Tag 45: Richtung Berge

Meile 651.3 – 670.1

Endlich Berge! – dieses Gefühl trug mich heute durch den Tag.

Wir sind um sieben Uhr von unseren Campingplatz aufgebrochen und haben dabei Early Bird und zwei Österreicher getroffen, die heute resupplyen fahren. Esra und Leon haben offenbar an der letzten Wasserquelle gecampt, die fünf Meilen zurück liegt.
Vom Walker Pass ging es bergauf. Es war aber im Vergleich zu gestern sehr angenehm kühl, denn die Sonne war noch nicht über den Bergkamm gekommen und wir befanden uns nicht mehr auf 700 Metern wie in Ridgecrest, sondern waren zwischen 1600 und 2200 Metern unterwegs.

Es ist nun auch viel mehr bewaldet als in den letzten Tagen. Durch diese Faktoren brauchten wir keine ewig lange Mittagspause machen, sondern konnten wie in den ersten Tagen eine kleine Pause zum Frühstücken einlegen, eine Stunde Mittagspause und kamen nach 18 Meilen bereits um sechs Uhr an unserem Campspot an.

Wir merkten jedoch das viele Auf und Ab in den Füßen und Beinen. Meine Schuhe sind im Grunde schon zu lange im Einsatz. Tim hatte sich ja nach 100 Meilen in Warner Springs ein neues Paar gekauft, ich laufe jedoch immer noch in den gleichen, mit denen wir in Frankfurt ins Flugzeug gestiegen sind. Also bereits über 650 Meilen und mehr als 1000 Kilometer.

Eine Faustregel besagt, dass man seine Schuhe nach spätestens 500 Meilen wechseln sollte und diesen Fehler merke ich nun. Ich war wohl einfach zu faul, mir neue Schuhe zu bestellen – Die Dämpfung ist jetzt kaum noch vorhanden und die Sohle fast durchgelaufen. Dadurch spüre ich seit gut einer Woche meine Füße Abends und auch noch am nächsten Morgen wenn wir wieder aufbrechen. Ich hatte dies zuerst auf Überlastung geschoben, bin jedoch immer mehr davon überzeugt, dass es an den fertigen Schuhen liegt. Wir werden uns in Kennedy Meadows, also in gut 30 Meilen, neue Schuhe kaufen und damit hoffentlich unsere Fußprobleme los.

Heute waren überraschend viele Wanderer unterwegs, die uns zudem auch größtenteils unbekannt sind. Es fühlte sich teils schon fast überlaufen an. Aber wir haben sehr bald die blau und orange „leuchtenden“, fast unbenutzten Rucksäcke bemerkt und damit war uns klar, dass sie wohl keine Thruhiker sind. Viele von ihnen sind auch um einiges stiller und Grüßen nicht mit der uns gewohnten Begeisterung wenn man sich begegnet. Sie müssen vermutlich erst einmal mit uns dreckigen und stinkenden Wanderern warm werden. 😉

Zum Abendessen gab es Ramen-Bomb mit delikaten Heringen aus der Konserve, die uns Herald gestern auf der Busrückfahrt geschenkt hatte. Dies war eine willkommene geschmackliche Abwechslung!

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