ein langer See, dann ein zäher Abstieg. Wir bleiben am Bivy, einer Notfall-2-Mann-Hütte, allerdings im Zelt. Mit vielen, vielen Sandflies. Und einem sehr schönen Bach.

Die beiden letzten Tage sind fast eben: Am Tag 5 hatten wir bestimmt 20 Bach bzw. Flussquerungen, bei warmem Wetter kein Problem. Nur wenn die erste morgens nach 5 Minuten laufen um 7.30Uhr ist, frag ich mich, ob ich die nassen Füße mag. Immerhin wird die Haut wunderbar zart. Es wird unser längster Tag mit 32 km zur Anne-Hut, unserer schönsten Hütte.
Ja, ihr ahnt es: es gibt an diesem Tag keinen Pass. Wir laufen das eine Flussbett hinaus und ein anderes wieder hoch. Alles sehr flach, alles entspannte Wege, fast keine Baumwurzeln und umgestürzte Bäume, viele Gänse und die wandernden Flussbetten. Und dann kommt der Wind, wir lehnen uns dagegen, und laufen bei tiefer Sonne bei der Hütte ein.
Sie liegt mitten auf einer riesigen Wiese mit hohem wogenden Gras, sonnenbeschienen. Große Holzterasse. Drinnen sind Alison und Melina noch nicht ausgelastet und machen eine Stunde Yoga und 50 langsame Situps mit munterer Unterhaltung. Wir sind eben doch doppelt so alt und keine Fitnesstrainer…

Wir hören, dass wegen des Sturmes an diesem Tag der Sattel vom Vortag schlecht passierbar war – Glück gehabt. Am 6. Tag geht es entlang dem Anne Creek über den Anne Saddle ins nächste Tal. Nach 30 km laufen wir in Boyle Village ein. Wir haben die Unterkunft vorbestellt. Das „Village“ besteht tatsächlich nur aus dem Jugendbildungsheim aus den 70ern, wo wir eine Pizza und ein Getränk mitgebucht hatten: wir suchen aus den drei Sorten Tiefkühlpizza aus, das hatte ich mir tatsächlich etwas anders vorgestellt. Und wir nehmen unser nächstes Paket in Empfang, das wir von Nelson aus geschickt hatten.

8 Hanmer Sorings oder der Tag nach dem Brexit

Der Wetterbericht für die nächsten Tage sagt viel Regen voraus, d.h. unsichere Verhältnisse für die Wanderung. Es wird davon abgeraten.
Wir ändern unsere Pläne…
und stellen uns in Boyle River Village an die Straße, um zu hitchen.

Sonntagmorgen 8.30 Uhr. Auf der Zufahrt kommen uns 4 dicke SUVs entgegen, „geführte Wanderung“ durchs Gelände. Straße mit Abzweig. Kein Empfang. In welche Richtung wollen wir eigentlich? Die Klärung ist mit der TeAraroa App und etwas Nachdenken möglich. Minute 20 – Laster 1. Minute 25 – Laster 2. Uns dämmert langsam, dass diese Kreuzung durchaus ruhig ist. Es ist Sonntagmorgen zwischen nowhere und nothing. Wir tippen auf 90 Minuten. Minute 30 – ein alter vollgepackter verbeulter silberner Kleinwagen fährt vorbei, setzt dann zurück zu uns. Don, gut 60, steigt aus. Er hinkt ums Auto. Er will nur kurz umpacken: Alles ist voll, der Beifahrersitz, die Rückbank, der Kofferraum. Nach 10 Min. sitzen wir eingequetscht auf dem Weg nach Hanmer Springs in Dons Auto. Er findet es gut, dass wir trampen, schont die Umwelt, deshalb kann er uns ja nicht stehenlassen. So sind sie, die Kiwis: total hilfsbereit und nett. Er versucht sich, nach einem Schlaganfall, eine neue Existenz aufzubauen im Umweltschutz, Upcycling von Holzkohlegranulat mit tollen Eigenschaften zur Bodenverbesserung.
Nach 45 Min. wissen wir mehr zu dem Thema und den Veränderungen an der Strecke in den letzten 20 Jahren.

Die letzten 10 Min. sind wir mit zwei Frauen und einem Grundschulkind unterwegs. Eine der Frauen arbeitet in der Molkerei und so bekommen wir Infos zu den vielen Kühen: Neuseeland war vor 25 Jahren eindeutig ein Schafland. Überall gab es sie. Das Fleisch wurde vermarktet, die Wolle verarbeitet. Dann rutschte der neuseeländische Dollar ab, weil die EU die Grenzen dicht machte für das Lammsteak. Heute gibt es sehr viele Kühe. Die Milch wird vor allem nach Asien exportiert als Milchpulver, meist laktosefrei. Schwierigkeiten gibt es – wie auch hierzulande – mit der Überdüngung der Flächen.

Hanmer Springs – 840 Einwohner, Tendenz steigend, Thermalbad, Wandergebiet, kleines Skigebiet. In das Thermalbad wollen wir und einen Tag Pause machen. Nach 10 Min. klopfen uns Nadja und Dominik auf die Schulter. Der Trail ist überall. Sie haben ein paar Tage Pause gemacht, die Knie wollten nicht mehr weiter. Und sie wollen am nächsten Tag nach Christchurch, um die notwendigen Impfungen machen zu lassen und die Papiere für die Einwanderung auszufüllen. Sie sind Briten. Am Tag zuvor ist das Brexit-Referendum abgelaufen. Und sie machen Nägel mit Köpfen, bevor „noch andere darauf kommen und die Neuseeländer ihre Einwanderungsbestimmungen ändern“. Sie ist Lehrerin, er Buchhalter; sie haben gute Chancen. Und das ist so typisch für den Te Araroa: in Deutschland kenne ich keinen, der seine Lebensausrichtung in den letzten 10 Jahren völlig verändert hat. Dort gibt es so viele, die am Überlegen sind, wo sie hinmöchten.

Es ist sehr warm. Wir schlendern die Einkaufstraße entlang, schreiben bei kühlen Getränken im Bistro am Blog, kaufen einen Badeanzug und Badehose. Am nächsten Tag haben die Neuseeländer wieder Schule und der Ort wirkt wie ausgestorben. Wir gehen später ins Thermalbad, rutschen alle Rutschen und hängen dann in den warmen Pools bei netter Beleuchtung ab. Die Haut wird richtig weich dadurch. Tiefengesäubert. Es ist nett.

CHRISTCHURCH

Dienstagmorgen holt uns ein alter Kleinbus ab und bringt uns zusammen mit 12 anderen für fast kein Geld nach Christchurch, der größten Stadt der Südinsel.

Und wir erkennen es sofort wieder, weil wir an den Gebäuden der alten Uni aussteigen. Die sehen noch so aus wie damals. Wir essen Scones und trinken Tee. Wir laufen in die Stadt. Hier ist alles anders. Eigentlich fühlten sich die Menschen aus Christchurch sicher bis zum September 2010, als die Erde das erste Mal bebte. Es entstanden keine großen Schäden, aber die Unsicherheit war da. Bis dahin war nicht bekannt, dass auch unter dieser Stadt eine Spalte verläuft.
Und dann kam das „Nachbeben“ im Februar 2011: alles wackelte, vieles stürzte ein, Kamine, Häuser, Straßen. 185 Menschen starben, 10.000 Häuser wurden abrissreif, 100.000 mussten saniert werden. 70.000 von den 350.000 Einwohnern verließen innerhalb der nächsten Woche die Stadt. In der Zeit zwischen den beiden großen Beben gab es viele 1000 Nachbeben, die jedesmal verunsicherten. Die Einwohner nahmen es  mit Galgenhumor und übten sich im Raten der Stärke. Auch 2016 gab es wieder ein Beben, dieses Mal 13 km weg und etwas schwächer zum Glück. Auf einer Brachfläche sind 185 weiße Stühle zum Gedenken an die Toten aufgestellt.

Was sieht man davon in dieser Stadt? Große freie Flächen, gestützte umsturzgefährdete Häuser, neue Häuser mit alten Fassaden, neue sehr kleine Reihenhäuser, in der Regel zweistöckig aus Holz und ohne Kamin, denn gerade die gemauerten Kamine waren gefährlich. Und es bleiben viele Bauruinen, die mit Streetart verschönert werden. Eine kaputte Kathedrale und eine „transitional cathedral“ aus Pappe. Der Fluss Avon, der sich durch die Stadt windet, bleibt gleich. Christchurch wirkt wie eine Stadt im Wandel, irgendwie sehr ruhig durch die weiten Flächen und die niedrige Bauhöhe und ein wenig verschlafen.
Wir besuchen das Quake-Museum: Es ist bedrückend – und beeindruckend, wie die Menschen zusammengehalten haben. Genug Programm für einen ganzen Tag.
Wir laufen durch die Stadt und haben Zeit. Es ist schön, Menschen anzusehen, Winkel zu entdecken. Wir fahren mit geliehenen Rädern an den Pazifik, sehen Straßentheater  und backen selber Scones. Im Museum für Contemporary Art – einem sehr schönen Bau, der den Beben standgehalten hat – gibt es sehr unterschiedliche Exponate und eine nette Führung. Die Bücherei hat interessante Zeitschriften über alles, ein Café und eine tolle Dachterrasse. Sie wirkt mit ihrem vielen Platz sehr freundlich, hat eine Etage für Spiele.
Café C1: Pommes werden per Rohrpost an den Tisch geliefert, ein bewegliches Bücherregal ist die Tür zur Toilette, aus der Nähmaschine kommt das Wasser, das es in allen Restaurants und Cafés kostenlos gibt, gigantische Muffins, der Duft nach dem nebenan röstenden Kaffee. Sehr hip.

Es ist merkwürdig, nichts Bleibendes einkaufen zu können, denn jedes Gramm will getragen werden. Wir verbringen viel Zeit damit, ein passendes Wandershirt im Austausch gegen das aus Wolle auszusuchen. Das gibt es nur mit langen Armen. Der arme Verkäufer weigert sich, als ich ihn bitte, mir eine Schere zu geben, um die Ärmel wegen der Wärme zu kürzen. Und tatsächlich erweisen sie sich als gut gegen die Sonne und wenig wärmend.
Und wir flitzen mit Cityrollern durch die Stadt und den großen Park mit großen alten Bäumen. Das macht Spaß.
Und wir treffen Karen und Anouk vom TA nach einer Stunde in der Stadt. Thomas hatte eine Sitzunterlage eingepackt, die Karen in der Hütte vergessen hatte. Morgens wollte er sie wegwerfen, hatte sie aber noch im Rucksack. Trailmagic.

Nach drei Tagen fahren wir mit dem Intercity – so heißen hier die Überlandbusse – nach Geraldine. Im Bus treffen wir zwei Wanderer aus den ersten Tagen wieder. Sie erzählen, dass sie tatsächlich weitergelaufen sind, um dann 3 Tage in einer Hütte mit 6 Schlafbänken fest zu sitzen. Der Fluss war zu sehr gestiegen. Das Essen wurde knapp und sie waren dort mit 13 Leuten!! Am Schluss gründeten sie eine Facebookgruppe. Eine Erfahrung fürs Leben.

Derselbe Tornado hat die Straße nach Milford Sound – der bekannteste Fjord Neuseelands, ein echter Touristenmagnet – für den Rest des Jahres unbefahrbar gemacht. Rund 200 Menschen wurden mit Hubschraubern ausgeflogen.

9 Wasser – 10.2.

Heute sind wir erst 1 1/2 h gefahren, 1h davon Schotterpiste. Trailanfang „two thumbs“.

Erster Abschnitt 9km in 4h – Das passt schon nicht so ganz zusammen, an den 200 Höhenmetern kann es aber nicht liegen. Was dann?
Nach 6 Stunden wussten wir es. Die vier Stunden waren für uns zu kurz bemessen. Es war ein Creek, ein breites steiniges Flussbett. Wir kreuzten oft. Manchmal war es einfach. Mehrfach hakten wir uns unter, weil die Strömung so stark war. Es ging zwar nur bis gut Kniehöhe, aber Wasser ist erstaunlich kräftig.
Zwischendurch die Steine des Flussbetts. Mühsam.

Schließlich war die rettende Hütte in Sicht. Juchu. Doch je näher wir kamen, desto unsicherer wurde ich, ob wir wirklich da schlafen wollten. Von innen war es noch interessanter. Es ist windig. Heute Nacht werden wir wohl die Ohropax gegen das Sausen brauchen.
3 Stunden später: Inzwischen haben wir feudal in der Abendsonne gespeißt und ich bin wieder mit der Welt versöhnt. So schnell kann es gehen, ein bisschen in der Sonne dösen, ein besonders schöner Essplatz und Couscous mit Erbsen, Thunfisch und Zitrone. Lecker.

Wasser
Wasser brauchen wir immer zum Trinken und zum Kochen. Wir bekommen es aus den Bächen oder den Regentanks der Hütten. Wir filtern es. Es schmeckt meist köstlich frisch. Manchmal ist es schwer einzuschätzen, wieviel wir brauchen werden. Es will gut überlegt sein. Es ist der schwerste Teil der Ausrüstung. Unsere TrailApp hat eine Anzeige, wo wir auffüllen können. Meistens stimmt es.

Wir brauchen es zum Waschen….dafür gibt es den Bach.

Vor allem ich brauche es zum Kühlen – es ist hier manchmal kühl hier, aber viel häufiger richtig heiß. Dann machen wir T-Shirt, Kappen, Handtücher, Schuhe nass zum Ausgleich.

Wasser von oben, das kann ein leichter Nieselregen oder ein normler Dauerregen oder, wie die letzten Tage im Süden, stundenlager Wolkenbruch sein. Letzterer kann zu nicht passierbaren Bächen, unterspülten Strassen oder veränderten Bachläufen führen. Letzte Woche wurden 400 Leute mit dem Hubschrauber ausgeflogen, weil Strassen nicht mehr passierbar waren. Noch nicht gezählt waren die, die länger auf einer Hütte bleiben mussten, weil die Bäche nicht zu queren waren. Wir haben ein Pärchen wiedergetroffen, die 3 Tage warten mussten in einer 6er Hütte mit 13 Personen. Als sie schließlich gelaufen sind, war es immernoch abenteuerlich zu siebt den Bach untergehakt zu kreuzen. Das Wasser ging bis zum Po.

Wasser in Form von Gletschern im Gebirge ist etwas sehr kostbares und besonderes. Es ermöglicht Bewuchs bis in große Höhen durch die permanente Befeuchtung und macht unsere Alpen so schön. In Neuseeland gibt es auch ein paar Gletscher. Wir sehen sie nur von Ferne, hier sind die Bergkuppen oft ganz sandig-schotterig.

10 Wandern – die Couch oder das Auto sind doch viel bequemer…

Manchmal fragen wir uns, wieso machen wir das. Dann war der Tag schon lang oder es ist ein Organisationstag oder die Sonne brutzelt gnadenlos oder es ist für eine Woche Essen im Rucksack oder…

Es gibt so vieles, was es nur im Gesamtpaket gibt und anders einfach nicht erhältlich ist…

Es ist die unglaubliche Landschaft: auch, wenn wir stundenlang in der gleichen Landschaft wandern, ändert sie sich trotzdem ständig etwas. z.B. Perspektiven, Bewuchs, Kleinigkeiten. 

Es gibt immer wieder abwechslungsreiche Herausforderungen wie beispielsweise die Querung von Blockhalden, Bächen, Sumpfgebieten oder buggeliggen Gras-Gebieten.

Die Bewegung tut gut. Nach einem 8 bis 10 bis 12 Stunden Tag sind wir ordentlich müde. (Kein Wanderer geht nach 20 Uhr ins Bett)

Der Sternenhimmel ist unvergleichlich. Er gibt einem ein Gefühl von unendlicher Weite und Großartigkeit.

Es tut so unglaublich gut, nur natürliche Geräusche um sich zu haben. Keine Autos, keine Hubschrauber oder Flugzeuge. Ganz einfach keine Motoren. Leise ist es meist trotzdem nicht: Der Wind pfeift, das Wasser rauscht, die Frösche quaken, die Grillen machen einen Krach, die Vögel machen erstaunlich viele unterschiedliche Geräusche.

Es gibt wenig Unterbrechungen: wir brauchen uns nicht um alles mögliche kümmern, sondern nur um das Laufen, das Schlafen, das Essen und Wasser nachfüllen. Das reicht.

Die Gemeinschaft mit den anderen ist wunderbar. Wir treffen oft Leute, die wir schon vorher getroffen haben und es ist ein sehr herzlicher Umgang miteinander; obwohl wir so relativ alt sind, nehmen uns die Jungen, die 20 bis 30 Jährigen, einfach dazu und erkennen uns an. Das ist sehr schön.
Die letzten Tage sind wir jetzt schon in Christchurch. Das ist die größte Stadt auf der Südinsel und sie liegt etwa 130 km vom Trail entfernt. Wir waren etwa eine Stunde in dieser Stadt und prompt laufen uns zwei Hikerinnen, mit denen wir viele Tage verbracht haben, über den Weg. Thomas hatte ein Sitzkissen von der einen mitgenommen, was sie liegen gelassen hatte. Eigentlich hatten wir gerade gedacht, wir werden sie nicht wieder treffen und entsorgen es doch. Trailmagic.
Oft ist es interessant und witzig, was die anderen so erzählen.

Es gibt diesen langen Weg und wir müssen nicht ständig überlegen und neu beschließen, was wir jetzt eigentlich als nächstes machen möchten. Das macht es einfach.

Die Vögel sind sehr zutraulich.

Es gibt jeden Tag irgendetwas neues oder besonderes an Tieren oder Pflanzen zu beobachten.

Es ist erstaunlich, wie weit man an einem Tag laufen kann. Wir haben es völlig unterschätzt.

Das ist erstaunlich, wo man überall laufen kann, welche Berge man hochkommen und wieder hinunterkommen kann.

Manchmal muss man Hitchhiken, um ein Stück Strasse zu umgehen oder die Vorräte aufzufüllen. Das ist wie im Fernsehen herumzuzappen nur in live: man bekommt ganz viele kleine Ausschnitte von anderen Menschen aus ihrem Leben mit. Die Menschen erzählen gern von ihrem Leben oder ihren Interessen. sie sind sehr hilfsbereit und wir lernen dadurch das Land auch besser kennen.

Es ist schön zu sehen, wie wenig wir zum Leben brauchen. Die Einschränkungen machen das Leben erstaunlicherweise nicht schlechter, sondern klarer.

Es tut gut, eine Zeit lang die Unruhe der Welt nicht mitzubekommen mit ihren oft schlimmen Nachrichten.

Ein kalter Bach an einem heißen Tag. Kopfüber rein. (Thomas mag lieber heisse Quellen ^^)

Gerüche auf dem Weg. Unvermutet Beeren finden. Honigtropfen von der Baumrinde ablecken.

Die Freude darüber, dass das Einpacken des Zeltes samt Inhalt morgens keine Aufwand mehr ist.

Der Geschmack von frischem Wasser.

Zeit zum Denken.

11 Die Zivilsation hat uns wieder

Ein Teil der Reise geht vorbei, ein neuer Abschnitt beginnt. Wir verabschieden uns mit einem lachenden und einem weinenden Auge vom Te Araroa. Keine langen Wandertage mehr. Ein bisschen Erholung, Sightseeing, Shoppen, Sich-Treiben-Lassen.

Die letzten Tage sind wir viel gefahren und haben gemerkt, wie weit wir nach Süden vorgedrungen waren.

Erst war es ein Hitch von Wanaka nach Queenstown mit einem neuseeländischen Aluminiumfensterhersteller, der viel für Europäer baut, die nach Neuseeland ausgewandert sind. Hier ist für Neubauten inzwischen auch Doppelverglasung vorgeschrieben, es gibt aber auch noch viel Einfachverglasung. Das macht zusammen mit den Holzhäusern einen holländischen Eindruck.

In Queenstown hatten wir viel zu regeln: Fähre, Bus, Mietwagen in Wellington samt offizieller Übersetzung des Führerscheins, der alte deutsche reicht nicht. Dann sind wir zum Campingplatz gelaufen: der Kiefernwaldrand mit leichter Terrassierung und einem Dutzend Zelten hat sich sehr verändert, nur die Anzahl der Zelte ist gleich, jetzt allerdings auf einer winzigen Wiese. Der Rest war mit eng gestellten Campern in vier langen Reihen und doppelstöckigen Appartmenthäusern bebaut. Für das Waschhaus gab es einen Code. 23 Jahre – eine lange Zeit. Auch die Art zu reisen hat sich verändert. Es sind sehr viele Camper unterwegs.

Queenstown war zum Bummeln eine nette Abwechslung. Wir freuten uns über das bunte Treiben am Jachthafen, inklusive lokalem Kunsthandwerkermarkt mit viel Merino, Töpferei, Schmuck und einem netten Handtaschenstand.
Die kleinen Bistros waren nett, aber nicht so liebevoll, es gibt einfach sehr viel Tourismus. Beim Spaziergang durch den sehr gepflegten schönen Park gab es wieder, wie schon oft, eine Skaterbahn – hier wird für Jugendliche mehr angeboten und merkwürdige Kettenkörbe, die sich als Frisbeecourse (offiziell disc golf) mit 18 Toren herausstellten. Slagliner waren aktiv – viel Leben. Wir beobachteten den Sonnenuntergang mit sehr leckerem Essen von Bathhouse aus, einem kleinen, alten (1890) Restaurant.
Als wir verfroren in Richtung Zeltplatz aufbrachen, wurden manche Straßenstände gerade für die Nacht neu aufgebaut.

Dann hatten wir drei Fahrtage:

Tag 1: 23.2. Queenstown – Christchurch.

Der Bus war schon ausgebucht. Also mieteten wir ein Auto. Der Blick auf die inzwischen schneeigeren Berge war sehr schön. Zwischendurch hatten wir Unterhaltung durch ein französisches Pärchen, das wir mit genommen hatten, und mit Markus Veit, Hanna und Lukas bei einem leider sehr kurzen Tee am Lake Tekapo, die dort gerade im Urlaub sind. Zelten in Christchurch mit viiiiel Platz und zum ersten Mal Auto dabei. Irgendwie ist es anders. Inzwischen haben wir im und am Zelt feste Plätze für alles. Jetzt stand das Auto irgendwie störend daneben. Und das Zelt war sonderbar leer.

Tag 2: 24.2. Christchurch – Picton

Wir gaben das Auto wieder ab und wechselten auf den Bus. Wir tranken noch Tee im C1, einem sehr witzigen Café mit Rohrpost für die Pommes, Geheimtür zur Toilette – ein fahrbares Bücherregal – und Trinkwasser aus der Nähmaschine. Und riiiiesigen Muffins. Lecker. Nebenbei wurde Kaffee geröstet, es duftete köstlich.
Ein bisschen shoppen: ein Handtuch, Extrasocken, T-Shirts, wir stocken auf.
Um 21 Uhr waren wir schließlich in Picton und nach der Aussage „we are full“ am Campingplatz wurde doch noch ein Stück Wiese gefunden.

Tag 3: 25.2. Picton – Upper Hut

Wir sind auf der Fähre. Ruhiges, sonniges Wetter. 3 1/2 Stunden. Die Hauptsaison ist um, viel ruhiger als auf der Hinfahrt vor 6 Wochen. Um 17 Uhr bekommen wir ein Auto, das wir bis zum Abflug behalten.

Wir waren insgesamt 17 Stunden fahrend unterwegs. Ein weiter Weg. Viel davon ging auch durch sehr trockene Gegenden. Ein Teil an der schönen Ostküste bei Kaikoura entlang, wo es Delphine Robben und Wale gibt. Wir wollten nicht noch mehr fliegen. (Über unsere CO2-Bilanz brauchen wir nicht zu reden….)
Wir haben zwei Tage Bett mit frischer Bettwäsche in Upper Hut gebucht. Und Frühstück. Jetzt beginnt der Teil des konventionellen Urlaubs.

12 Road Trip auf der Nordinsel

Wellington – Upper Hut – Napier – Lake Taupo – Whanganui River

Wir waren ein paar Tage mit dem Auto unterwegs. In Napier wird viel Wein und Obst angebaut. Das Erdbeben in den 20ern hat dazu geführt, dass der Stadtkern jetzt im Art Deco Stil gebaut ist mit jährlichem Festival. Bei dem Erdbeben gab es auch einen Streifen Neuland (aus dem Meer gehoben), auf dem wir gezeltet haben.
Die Strecke nach Lake Taupo war hügelig, grün!! und schön. In Taupo war Wochenende
Wir haben den BMXRadlern zugesehen. Am Rand saß zwischen den Radlern fröhlich entspannt ein diensthabender Polizist. 500m weiter gab es heisse Quellen am Flussrand mit kleinem Wasserfall. Perfekt zum Baden. Es gab ein „Wassergolf“-1-Loch-Kurs, Abschlag vom Ufer aus in den See. Die Hukafalls sind groß und ganz nett – pro Minute ließen sich mit der Wassermenge 340 Olympiaschwimmbecken füllen. Highlight war Orakei Korako – ein Geysirgebiet 45 Minuten nördlich. Die Farben waren sehr beeindruckend, völlig unnatürlich anmutend, ocker neben türkis. Schwefelgeruch, feuchte Hitze, blubbernder Schlamm, Dämpfe.

13 Whanganui River (2.3.-4.3.)

Whakahoro – Pipiriki

Nochmal der Te Araroa – dieses Mal auf dem Wasser.

Die letzten Tage in Neuseeland sind ein krönender Abschluss der Reise, back to the roots, wieder zurück auf dem Te Araroa. Auf der Nordinsel gibt es einen langen Fluss, den Whanganui, der sogar den Status einer juristischen Person hat, ein heiliger Ort der Maori. Durch diesen Status lässt er sich besser schützen, d.h. wenn der Fluss durch Massnahmen geschädigt wird, reicht das schon aus, um dagegen vorzugehen. Bei allen anderen Flüssen müssten Menschen direkt betroffen sein. 

Am Whanganui River ist der Te Araroa das einzige Mal auch auf dem Wasser – man kann laufen aber auch 3-5 Tage paddeln.

Wir paddeln von Whakahora nach Pipiriki 3 Tage 83 km. Morgens gibt es einen Shuttle zum Startpunkt über ca 1 1/2 Stunden z.T Schotterstraßen mit ca 12 anderen Paddelern. Perfekt organisiert, 4 grosse blaue Tonnen incl. Megatrockensack und einem kleinen „Agentenkoffer“ für die Wertsachen. Essen, Klamotten, Zeltsachen. Packen – wir sind es nicht mehr gewöhnt und das Auto hat zu unübersichtlicheren Dingen geführt. Mehr Komfort, mehr zu sortieren.

Wir haben ein rotes komfortables Kanu, das uns sehr an Willis Bootsverleih auf der Lahn erinnert. : ) 

Es sind sehr schöne Tage. Es sind lange Tage. Es sind meditative Zeiten.

Die Landschaft ist wunderschön: toller Wald, viel Farn, Palmen, grüne hohe Wände. Richtig hoch! Man kommt sich ganz schön klein vor. Das Wasser ist relativ niedrig, dadurch sehen wir mehr vom Fels und dürften mehr paddeln. Auswaschungen, die sich im Wasser spiegeln, Schichtungen, runde Steine, die wohl in der Lava gelandet sind vor tausenden von Jahren, Enten, Gänse, Ziegen.

Stromschnellen… spannend zu fahren. Thomas ist „the engine“, ich der captain. Mit der Zeit lerne ich, möglichst wenig Wasser einzusammeln, im Fahrwasser den Schwung mitzunehmen, nicht in das Kehrwasser zu kreiseln, die Wellen haben es in sich. Als wir am 3. Tag nach einer regnerischen Nacht 6 Boote beim Kentern beobachten, rutschen wir lieber über die flach bewässerten Steine und sammeln die dankbaren Schwimmenden ein. Nach dem nächtlichen Regen veränderten sich auch die steilen Wände: überall gab es Wasserfälle, mit vielen kleinen Stufen oder einer grossen, zwischen den grün überwachsenen Felsen. Sehr, sehr schön.

Zwischendurch gibt es den einstündigen Ausflug zu Fuss zur Bridge to nowhere, eine Brücke, die gebaut wurde, um im 1. Weltkrieg einen Rückzug an das andere Ufer zu ermöglichen. Nach dem Krieg wurden Kriegsheimkehrer dort angesiedelt. Das Gebiet war ziemlich unfruchtbar und der Anschluss der Brücke an das Strassennetz wurde nie beendet. Nur die Maori, denen das Gebiet vor Kriegsausbruch gehörte und die auch mitgekämpft hatten, bekamen kein Land zugesprochen. Bitter. 

Etwas besser ist es ihnen in Tieke gegangen, wo wir die zweite Nacht verbrachten: dort hat das DOC – Department of Conservation – eine Hütte in den 1980ern gebaut in der Nähe eines Maori-Friedhofs. Jetzt  steht dort ein Marae. Davor steht ein kunstvoll geschmitzter Baumstamm, 5m hoch, erdrot angemalt mit Darstellungen der Stammesväter und -mütter dieser Flussregion, geschützt durch ein Dach getragen von vier Säulen, symbolisch stehend für die Ältesten von vor ca. 25 Jahren, die dafür gesorgt haben, dass es eine Zusammenarbeit zwischen DOC und Maori gibt.  Im Marae zieht man die Schuhe aus, auch im angrenzenden Haus. Besonders schön finde ich es, dass diese Hütte geführt wird von einem Maoripaar.

In Tieke fehlte plötzlich die Hälfte der Mitpaddeler: die Gruppe etwas älterer Neuseeländer hatte doch die gegenüber liegende Lodge bevorzugt. Und schon waren wieder die Touris unter sich. Auf den anderen TeAraroa-Abschnitten waren auch kaum Kiwis am Laufen. Jüngere Kiwis wandern nicht besonders gerne. Und wenn jemand wandert, dann eher auf den Great Walks, Fernwanderwege, die innerhalb einer Woche zu laufen sind. Das ist deutlich anders als auf dem PCT in den USA. So ist auch die Bevölkerung den Wanderen gegenüber nicht nur positiv eingestellt und uns wurde mehrmals gesagt, dass es sehr darauf ankäme, wie sich die Wanderer benähmen, ob es den Weg weiterhin gibt. Das ist wahrscheinlich nirmal bei einem so neuen Weg.

Fazit Paddeln: traumhafter Abschnitt des TA in schönster Natur, beeindruckend.

14 COVID-19

Es beschäftigt uns während der Reise. Auf dem Zwischenstopp in Hongkong beim Hinflug wird immer wieder vor der Region Wuhang gewarnt, Maßnahmen bei Krankheitszeichen.
Es sieht aus, als ob sich alles rasant und dramatisch ausbreitet. Wir hören, dass Air New Zealand Asien nicht mehr anfliegt. Unser Flug nach Hongkong sollte von selbiger ausgeführt werden. Wir fragen beim Reisebüro an, sie wissen von nichts. Wir erfahren, dass wir inzwischen auf Cathay Airlines umgebucht sind. Und die fliegen bisher noch Hongkong an. Mundschutz in Apotheken Fehlanzeige. Da werden wir uns mit häufiger Händedesinfektion behelfen und nicht so sehr ins Gedränge gehen. Den Flug haben wir auf jeden Fall mit vielen Menschen. Und die Campingplätze hier reagieren ganz unterschiedlich: bei den einen stehen jetzt Warnhinweise und Händedesinfektionsmittel, der hiesige hat immernoch ein Baumwollhandtuch am Toilettenwaschbecken hängen.

2 Wochen später in Hongkong: Hier in Hongkong tragen 98% Mundschutz, sehr krass. Es gibt sehr unterschiedliche Modelle, die üblichen Papiervarianten mit unterschiedlichen Farben und Mustern, einige haben Ventile, manche sind aus Stoff und vermutlich zum Auswaschen gedacht. Schutzbrille oder Plastikabschirmung über dem Gesicht gibt es auch. Beim Betreten unseres Hotels, von Restaurants, Schulen etc wird die Körpertemperatur gemessen. Alles mögliche ist geschlossen: Museen, Tempel, Schwimmbäder, Vogelvolieren im Park, Seilbahn. Permanent wird gesagt, wie man sich benehmen soll, alle haben ihr Händedesinfektionsmittel mit. Nur die Shoppingmalls sind offen. In einem Cafe haben wir Papiertüten bekommen, um den Mundschutz dort vorübergehend zu deponieren. Touristen gibt es hier – zumindest für uns erkennbar – kaum. Hongkonger unter sich. Die Grenze nach China ist schon länger geschlossen.
Insgesamt bringt die Situation vielmehr Distanz. Das kleine Lächeln fehlt und Englisch mit Mundschutz ist schwierig. Selbst unsere Gespräche sind mühsamer.